Alchemie im Wandel der Zeit

Universelle Gleichung der Alchemisten

Alchemie

Es gibt unendlich viele alchemistische Schriften und Bücher. Diese Forschungsarbeit ist eine kompilatorische Untersuchung der alchemistischen Literatur, bei der im Vordergrund deren Zusammenstellung und Neubewertung steht. Zu diesem Zweck wurden Zitate aus veröffentlichten Werken alchemistischer Autoren übernommen, um gemäß dem alchemistischen Motto „ein Buch öffnet das andere“ Sprichwort aus dem Buch „Experimentum Chymicum Novumvon 1680“ des Med. Doc. Joh. Joachimus Becherus (*1635 – †1682), durch deren gegenseitige Erklärungen das alchemistische Werk wieder zu vereinheitlichen und verständlich zu machen, denn es gibt nur ein alchemistisches Werk. So auch der griechische Alchemist Zosimos aus Panopolis (* ca. 350 – ca. 420), welcher zahlreiche Bücher über die Alchemie verfasste, sich selber aber als Kompilator sah, häufig Aussagen anderer Alchemisten zitierte und die Zitate mit eigenen Überlegungen ergänzte. Es ist an der Zeit, die Alchemie zu rehabilitieren. Das, was wir heute Alchemie nennen, ist im Grunde eine Art Chemie mit anderen Mitteln. Auch wenn nach heutigem Wissensstand (abseits kernphysikalischer Verfahren) die Herstellung von Gold unmöglich sei, möge sich der Leser selber ein Bild darüber machen, ob es Alchemisten gelungen ist, den Stein der Weisen herzustellen und unedle Metalle in Gold umzuwandeln. Ziel der abendländischen/westlichen Alchemie war die Verbindung der eigentlich unvereinbaren Elemente Feuer und Wasser. Gelang dies, war das Ergebnis der Stein der Weisen (auch Lapis philosophorum oder Ultima materia). Hauptinhalt der chinesischen Alchemie war die Herstellung des Chin Tan, einer lebensverlängernden Substanz. Allerdings wurde die Alchemie auch genutzt zur Umwandlung unedler Metalle in Silber und Gold, magischen Zwecken und zur Weissagung der Zukunft. Die indische Alchemie ist vermutlich im Einfluss der chinesischen Alchemie entstanden. Auch ihr Hauptinhalt ist das Herstellen einer Droge für das ewige Leben. Die jüdische Alchemie – hier stand im Vordergrund, die Umwandlung unedler in edle Metalle, wobei Gold die höchste Vollkommenheit darstellt. Der Stein der Weisen soll aus einer Substanz bestehen die unedle Metalle in edle Metalle und vor allem in Gold und Silber verwandeln könne.

Dieses Werk ist jedoch nicht dafür vorgesehen, ein Rezept zur Herstellung des Steins der Weisen zu liefern, obwohl ein möglicher Weg aufgezeigt wird, sondern es geht vorrangig darum, den Ruf der Alchemie als Vorgänger der Chemie und Wegbereiter zur Entwicklung wissenschaftlicher Methoden wiederherzustellen. Die Alchemie soll durch die systematische Sammlung und Auswertung alchemistischer Daten als eigenständige Wissenschaft, in den Kreis akademischer Disziplinen zurückgeholt werden. Zu diesem Zweck werden auch Erkenntnisse der modernen Wissenschaften (Astronomie, Physik, Chemie, Biologie und Geologie) mit herangezogen. Alchemie und wissenschaftliche Exaktheit schließen sich einander keineswegs aus. Viele Alchemisten haben äußerst exakt gearbeitet. Moderne quantitative Methoden wie Messung und Wägung waren auch im Labor der Alchemisten gebräuchlich. Im Allgemeinen bewegt sich die Alchemie aber in einem Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft, sodass auch religiöse Aspekte berührt werden. Neben einer theoretischen Komponente (geistige Alchemie) gab es einen praktischen Teil (materielle Alchemie), der den sorgfältigen Umgang mit den Destillations-, Extraktions- und Sublimationsapparaturen voraussetzte. Schon von Anbeginn mit religiösen Betrachtungen verbunden, bestand die Alchemie aus einem praktischen Teil und einer theoretischen religiösen Komponente, da es gleichzeitig immer auch um die Umwandlung des Menschen ging, Aus den alchemistischen Schriften geht hervor, dass es sich beim großen Werk neben der geistigen Entwicklung des Alchemisten um einen physischen Arbeitsvorgang handelte. 

Alchemisten versuchten vor allem, Blei und Quecksilber in Gold umzuwandeln. Der Prozess der Transmutation umfasste den praktischen, naturwissenschaftlichen Aspekt der Alchemie und gipfelte in der Erkenntnis, das alle alchymistischen Verfahren auf eine durch Atomzerfall bewirkte Verwandlung eines Metalls in ein anderes gerichtet sind (z. B. die Verwandlung von Quecksilber bzw. Blei in Gold). Der alchemistische Gelehrte und Naturforscher George Ripley hat es so umschrieben: Der Merkur macht das Wesen der Metallität aus und ist in den edlen Metallen am stärksten vertreten. Ein Metall mit solchem Merkur anreichern bzw. vermehren, heißt es zu einem edlen machen. Dies geschieht durch einen Stoff, der die Metalle ölartig auflöst. Aus diesem Öl lässt sich die Quintessenz aller Metalle herstellen, welche metallverdelnde Kraft hat, d. h. ein unedles Metall (z. B. Blei) in ein edles (z. B. Gold) zu verwandeln mag. Eine Erkenntnis die sich auch darauf begründet, dass die drei genannten Metalle Gold, Quecksilber und Blei in der Tabelle der 92 Elemente des des Periodensystems in nächster Nachbarschaft stehen und die Nummern 79, 80 und 82 tragen, weil ihre Atomgewichte  197,2 (Gold), 200,6 (Quecksilber und 207,10 (Blei) betragen. Die alchemistische Grundlehre besagt, das statt der 92 voneinander getrennten, selbstständigen nicht zusammgesetzten Elementen, es ein Urelement gibt, aus dem  alle Atomkerne gebildet sind. Dieses  Grundelement des Universums ist Wasserstoff. Zusammen mit Helium bildet Wasserstoff das Fundament aller Materie. Direkt nach dem Urknall (während der sogenannten primordialen Nukleosynthese) entstanden fast ausschließlich diese beiden Elemente: Wasserstoff (¹H) ist das einfachste Element überhaupt (nur 1 Proton, 1 Elektron). Ungefähr 75 % der gesamten normalen Materie im Universum bestehen aus Wasserstoff. Helium (⁴He) hat die Ordnungszahl 2 (2 Protonen, 2 Neutronen, 2 Elektronen). Etwa 25 % der Materie im Universum wurden direkt nach dem Urknall zu Helium geformt. Alle anderen, schwereren chemischen Elemente (wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Eisen oder Gold)  entstanden erst viel später im Inneren von Sternen durch die Kernfusion von Wasserstoff zu Helium und weiterführende Prozesse. Da ist es durchaus denkbar das aus dem Atomzerfall von Blei (207,10) oder Quecksilber (200,6)  Gold (197,2) entsteht. Ob und wie dabei etwa in den für die Tranmutation verwendeten Präparaten Radioaktivität wirksam gewesen ist, läßt sich nur vermuten. Es gibt aber deutliche Hinweise:

  • Die alten Alchemisten wussten, dass im natürlich vorkommenden Regenwasser ein subtiles radioaktives Wasser, ihr Mercurius universalis verborgen war. Diese Wasser ist analog zum Wassermolekül aufgebaut, jedoch sind die Wasserstoffatome durch Atome des schwersten Wasserstoffisotops Tritium ersetzt. Sie sagten „das auflösende Wasser ist in der Natur nicht rein, brauchbar und unvermischt vorhanden, es kann jedoch durch die Kunst gereinigt werden“. 
  • Willst du nun den Spiritum Universalis Magneticus suchen so merke dieses: Er wird auf verschiedene Art gefunden und erhalten: erstens schwebt er in der Luft, zweitens im Tau, Regen, Schnee und Hagel. Am bequemsten bekommt man ihn im Regenwasser In solchem also ist verborgen der Geist, so da alles schmiedet und gebärt, von welchem alle Dinge ihren Anfang haben und schwebt der Geist hier im Wasser.

Wenn die hochenergetischen Teilchen der kosmischen Strahlung (meistens sehr schnelle Protonen) tief in die Erdatmosphäre eindringen, stoßen sie mit den dortigen Atomkernen zusammen. Da unsere Luft zu rund 78 % aus Stickstoff (14N) besteht, treffen sie extrem häufig auf diese Atome. Das kosmische Teilchen trifft den Stickstoffkern mit so enormer Wucht, dass der Kern instabil wird und regelrecht „zersplittert“. Aus dem getroffenen Kern fliegen verschiedene Bruchstücke heraus. In seltenen Fällen ist eines dieser Bruchstücke ein Kern aus einem Proton und zwei Neutronen – und das ist exakt ein Tritium-Kern (3H). Das so entstandene Tritium ist radioaktiv (mit einer Halbwertszeit von etwa 12,3 Jahren). Es verbindet sich in der Atmosphäre fast sofort mit Sauerstoff zu überschwerem Wasser (HTO) und nimmt am normalen Wasserkreislauf teil. 

  • Obwohl die Alchemisten  HTO nicht kannten, suchten sie im Regenwasser nach einer „schwereren“, energetisch geladenen, spirituellen Essenz des Wassers, die das gewöhnliche Wasser belebt. Tritium (T) ist tatsächlich die energiereiche, „schwere“ und instabile Form des Wasserstoffs, die im Regenwasser verborgen ist. 
  • Die Alchemisten versuchten auf ihre Weise Naturphänomene zu erklären, die erst Jahrhunderte später durch die Atomphysik exakt bewiesen werden konnten.

Normales, natürliches Wasser auf der Erde besteht aus drei Wasserstoff-Isotopen: Protium (Normaler Wasserstoff) – Anteil: 99,985 %, Deuterium (Schwerer Wasserstoff) – ca. 0,015 % (ca. 150 ppm) und Tritium (Superschwerer Wasserstoff – nur in winzigen Spuren. Letzteres oxidiert zu HTO. Dieses im normalen Regenwasser enthaltene trtitierte Wasser (HTO)  ist das geheimnisumwitterte „feurige Wasser“ (Aqua Ignis) der Alchemisten.  Tritium kommt in der Natur nur in winzigsten Spuren in der oberen Atmosphäre vor, wenn kosmische Strahlung auf Stickstoff trifft. Es regnet dann in unmessbar kleinen Mengen mit dem Regenwasser herab. Um HTO in ausreichenden Mengen zu bekommen, griffen die Alchemisten zu einem Dreifachtrick: die Potenzierung, die Destillation und die Rotation. Die Rotation oder Wiederholungt fasst dabei die Eigenschaften der Potenzierung und der Destillation zusammen. Potenzierung im molekularen Sinne,  setzt die Wassermoleküle unter energetische Spannung. Dieses „High-Energy Water“ besitzt ein höheres potenzielles Energieniveau als normales Wasser. Solches Wasser ist höchst korrosiv. Wenn eine Substanz wie Regenwasser eine vorgegebene Wegstrecke wiederholt durchläuft, passiert sie das magnetische Gleichfeld der Erde, das Raumfeld des Gefäßes und das Ätherfeld. Der Raum ist permanent von unsichtbaren physikalischen Feldern (wie dem Higgs-Feld oder elektromagnetischen Feldern) durchzogen. Es kommt ständig zu messbaren Quantenfluktuationen – Teilchen entstehen und vergehen im Bruchteil einer Sekunde. Durch Destillation (Thermisches Potenzial / Entropie) wird dem Wasser massiv thermische Energie zugeführt. Solches Wasser hat eine höhere Enthalpie (freie Energie) als normales Wasser. Durch Rotation & Strömung (Kinetisches & Elektrochemisches Potenzial) bauen sich im Wasser elektrostatische Ladungen  auf und es entwickelt sich ein hohes elektrisches Potenzial (bis zu mehreren Kilovolts an der Oberfläche von Tropfen). Wenn Wasser beliebig oft die Wegstrecke in einem Steigrohr und des Kühlers durchläuft, werden die Moleküle um ein Viefaches beschleunigt. Dieser Vorgang stellt die intensivste und wirksamste Art der Potenzierung dar.  Experimente haben gezeigt das im Fall einer 2750fachen Rotation mit unterbrechenden Zwischendestillaten sich das im Regenwasser enthaltene superschwere Wasser, Tritium, in Form von HTO konzentriert. Um eine ausreichende Konzentration zu erreichen, musste der Vorgang allerdings unendliche Male wiederholt werden. Innerhalb der Alchemie wird das große Werk unter anderem deshalb auch als eine unendlich oft fortgesetzte Destillation, also eine unendliche Wiederholung des Gleichen beschrieben.

Der religiöse Aspekt der Alchemie umfasste die spirituelle Vervollkommnung des Alchemisten durch seine Arbeit. Die Alchemie ist im Laufe ihrer Geschichte leider durch betrügerische Laboranten, Schwindler und Fantasten mit der Zeit so in Verruf gekommen, dass sie heute allgemein immer noch als Aberglaube, Täuschung oder Betrug abgetan wird. Vom Standpunkt der modernen Naturwissenschaften aus wird Alchemie als minderwertige Form der Naturerklärung behandelt: Sie sei angeblich keine rationelle Wissenschaft. Die alchemistische Literatur selbst war enttäuschenderweise auch nicht immer frei von inneren und äußeren Widersprüchen, was eine zweifelsfreie Deutung wesentlich erschwert. Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich das Magnum Opus zu einem unentwirrbaren Gemisch unterschiedlichster Anweisungen und Erfahrungen, die den praktischen Prozess immer unverständlicher werden ließen. Paracelsus geht über den klassischen Vierstufen-Prozess (Schwärze“ (nigre einer do) „Weißung“ (albedo), „Gelbung“ (citrinitas) „Rötung“ (rubedo)) hinaus und beschreibt unter anderem in seiner „De natura rerum“, gedruckt zu Straßburg 1584, den Prozess einer siebenstufigen Transmutation. Bei George Ripley (* um 1415 – † 1490) einem der bedeutendsten englischen Alchemisten sind es nach seinem „Liber duodecim portarum“, gedruckt im Theatrum Chemicum, bereits 12 Stufen zur Goldherstellung. Der Alchemist Michael Maier beschrieb sogar einen achtzehnstufigen Prozess.

Die Alchemisten mussten gegenüber Außenstehenden ein strenges Schweigegebot bezüglich ihres Wissens einhalten. Sie beriefen sich generell auf eine Ethik der Geheimhaltung und bedienten sich einer verschlüsselten Fachsprache, die für Uneingeweihte nicht verständlich war. Man verbarg die experimentellen Anweisungen hinter irreführenden, vieldeutigen Formulierungen und nur Eingeweihten verständlichen Chiffren und Symbolen. Auch um sich der Geldgier der Fürsten und der Engstirnigkeit der damaligen Kirchenvertreter zu entziehen, konnten die Alchemisten unter dieser Bedrohung ihr Wissen nie vollständig offen in Büchern mitteilen. Es lag ihnen daher schon immer nahe, ihre Botschaften zu verschlüsseln und diverse Geheimschriften, Codes und Symbole zu verwenden. Anfangs wurden viele Geheimnisse den vertrauenswürdigsten Schülern sogar nur mündlich anvertraut. Das Wissen um die Transmutation (Metallumwandlung) war außerdem nicht für die Allgemeinheit bestimmt, sondern nur für wenige Auserwählte, daher wurde es verschlüsselt weitergegeben. Dies macht es schwierig, die alchemistischen Texte zu verstehen und herauszufinden, was die Autoren tatsächlich wussten. Dabei sind die frühen alchemistischen Schriften in ihrer Ausdrucksweise noch verhältnismäßig verständlich, während die späteren immer unverständlicher wurden. Beweise für gelungene Metallumwandlungen sind aufgrund geschichtlicher Berichte und einwandfreier Zeugnisse jedoch genügend vorhanden. Einer der Begründer der abendländischen Naturforschung, der englische Mathematiker und Philosoph Roger Bacon (*1214 – †1292/94) und überzeugter Anhänger der Alchemie, schreibt in seiner an Pabst Clemens IV gerichteten Begleitschrift Opus tertium (1266/1267) seines Opus maius über die Alchemie: „Wer Geheimnisse kundtut, mindert dadurch ihre Erhabenheit. Das Volk kann nichts damit anfangen und verkehrt nur alles ins Böse. Es ist Torheit, dem Esel Lattich zu geben, da er doch mit Disteln zufrieden ist. Ein Böser könnte mit diesem Wissen die ganze Welt in Verwirrung stürzen. Daher darf ich nicht diese Dinge so beschreiben, dass jeder Beliebige sie verstehe, denn dies wäre dem Willen Gottes und dem Zeugnis der Weisen zuwider.“ Ein nicht zu unterschätzendes Grundproblem der Alchemie ist, dass mittelalterliche Schriften sehr reich an falschen Zuschreibungen waren. Um sich selbst und ihre Werke zu schützen, oder auch um deren Bedeutung zu heben, schrieben Alchemisten ihre Texte oft anderen namhaften Persönlichkeiten zu. Auch die Kirche war daran nicht ganz unbeteiligt. Gestützt auf das Edikt von 1317, in welchem Pabst Johannes XXII die Alchemie verboten hatte, wurden Alchemisten als Betrüger angeprangert und sogar verfolgt. Das führte z. B. dazu, dass zahlreiche Texte auch von Autoren geschrieben wurden, die sich hinter Pseudonymen verbargen, die oft schwer und manchmal überhaupt nicht zu enträtseln waren. Viele Alchemisten waren bedeutende Chemiker und Naturforscher, die äußerst exakt gearbeitet haben. Es war ihnen möglich, auch komplexe Experimente mit Genauigkeit und Sorgfalt durchzuführen.

Die Labortätigkeit vieler Alchemisten war geprägt durch systematisches Arbeiten. Alchemie ist keine Buchwissenschaft. Ihre Erfolge liegen im Experiment. Um ihre Beobachtungen in Experimenten zu erklären haben die Alchemisten Hypothesen und Theorien entwickelt, die immer wieder verändert und angepasst werden mussten. Wir verdanken der Alchemie unter anderem die (Wieder-)Erfindung des Porzellans, des Schwarzpulvers und des Rubinglases, die Reindarstellung des Alkohols, die Entdeckung verschiedener Farb-, Gerb- und Arzneistoffe, Kenntnisse über Säuren, Salz, Laugen sowie chemische Verfahren, z.B. Destillation, Sublimation, Calcination (Oxidation) und Reduktion. Die wichtigste Laboroperation der Alchemie war die Destillation. Die Retorte ist ein schon im Mittelalter verwendetes einfaches Destilliergefäß. Retorten sind eng verwandt mit dem Alambic und gehörten zu den wichtigsten Gefäßen der Alchemisten. Bereits im 8. Jahrhundert nutzten die Araber den Alambic. Das war ein Gefäß, das für die Destillation unverzichtbar war. Die Geschichte des Alambics beginnt aber mit der mesopotamischen Kultur. In Tepe Gawra, im oberen Tigris-Tal 20 km östlich von Mosul (heute Irak) gelegen, wurden Bruchstücke eines primitiven, ca. auf das 2. Jahrhundert v. Chr. zurückgehenden Alambics gefunden, während ein weiterer in einem dem heutigen Pakistan entsprechenden Gebiet gefunden wurde und ebenfalls auf das 2. Jahrhundert v. Chr. zu datieren ist. Die mesopotamische Kultur kannte die Kunst der Destillation, jedoch wird der erste historisch bekannte Alambic in einer in der Biblioteca Marciana in Venedig verwahrten Handschrift erwähnt. Einige Autoren halten aber Cleopatra die Alchemistin  (3. Jahrhundert) für die Erfinderin des Destillationsapparats Alambic. Ein weiteres antikes Destillationsinstrument war der wegen seiner auffallenden Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Vogel unter dem Namen Pelikan bekannte Alambic. Der Pelikan war ein dicht verschlossenes Doppel-bauchiges Gefäß; im unteren Teil wurde die Flüssigkeit erhitzt, der Dampf stieg auf, kondensierte im oberen Teil und wurde durch die zwei für den Pelikan typischen seitlichen Rohre wieder nach unten geleitet, womit eine rotierende Destillation in Gang gebracht wurde.

Aus den Schriften aller Alchemisten geht hervor, dass für das große Werk eine besondere Flüssigkeit, das AZOTH benötigt wird, die geheim gehalten wurde. Diese Flüssigkeit wurde von verschiedenen Alchemisten gleichwohl in ihren Werken allgemein nach ihrem Aussehen, ihren Eigenschaften genannt und gleichnisweise umschrieben.  Es ist eine Flüssigkeit, die in der Natur unrein und vermischt vorkommt und daher erst gereinigt werden muss. Hierbei handelt es sich um einen chemischen Reinigungsvorgang. Dieser Vorgang wurde von den Alchemisten philosophische Destillation (siehe untenstehende Gleichung) genannt, doch ist er weniger schwierig wie langwierig. Mancher Alchemist hat nach eigenem Geständnis mehrere Jahre gebraucht, bis ihm die Bereitung des Azoth in ausreichender Menge gelang.

H2O * Wärme * x-Rot = D2O (2H2O) = D2O (2H2O) * Wärme * x-Rot = HTO (3H2O)

Die oben stehende Gleichung beschreibt mathematisch und physikalisch den Prozess einer Isotopenanreicherung, bei der sich die schwereren Komponenten (Deuterium und Tritium) schrittweise konzentrieren. In der Thermodynamik nennt man diesen Effekt auch kinetischer Isotopieeffekt. Da schwerere Wassermoleküle (D2O) und (HTO) eine höhere Masse als leichtes Wasser (H2O) besitzen, ändern sich ihre physikalischen Eigenschaften. Leichtes Wasser siedet bei 100 C°, während reines schweres Wasser erst bei 101,4 C° siedet. Durch Zufuhr von Energie (Wärme) in Verbindung mit einer Rotationskomponente (x-Rot), verdampft die leichte Komponente (H2O) schneller. In der verbleibenden Flüssigkeit kommt es zu einer Konzentration der schwereren Komponenten.  Schwerere Isotope bewegen sich bei gleicher Temperatur aufgrund ihrer höheren Masse langsamer. In chemischen Reaktionen oder Rotationprozessen reagiert das leichtere (H2O) bevorzugt. Die schweren Moleküle bleiben zurück und reichern sich im System an.

Das AZOTH, in der alchemistischen Literatur fälschlicherweise auch Alkahest genannt, (der Alkahest war angeblich ein alles auflösendes Lösungsmittel), wird benötigt, um die Trennung der Elementarstoffe, Mercurius, Sulphur und Sal zu bewirken. Der deutsche Alchemist Johann Kunckel (* 1634; † 1703), der später auch an der Möglichkeit der Goldherstellung aus unedlen Metallen zweifelte, lehnte z.B. die Möglichkeit der Gewinnung eines Alkahests, eines alles auflösenden Lösungsmittels mit folgenden Worten ab, Zitat: »Wenn es einen alkahest gibt, wie haben ihn denn die Besitzer desselben aufbewahrt?« Das Alkahest müsste ja das Aufbewahrungsgefäß auflösen“. Kunckel ging von einer falschen Definition aus, daher ist auch seine Schlussfolgerung falsch. Das AZOTH von den Alchemisten auch ihr lebendig machendes Wasser genannt, ist kein alles auflösendes Lösungsmittel, sondern eine geheim gehaltene flüssige Substanz, die benötigt wurde um die Quintessenz, den Mercurius Philosophorum herzustellen, die von der Materie gelöste reine Ursubstanz, die Vorstufe zum sagenhaften Stein der Weisen. Der „Mercurius Philosophorum“ ist die eigentliche Materia prima des Steins der Weisen. Wie die Alchemisten sagten: „In mercurio est, quidquid quaerunt sapientes“: Im Mercurius findet sich alles, was wir suchen. In unserem Werk, so versichern sie, genügt der Mercurius allein.

Echte Alchemisten, sogenannte Adepten hingegen hat es insgesamt wohl nur wenige gegeben. Einer der bekanntesten, aber bis heute nicht eindeutig identifizierter Alchemist, den viele für noch größer als Dschābir ibn Hayyān (lateinisiert Geber), Arnaldus de Villanova und Raimondo Lullo (deutsch: Raimundo Lullus) hielten, war Basilius Valentinus ein bisher aber nicht eindeutig identifizierter deutschsprachiger Benediktinermönch, der im Jahre 1413 im St. Peterskloster (Fertigstellung 1147) zu Erfurt gelebt haben soll. Das eben dieser Basilius Valentinus im Kloster als Arzt gewirkt haben soll, wurde durch den Geschichtsschreiber J. M. Gudenus in seiner Geschichte der Stadt Erfurt „Historia Erfordiensis (1675)“ so bestätigt. Spätere Nachforschungen eines Just. J. Ch. Motschmann ergaben, dass in den Ordensmatrikeln der Benediktiner kein B. Valentinus erwähnt ist (Erfordia Literata, 1729 – 32). In den Ordensmatrikeln werden alle Daten, hinsichtlich Name und Verleihungsdatum der mit einem Orden Beliehenen, archiviert. Die Ergebnisse von Motschmann müssen jedoch relativiert gesehen werden, denn möglicherweise hat B. Valentinus nie einen Orden erhalten, sodass er in den Ordensmatrikeln der Benediktiner auch keine Erwähnung fand. Was die eigentliche Alchemie betrifft, so bekennt sich Valentinus ausdrücklich dazu, dass er den Stein der Weisen selbst bereitet hat. Der Legende nach soll er diesen im Peterskloster verborgen haben. Das ältere Kloster aus dem Jahr 1060 wurde bei einem Stadtbrand 1080 völlig zerstört. Der Neubau von 1103 bzw. von 1127 ist aber noch weitestgehend vorhanden. Die Herstellung des Steins beschreibt Basilius Valentinus in seinem Werk „Chymische Schriften“ aus dem Jahr 1677: „Zwölff Schlüssel, Fratris Basilii Valentini, Ordinis Benedictini“. Dadurch die Thüren zu dem uhralten Stein unser Vorfahren eröffnet / und der unerforschliche Brunnen aller Gesundheit erfunden wird“. Er muss aber zunächst nur im geheimen als Alchemist gewirkt und geschrieben haben, denn sein Werk war erst ab 1599 allgemein verfügbar. Heute nimmt die Mehrheit der Forscher an, dass der deutsche Alchemist Johann Thölde (* um 1565 – † um 1614), der zwischen 1599 und 1604 die ersten Basilius-Schriften veröffentlichte, ihr eigentlicher Autor oder wenigstens Kompilator war. Diese These wird aber von anderen Forschern bestritten. Die Schriften des B. Valentinus beweisen jedenfalls große Erfahrung in der Chemie. Er entdeckte die Salzsäure, das Ammoniak, das Goldoxidammoniak (Knallgold) und das Königswasser (eine Mischung aus Salpeter- und Salzsäure). Ein Alchemist, der nach eigenen Angaben den Stein der Weisen gefunden haben will, war Bernhardus Trevisanus ein alchemistischer Autor des 15. Jahrhunderts. Nach eigenen Angaben hatte er sich ab dem vierzehnten Lebensjahr mit der Alchemie beschäftigt, zunächst mit den Schriften bekannter Alchemisten wie Geber, Rhazes, Albertus Magnus und Johannes de Rupescissa. Da er damit keinen Erfolg hatte, begab er sich ab 1452 auf Reisen in ganz Europa und dem Orient (Ägypten, Palästina, Persien), um auf diese Weise von Alchemisten zu lernen. 1472 kam er nach Rhodos, wo ihn ein seiner Familie bekannter Kaufmann finanziell unterstützte. Dort begann er mithilfe eines Priesters erneut alchemistisch zu experimentieren. Nach zwei Jahren Arbeit will er 1481 dann den Stein der Weisen gefunden haben.

Der deutsche Wissenschaftshistoriker Karl Christoph Schmieder nennt in seinem 1832 veröffentlichtem Hauptwerk „Geschichte der Alchemie“ nur fünf erfolgreiche Alchemisten: Alexander Seton, Eugenius Philalethes, Heinrich Wagnereck, Laskaris, Sehfeld. Schmieder selbst glaubte auch an die Transmutation unedler in edle Metalle in der Alchemie. Wagnereck und Sehfeld zählen nach Meinung anderer Forscher und Historiker zu den Goldmachern und mehr oder weniger betrügerischen Alchemisten. Der deutsche Alchemist Heinrich Wagnereck († 1683) behauptete unedle Metalle in Gold verwandeln zu können. Den Berichten nach, soll er erfolgreiche Transmutationen in den Jahren 1680 bis 1683 durchgeführt haben, z. B. im Jahr 1680 vor großem Publikum in Prag sowie 1682 in Frankfurt am Main. Friedrich Sehfeld, ein österreichischer Alchemist des 18. Jahrhunderts, über dessen Vorleben nicht viel bekannt ist, soll nicht nur im Besitz des Projektionspulvers gewesen sein, sondern auch die Kenntnis von dessen Herstellung gehabt haben. Sehfeld taucht erstmalig im Jahr 1745 in Bad Rodaun bei Wien auf und transmutierte dort 1 Pfund (0,45 kg) Zinn in Gold, welches dann verkauft wurde. Solche Metallumwandlungen wiederholte er danach noch mehrmals. Sehfeld nahm grundsätzlich Zinn für seine Transmutationen. Sobald das Zinn geschmolzen war, streute er ein rotes Pulver darauf. Das Metall fing sodann an zu schäumen und Blasen zuwerfen. Nach einer Viertelstunde setzte sich alles und die Masse war zu reinem Gold geworden. Eine weitere Transmutation führte er Jahre später in Amsterdam durch. Diesmal verwandelte er zwei Lot Blei in Gold. Eine weitere Transmutation gelang ihm in Halle. Er verwandelte Silber in Gold. Inwieweit hier historische Wahrheit oder Legende vorliegt, mag der geneigte Leser selbst entscheiden. Die Tatsache, dass das von Sehfeld erzeugte Gold in allen Fällen von sachverständigen Goldschmieden für echt erklärt worden ist, zeigt, dass Sehfeld kein Scharlatan, sondern ein wahrer Alchemist gewesen ist. Sein Projektionspulver verwandelte jedes Mal das gesamte Ausgangsmaterial in Gold, das heißt, es handelt sich in allen Fällen um vollständige Transmutationen, wie dies entsprechende Berichte auch bezeugen.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kamen alchemistische Forschungen weitestgehend zum Erliegen, die Alchemie musste ihrer Tochterwissenschaft, der Chemie, den Platz räumen. Das Wissen über die Herstellung des Steins der Weisen ging verloren. Dennoch gibt es auch heute noch eine geringe Anzahl aktiver und ernsthafter Alchemisten. Einer der letzten großen Alchemisten war zweifelsfrei der deutsche Albert Richard Riedel (* 1911 – † 1984), der sich selbst später Frater Albertus (auch Albertus Spagyricus) nannte. Er ging 1929 in die USA und gründete 1960 die Paracelsus Research Society in Salt Lake City, die 1980 in das Paracelsus College umgewandelt wurde. Riedel war überzeugt, dass Transmutationen auch heute noch vereinzelt stattfinden. 1998 gab er im Verlag Samuel Weiser die „Praxis spagyrica philosophica lapidis philosophorum (oder deutliche und aufrichtige Anweisung, wie der alten Weisen ihr höchstes Geheimniss oder Stein zu verfertigen)“ eines anonymen Autors, erschienen in Leipzig 1711, in deutscher Übersetzung heraus. Riedel lehrte in den USA, Australien und Europa laborantische Alchemie in 14-tägigen Seminaren. Seine Schule wurde nach seinem Tod 1984 geschlossen. Seine Seminare werden in den Gebäuden der Alchemica GmbH in Tollwitz bei Bad Dürrenberg von seinem Nachfolger Dr. Werner Ch. Nawrocki seit 2002 heute noch durchgeführt.

Auch der deutsche Alchemist Alexander v. Bernus (* 1880 † 1965) war davon überzeugt, dass es einzelnen Adepten tatsächlich gelungen sei, den Stein der Weisen herzustellen. Von Alexander v. Bernus besitzt die Badische Landesbibliothek eine bemerkenswerte Alchemie-Sammlung von etwa 580 Drucken und 18 Handschriften. Der Bestand gliedert sich in ca. 30 Titel des 16. Jahrhunderts, 180 Titel des 17. Jahrhunderts, ca. 250 Titel des 18. Jahrhunderts und 31 Titel des 19. Jahrhunderts. Bernus beschäftigte sich ab dem Jahr 1912 mit alchemistischen Studien und gründete 1921 das alchemystisch-spagyrische Laboratorium Stift Neuburg bei Heidelberg. Bekannte Mitstreiter von Alexander von Bernus waren der Naturheilkundige und Chemiker, Conrad Johann Glückselig (*1864 – †1934) und der Theosoph Dr. Rudolf Steiner (*1861 – †1925), beide Anhänger der Spagyrik, eine pharmazeutische und therapeutische Umsetzung der Alchemie. Die Arzneimittelherstellung und Therapie mithilfe alchemistischer Verfahrenstechniken, geht auf Paracelsus, zurück.

Der päpstliche Konservator,  Marquis Massimiliano Palombara, ein Vertrauter der Königin Christina Alexandra von Schweden (1626-1689 ( einzige Tochter des Königs Gustav II. Adolf),  der sich für Alchemie interessierte, erzählte von einer Begebenheit, die ihn von der Möglichkeit einer Transmutation von Blei in Gold porta magicaüberzeugte. Die Veranlassung dazu gab ihm ein als Pilger verkleideter Mann (vermutlich der Arzt Francesco Giuseppe Borri), den er eines Tages in seinem Garten Kräuter suchend antraf. Auf die Frage des Grafen nach dem Zweck des Krauts antwortete der Gefragte, es besitze die Kraft, alles in Gold zu verwandeln. Er wolle dem Grafen durch die Tat einen Beweis liefern. Sofort übergab ihm dieser sein Laboratorium. Der Pilger röstete das Kraut, zerrieb es zu Pulver und schüttete es in einen Tiegel in dem eine dicke Flüssigkeit brodelte. Dann ersuchte er, nicht mehr weiter zu schüren und das Feuer von selbst auslöschen zu lassen. Zugleich ließ   er  sich den Schlüssel zum Laboratorium geben und bat um das anstoßende Zimmer, in dem er die Nacht zu verbringen gedachte, damit er von Zeit zu Zeit nach dem Gefäß sehen könne. Am folgenden Morgen werde alles fertig sein, um das Geheimnis zu enthüllen. Am anderen Morgen aber erwies es sich, dass der Pilger  verschwunden war. Der Gaf sah im Laboratorium nach. Hier was das gesamte Inventar umgeworfen. Aus dem umgestürzten Tiegel war eine mineralische Flüssigkeit geflossen, die eine feste Masse bildete und sich als reines Gold erwies. Auf dem Tisch lagen Papiere, auf denen waren hebräische und lateinische Sprüche geschrieben, die jedoch nicht übersetzbar waren. Sie sollen aber das Geheimnis vom Stein der Weisen enthalten haben. Der Graf lies die geheimnisvollen Sprüche auf einer Marmorpforte, auch bekannt als Porta Magica oder Porta Alchemica anbringen, die heute noch im Garten des Victor-Emanuel-Platzes steht, deren Inschrift aber bis heute noch niemand vollständig enträtseln konnte. Die sieben Zeichen stammen aus Johannes de Monte-Snyder, Commentatio de Pharmaco Catholico, veröffentlicht in der „Chymica Vannus“ (Amsterdam) im Jahr 1666, und folgen der Abfolge der Planeten, die den entsprechenden Metallen zugeordnet sind: Saturn-Blei, Jupiter-Zinn, Mars-Eisen, Venus-Bronze, Merkur, Antimon und Vitriol. Um den oberen Kreis herum steht: „Das Zentrum befindet sich im Dreieck des Zentrums.“ Außerdem: „Es gibt drei Wunder: Gott und Mensch, Mutter und Jungfrau, dreieinig und eins.“ Die hebräische Inschrift „Ruach Elohim“ bedeutet „Geist Gottes“. Darunter steht: „Der Hesperius-Drache bewacht den Eingang des Zaubergartens, und ohne Alcides hätte Jason die Freuden von Kolchis nicht erfahren.“ Auf den Pfosten befinden sich sechs Siegel, jedes mit seinem eigenen Satz. Saturn/Blei: „Wenn in deinem Haus schwarze Krähen weiße Tauben gebären, dann wirst du weise genannt.“ Jupiter/Zinn: „Der Durchmesser der Kugel, das Tau des Kreises, das Kreuz der Erdkugel nützen den Blinden nichts.“ Mars/Eisen: „Wer mit Wasser brennen und mit Feuer waschen kann, macht Himmel aus Erde und kostbare Erde aus Himmel.“ Venus/Bronze: „Wenn du die Erde auf deinem Haupt fliegen lässt, verwandelst du das Wasser der Ströme mit ihren Federn in Stein.“ Merkur: „Azoth und Feuer: Indem sie Latona weiß macht, wird Diana ohne Kleid kommen.“ Antimon: „Unser Sohn lebt tot, der König kehrt vom Feuer zurück und erfreut sich der okkulten Konjunktion.“ Auf dem Sockel Vitriol: „Es ist okkultes Werk des wahren Weisen, die Erde zu öffnen, damit er Gesundheit/Sicherheit für die Menschen hervorbringen kann.“ Auf einer anderen, heute verlorenen Platte befand sich der Spruch: VILLAE IANUAM TRANANDO RECLUDENS IASON OBTINET LOCUPLES VELLUS MEDEAE 1680 (Als Iason die Tür der Villa öffnete, erhielt er das reiche Vlies von Medea 1680). Und auf der Türschwelle steht „SI SEDES NON IS“, ein Palindrom, das sowohl „Wenn du sitzt, gehst du nicht“ als auch „Wenn du nicht sitzt, gehst du“ bedeutet. Der reine Text der Inschriften und die Symbole der Porta Magica sind heute vollständig gelesen und übersetzt. Was jedoch bis heute nicht „entschlüsselt“ wurde, ist die genaue alchemistische Rezeptur zur Herstellung des Steins der Weisen oder zur Verwandlung von Blei in Gold, die laut Legende hinter den allegorischen Phrasen steckt.

Ein Dr. Jägerloh soll angeblich der letzte Alchimist gewesen sein. Dies wurde von Professor Dr. Will-Erich Peuckert (*1895),  einem deutschen Volkskundler, Hochschullehrer, Schriftsteller und Lehrstuhlinhaber für Volkskunde an der Georg-August-Universität Göttingen, bezeugt. Er lernte Jägerloh anfangs der zwanziger Jahre in der Universitätsbibliothek zu Breslau kennen. Jägerloh gab sich nach und nach als Alchimist zu erkennen und lud Peuckert am 17.05.1923 ein, ihn zwischen 11 und 12 Uhr in seiner Wohnung zu besuchen. Dort wurde Peuckert Zeuge einer Transmutation von Blei in Gold. Die Metallumwandlung wurde durch eine winzige Menge eines grauglänzenden, fetten Pulvers bewirkt. Es war allerdings nicht viel Gold erzeugt worden, nur etwa 10 Gramm. Immerhin genügte dafür 1/20 Gramm des Pulvers. Also hatte dieses eine transmutierende Kraft von 1:200. Um ganz sicher zu sein, nicht das Opfer eines Betrugs geworden zu sein, hatte Peuckert auf Wunsch Jägerlohs Tiegel, Blei, Kohle und Glasgefäße mitgebracht. Er zündete auch selbst das Kohlenfeuer an und gab das Blei in den Tiegel.  Jägerloh reichte ihm nur 1/20 des Pulvers, das Peuckert selbst in das flüssige Blei schüttete. Daraufhin verdickte sich dasselbe allmählich und war schließlich Gold geworden. Jägerloh starb leider etliche Jahre nach dieser Transmutation,  wie Peuckert berichtet; dieses erfuhr er von einer Frau, die im selben Haus wie der Adept wohnte; auch habe er vor seinem Tod alle Gläser, Geräte und den Ofen zerstört, seine Bücher verbrannt.

 Hauptlehrsätze der Alchemisten:

  •  Der Sulphur und das Nitrum sind beide gewaltige Feuer, aber gar große Feinde. Kannst du diese befreunden und alsdann einen metallischen Sulphur durch ihren feurigen Spiritum entzünden, so hast du das Menstruum Universale, den Mercurius Philosophorum, auch Azoth genannt.
  • Der Sulphur der Metalle hat einen eigenen Schwefel, durch welchen er muss gestärkt und entzündet werden, auf dass er das Dominum erhalten möge, welches eher nicht geschehen kann, es weiche denn das Wasser dem Feuer, nämlich der wässrige Mercurius seinem feurigen Schwefel.
  • Wer kein Salz hat kann keinen Azoth herstellen. Das ganze Geheimnis besteht im Salz sowie in dessen Auflösung. 

Nimm das feurig Elementum Magicum, welches von zwei Höllischen widerwärtigen Materien, als von Sulphure und Nitrum komponiert ist, mit diesem Höllischen verzehrlichen Feuer fange an dem Ende der Natur an, das ist das Gold, bestreite und kalziniere die sonst unüberwindliche Pforte der Solarischen Festung, so entzündet ein Feuer das andere, nempe, ein Schwefel den anderen, und wenn das geschieht, so dominiert das Elementum Ignis, welches ist das zweite Prinzipium in dem Solarischen Leibe. 

Alchemie

 

Theorie der Alchemisten

Tria Principia: Alle Materie besteht aus Merkur, Sulphur und Sal. Merkur entspricht auf der materiellen Ebene dem Elektron, Sulphur dem Proton und  Sal dem Neutron. Alle drei zusammen ergeben die Materie. Sal ist das vermittelnde Element. Wasserstoff ist das 1. Element, das Urelement. Wasserstoff besteht aus einem Elektron und einem Proton, also aus  Merkur und Sulphur. Bei der radioaktiven Variante Tritium (T2) kommen zwei Neutronen hinzu. Tritium ist ein Betastrahler (Elektronen). Es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 12,32 Jahren zu stabilem Helium-3 (3He) Tritium  entsteht auf natürliche Weise vor allem in der Stratosphäre, oxidiert in der Troposphäre mit einer Zeitkonstanten von 6,5 Jahren durch photochemische Reaktionen zu HTO (T-haltiges Wasser) regnet dann vergleichsweise schnell aus und gelangt so in den globalen Wasserkreislauf. In der Natur existiert es daher überwiegend als T-haltiges Wasser (HTO),  eine radioaktive Form von Wasser, in der die üblichen Protiumatome durch Tritiumatome ersetzt wurden. In seiner reinen Form als Tritiumoxid  (T2O)  ist es eine farblose, korrosive Flüssigkeit. T-haltiges Wasser (HTO) ist der Mercurius universalis der Alchemisten. Deshalb sagen sie: „Willst du nun den Spiritum Universalis Magneticus suchen so merke dieses: Er wird auf verschiedene Art gefunden und erhalten: erstens schwebt er in der Luft, zweitens im Tau, Regen, Schnee und Hagel. Am bequemsten bekommt man ihn im Regenwasser… in solchem also ist verborgen der Geist, so da alles schmiedet und gebärt, von welchem alle Dinge ihren Anfang haben und schwebt der Geist hier im Wasser“.

Der Spiritus Universalis ist der mercurialische Bestandteil des Azoth,  das Universalmenstruum der Alchemisten.  Die zweite Komponente des Azoth,  der Sulphur, ist zu finden im Stein der Alchemisten. Der griechische Alchemist Zosimos aus Panopolis beschreibt den Stein der Alchemisten so: „Dieser Stein, der kein Stein ist, dieses kostbare Ding, das ohne Wert ist, dieses mehrgestaltige Ding, das keine Form besitzt, dieses unbekannte Ding, das jeder kennt“. Der Stein der Alchemisten ist ein schwarzer Stein, trocken und hart, vulgär, billig, von einigem Gewicht. Man kann ihn pulverisieren, wie alle Steine. Er ist ein komplexes Mineral und enthält Schwefel. Es gibt ein Naturprodukt das treffend auf diese Beschreibung passt: die Steinkohle. Der Alchemist Fulcanelli sagt, er hätte den Stein der Alchemisten  25 Jahre lang gesucht, ohne ihn zu finden, obwohl er ihn ständig bei sich, unter seinen Augen und in seinen Händen gehabt hätte.  Steinkohle hatte man buchstäblich ständig „unter den Augen und in den Händen“ – als Heizmaterial, Ruß und Alltagsgegenstand. Aus  dem Stein der Alchemisten (Steinkohle) ist der weiße Sulphur und der rote Sulphur  zu extrahieren.  In vielen alchemistischen Traktate werden die erhaltenen Substanzen aus der Steinkohle genauer beschrieben. So etwa: „Zuerst ziehen wir aus der minera Saturni, dem Zentralsalz, auch genannt Saturnus Philosophorum, einen feurigen Geist, den flüchtigen weißen Adler, das Lac virginum der Adepten oder auch Spiritu mercurii genannt. Im Zentralsalz steckt auch ein weißes Öl  und ein rotes Öl , das rote flüchtige Gold der Weisen, das flüchtige Feuer der Natur. Dieses Öl wird gleichfalls durch gelinde Destillation aus dem Zentralsalz extrahiert. Oder  „im Saturnus Philosophorum steckt ein weißes und ein rotes Öl, das flüchtige Feuer der Natur“.

Auf die moderne Chemie übertragen ist das weiße Öl ist das Benzol (C6H6), eine farblose, brennbare, ölige Flüssigkeit. Das rote Öl, der rote flüchtige Schwefel der Alchemisten ist das Phenol (C6H6O). Gemäß der Formel „Solve et coagula“ sind beide Sulphura wieder zu vereinen. Dies geschieht durch Absorption. Der Vorgang der Absorption wird durch eine Affinität des einen Stoffes für den anderen hervorgerufen, es besteht eine bestimmte Löslichkeit der Stoffe ineinander. Diese Eigenschaft war bereits den mittelalterlichen Alchimisten bekannt als „Similia similibus solvuntur“ : Gleiches löst sich in Gleichem.  Phenol löst sich gut in Benzol.  Es entsteht eine homogene Lösung (ein einphasiges Gemisch), bei der sich die beiden Stoffe auf molekularer Ebene vermischen.

  • Kohle  Δ ( > 600 °C ) = H↑ + CH4↑ + N↑ + CO↑ + NH4 + OH– (Ammoniakwasser) + C14H18O4ClN5 (Steinkohlenteer) + C (Koks)
  •    C14H18O4ClN5 (Steinkohlenteer) = NH4 + OH– (Ammoniakwasser) + C6H6 (Benzol)+C6H6O (Phenol) + C10H8 (Naphtalenöl) + C14H10 (Anthracenöl)
  • C6H6 (Benzol) + C6H6O (Phenol) → C6H6(C6H6O) ( 2facher Sulphur)

Das Universal-Menstruum (Azoth) kann aber nicht hergestellt werden ohne das geheime Salzfeuer der Alchemisten. Dieses Salzfeuer ist ein trockenes mineralisches Feuer, das durch einen besonderen Kunstgriff in ein rotes feuriges Merkurialwasser verwandelt werden muss. Das geheime Salz der Weisen wird auch beschrieben als trockenes Wasser, das die Hände nicht nässt, oder Feuer, das ohne Flamme brennt. Aus der Steinkohle (Steinkohlenteer) erhielten die Alchemisten durch trockene Destillation zunächst ein klares, weises Wasser, das Ammoniakwasser (NH4OH),  aus dem sie dann das geheime Salz herstellten. Um die sulphurische Komponente mit der mercurialen Komponente im alchemistischen Sinne zu vereinen, ist das alchemistisch aufbereitete Sal ammoniacum (Ammoniumchlorid (NH4Cl  → NT4Cl) erforderlich.  Laut dem Alchemisten Johann Isaac Hollandus verbindet das Sal ammoniacum (NH4Cl) Substanzen miteinander, selbst wenn diese unverträglich sind.

NH4OH + HCl ⟶ NH4Cl + H2O
NH4OH + KNO3 + 5HCl⟶NH4Cl + KCl + NOCl↑ + Cl2↑ + 3H2O
Liegt die Salzsäure in deutlichem Überschuss und in hochkonzentrierter Form vor, ergibt sich eine oxidative Redoxreaktion. Das Hydroxid-Ion (OH–) reagiert sofort mit dem Proton (H+) der Salzsäure (HCl) zu neutralem Wasser (H2O). Das Ammonium-Ion (NH4+) bildet zusammen mit dem Chlorid-Ion (Cl–) der Säure gelöstes Ammoniumchlorid (NH4Cl). Das Kaliumnitrat (KNO3) bleibt. unverändert in Lösung. Diese Mischung  ist stark zu erhitzen. Zuerst siedet das Wasser ab. Da Ammoniumchlorid, das sich bei der Neutralisation gebildet hat, thermisch instabil ist, zerfällt es beim Erhitzen teilweise wieder in seine Gase: NH3↑+HCl↑. Diese Gase steigen auf und rekombinieren in der kühleren Luft über dem Gefäß zu einem dichten, weißen Rauch aus feinsten Ammoniumchlorid-Kristallen (Salmiak-Rauch). Das ist die Jungfrauenmilch, die Lac virginis der Alchemisten.  Sobald das meiste Wasser weg ist, reagieren das verbleibende Kaliumnitrat (KNO3) und die überschüssige Salzsäure (HCl) miteinander. In dieser  Phase bildet sich in situ das Äquivalent zu Königswasser. Die Flüssigkeit verfärbt sich tiefgelb bis orange-rot. Sie ist abzukühlen bevor alles restlos eingedampft ist. Beim Abkühlen fällt schlagartig ein weißer, kristalliner Niederschlag von Kaliumnitrat (und etwas Ammoniumchlorid) aus. Die gelösten Gase verbleiben stabil in der kalten Säure. Die Flüssigkeit behält ihre intensive gelbe, orangefarbene  Tönung. Die erkaltete Flüssigkeit ist nun eine extrem aggressive, rauchende Säuremischung, die permanent ausgast (daher verschlossene Aufbewahrung notwendig) und extrem korrosiv ist: das rote feurige Merkurialwasser der Alchemisten.

Nur dieses Feuer-Wasser vermag das Gold radikal aufzulösen.  Dabei reagiert das Gold zu löslicher Tetrachlorogoldsäure (HAuCl4),  die umgangssprachlich auch als „flüssiges Gold“ oder Goldsäure bezeichnet wird. Aus Sicht der alchemistischen Praxis war die Goldsäure zwingend notwendig um den wahren Sulphur des Goldes (Goldschwefel) zu erhalten.

Die Alchemisten gebrauchten in der Aufschliessung der Metallen zwei conträre Elemente, welche zwei Feuer genannt, nempe ein Sympathisches brennendes Hermaphroditisches Feuer (ölige Substanz) und ein kaltes metallisches Feuer (flüchtige Substanz). Das feurige Element oder die Seele der Metalle ist ihr Schwefel (Sulphur). Das kalte Feuer ist der Mercurius universalis (H2O(HTO)), welcher der Metallen Wasser genannt und durch das Salz reduziert worden  ist.

Wenn das im Regenwasser enthaltene und durch vorangegangene Rotation konzentrierte tritiierte Wasser (HTO)  und Ammoniumchlorid (NH4Cl) gemischt werden, erfolgt ein spontaner Isotopenaustausch. Das radioaktive Tritium-Atom (T) wandert dabei vom Wasser zum Ammonium-Ion. Das flüssige Wasser (H2O) dient in dieser Reaktion als Lösungsmittel. Das Ammoniumchlorid löst sich im Wasser auf. Es entsteht mono-tritiiertes Ammoniumchlorid (NH3TCl) im Gleichgewicht mit dem Wasser. Der flüchtige Mercurius (HTO) weilt im Wasser, kann aber durch die Zufuhr von Wärme (Destillation) vollständig in die Luft aufsteigen und unsichtbar werden. Erst wenn dieser flüchtige Geist mit dem Salz (NH₄Cl) reagiert, (NH₄Cl) reagieren lässt, wird das Tritium an das Ammonium-Ion gebunden. Dadurch verliert es seine Flüchtigkeit, wird „fixiert“ und bleibt nach dem Abdampfen des Wassers als fester, stabiler Kristall auf dem Boden zurück. Das „kalte Feuer“ ist in einem festen, weißen Salzkristall dauerhaft gebunden. Es ist nun nicht mehr flüchtig, solange es nicht stark erhitzt wird.

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