Pio von Pietrelcina

Pio von Pietrelcina (* 1887 – † 1968), bekannter als Pater Pio war ein italienischer Kapuziner und Ordenspriester, bei dem sich  ab 1918 Stigmata,  das heißt, die Wundmale Christi zeigten und der angeblich die Fähigkeit der Bilokation besaß.

Er konnte sich an zwei Orten gleichzeitig aufhalten. In der katholischen Kirche wird dieses Phänomen noch einigen anderen Heiligen zugeschrieben, z. B. Antonius von Padua, Josef von Cupertino und Franziskus von Assisi. Nach der Bilokation befragt antwortete Pio, dass es diese nicht gegeben habe, soweit ihm selber bewusst sei. Die Psychologie erklärt das Phänomen der Bilokation mit der normalen Fähigkeit jedes Menschen, zwar körperlich anwesend, zugleich aber im Erleben ganz woanders zu sein (z. B. im Tagtraum). Pater Pio soll des Weiteren auch über die Gaben des Heilens, der Prophetie und der Seelenschau verfügt haben. Der Freimaurer und Atheist Alberto Del Fante fand zum Katholizismus zurück, als er seinen Enkel, der an Knochen- und Lungentuberkulose und Abszessen der Nieren unheilbar erkrankt war, geheilt vorfand. Und das nach dem Pater Pio für den Jungen gebetet hatte. Del Fante veröffentlichte das Werk Padre Pio of Pietrelcina, Herald of the Lord, in dem er 36 medizinisch dokumentierte Wunder Pios beschrieb, die bis zum Jahr 1931 geschehen sein sollen. Pater Pio wird auch nachgesagt, dem jungen Karol Wojtyła 1947 sowohl die Wahl zum Papst als auch das Attentat von 1981 vorausgesagt zu haben. 

Die Stigmata von Pater Pio wurden von der katholischen Kirche nie durch ein einzelnes, offizielles Dekret isoliert „anerkannt“. Stattdessen erfolgte die kirchliche Bestätigung indirekt und schrittweise durch den Prozess seiner Heiligsprechung. Kurz nach dem Auftreten der Wundmale am 20. September 1918 leitete der Vatikan Untersuchungen ein. Zunächst herrschte große Skepsis, die Übernatürlichkeit der Male wurden bezweifelt.  Eine erste ärztliche Untersuchungen (1919) wurde durch Dr. Luigi Romanelli durchgeführt. Er kam zu dem Schluss, dass sie nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen seien und keine Entzündungszeichen aufwiesen, obwohl sie ständig bluteten. Ein weiterer Arzt Dr. Giorgio Festa untersuchte Pater Pio mehrfach (1919 und 1920) und wies die Theorie zurück, es handle sich um eine Form von Hysterie. Er stellte fest, dass die Wunden eine perfekte Symmetrie aufwiesen und einen blumigen Duft verströmten, den er wissenschaftlich nicht erklären konnte. Im Auftrag der Kirche untersuchte Professor Amico Bignami die Wunden.  Er vermutete, Pater Pio könnte die Wunden künstlich offenhalten (etwa mit Jod), obwohl sie ursprünglich natürlich entstanden sein könnten. Um Manipulationen auszuschließen, wurden Pater Pios Hände für acht Tage unter strenger Aufsicht und mit versiegelten Bandagen verbunden. Nach der Abnahme der Siegel bluteten die Wunden jedoch stärker als zuvor, was Bignami ratlos zurückließ. Über 50 Jahre lang blieben die Wunden offen, ohne jemals zu heilen oder sich zu entzünden – ein medizinisch höchst ungewöhnliches Phänomen. Interessanterweise heilten gewöhnliche chirurgische Eingriffe (wie eine Leistenbruch-Operation) bei Pater Pio ganz normal mit Narbenbildung ab, während die Stigmata unverändert blieben. Kurz vor seinem Tod im September 1968 begannen die Wunden zu verblassen. Als er starb, war seine Haut an den Stellen der Stigmata vollständig glatt und ohne jede Narbenbildung erneuert – genau so, wie er es 50 Jahre zuvor prophezeit hatte. Trotz zahlreicher Untersuchungen blieb die moderne Medizin eine endgültige Antwort schuldig, da die Wunden weder den Gesetzen der Wundheilung noch denen der Infektionslehre folgten.

Die endgültige kirchliche Bestätigung seines Lebens und der damit verbundenen Stigmata Phänomene erfolgte durch:

  • Die Seligsprechung am 2. Mai 1999 durch Papst Johannes Paul II.
  • Die Heiligsprechung am 16. Juni 2002 ebenfalls durch Johannes Paul II.

Pater Pio gilt als einer der beliebtesten Heiligen Italiens. Das Bildnis des grauhaarig bärtigen Kapuzinermönchs ist in Italien überall zu sehen. In Bars, Tankstellen, in Wohnzimmern, selbst an Autoscheiben und Armaturenbrettern. Auch in Kirchen ist Pater Pio zuhauf in Form von Figuren aus Kunstharz zu finden. Pater Pios Beliebtheit und Aura beruhen unter anderem auch auf den mysteriösen fünf Wundmalen Christi, die er in Ekstase empfangen haben soll. Angeblich waren sie stets offen und blutig, weswegen er Stulpen an seinen Händen trug, damit die Leute nicht ständig auf die Wundmale starrten. Der Vatikan kam in den 1930-er Jahren zu dem Untersuchungsergebnis, die Wundmale seien ein Fall von Autosuggestion.  Anfang März 2008 wurde der Leichnam Pater Pios exhumiert. Der örtliche Erzbischof Domenico D’Ambrosio der bei Exhumierung anwesend war, sagte später, bei der Sargöffnung habe er sogleich und gut den Bart des Heiligen erkannt. Der obere Teil seines Schädels sei teilweise skelettiert, das Kinn jedoch einwandfrei erhalten und der Rest des Körpers in gutem Zustand gewesen. Seine Hände sahen aus wie frisch manikürt.

Die sterblichen Überreste Pater Pios befinden sich seit April 2010 in einem Reliquienschrein in der Krypta der Wallfahrtskirche San Pio da Pietrelcina in San Giovanni Rotondo (Provinz Foggia, Apulien).