Geheimnisvolle Tier- und Pflanzenwelt

Zahlreiche Fakten aus der Tier- und Pflanzenwelt sind nicht nur skurril, sondern auch rätselhaft. Pflanzen kennen z. B. das Geheimnis der Alchemie. Pflanzen sind ununterbrochen damit beschäftigt, Elemente umzuwandeln, ohne dabei auf riesige moderne Teilchenbeschleuniger zurückgreifen zu müssen. Pflanzen scheinen die Fähigkeit zu besitzen, Phosphor in Schwefel, Kalzium in Phosphor, Magnesium in Kalzium, Kohlensäure in Magnesium und Stickstoff in Kalium umzuwandeln. Außerdem entziehen lebende Pflanzen der Luft und dem Boden nicht einfach Stoffe, sondern schaffen auch ständig neue. Hunderte von Analysen belegen, das z. B. in den Samen, die in destilliertem Wasser  keimen, der ursprüngliche Gehalt an Kalium, Phosphor, Magnesium, Kalzium und Schwefel auf unerklärliche Weise anstieg. Obwohl es ein physikalisches Gesetz ist, dass die in destilliertem Wasser gezogenen Pflanzen den gleichen Mineralgehalt aufweisen müssten wie die Samen, aus denen sie keimen, war nicht nur der Anteil an Mineralsalzen größer geworden, sondern auch alle anderen Komponenten der Pflanze, wie z. B. Stickstoff, der während der Veraschung der Samen frei wurde, in vermehrtem Maße vorhanden war. Wie das geschieht ist der Wissenschaft bisher ein Rätsel. Die meisten Umwandlungen werden bei den ersten zwanzig Elementen des periodischen Systems beobachtet. Sie scheinen immer Wasserstoff oder Sauerstoff mit einzubeziehen. So findet die Transmutation von Kalium (19K) zu Kalzium (20C) durch das Hinzufügen eines Wasserstoffatoms (1H) statt. Es handelt sich dabei nicht um Verschiebungen von Elektronen auf den äußeren Schalen des Atoms oder die chemischen Bindungen von Molekülen, sondern um Veränderungen der Struktur von Atomkernen, die durch Enzymaktivitäten in der lebenden Materie hervorgerufen werden.  Bei den Kernumwandlungen handelt es sich weder um rein chemische noch um rein physikalische Vorgänge. Die Natur steckt noch voller Geheimnisse und Überraschungen. Wir wissen zum Beispiel mehr über den Mond als über die Tiefsee.  Die Tiefsee ist kein lebensfreundlicher Ort. Die Druckverhältnisse sind hoch und es gibt kaum Nahrungsquellen. Im Boningraben im Pazifischen Ozean, südlich von Japan, erreicht das Meer eine Tiefe von 10.554 Metern. Der bekanntere Marianengraben ist an seiner tiefsten Stelle sogar noch etwas tiefer. Dort im ewigen Dunkel leben ebenso bizarre wie faszinierende Tiere. Der Lebensraum in der Tiefsee ist der größte der Erde – in keinem anderen auf dem Planeten leben so viele verschiedene Tierarten. Wir wissen so wenig über das, was dort unten ist.

ScheibenbäucheIm Boningraben trotzt z. B. der Scheibenbauch unglaublichem Druck und endloser Dunkelheit. Im Gegensatz zu anderen Tiefseefischen sind es bei den Scheibenbäuchen jedoch die Jungtiere, die sich in den tiefsten Regionen des Meeres aufhalten. Doch sowohl der Körperbau der Jungtiere als auch jener der ausgewachsenen Tiere ist so robust, dass sie extremen Bedingungen standhalten können. Diese wird nach heutiger Erkenntnis vermutlich bedingt durch die zunehmende Konzentration von Trimethylamin-N-oxid zur Stabilisierung der Proteine, die bei einer Tiefe von 8200 m in den Zellen die Osmolalität von Meerwasser erreicht und bei höheren Konzentrationen ohne weitere Gegenmaßnahmen zu einem osmotischen Einströmen von Meerwasser in die Zellen führen würde. Auch Nesseltiere überleben den Druck in großen Tiefen, weil sie bis zu 99 Prozent aus Wasser bestehen und dadurch nicht zerquetscht werden. Tintenfische gehören zu den häufigen Bewohnern der Tiefsee. Ihre acht oder zehn Arme treiben sie mit hohem Tempo voran. Von diesen Kopffüßlern sind rund 800 Arten bekannt. Die Hadalzone ist die unwirtlichste Gegend des Ozeans. Dort, in 6.000 bis 8.000 Metern Tiefe leben kleinste Organismen, wie die Seegurke, die den Meeresboden umgraben und Mikroben züchten. Sie betreiben offenbar so etwas wie Landwirtschaft. Der Fangzahnfisch (Anoplogaster Cornuta) siehtFangzahnfisch furchterregend aus, wird aber nur 15 Zentimeter lang. Er lebt in bis zu 5000 Meter Tiefe und steigt nachts in höhere Regionen auf.  Er besitzt die im Verhältnis zur Körpergröße längsten Zähne aller Meeresfische. Seine Fangzähne sind so lang, dass er sie beim Schließen des Mauls in spezielle Hohltaschen neben seinem Gehirn schieben muss. Seine Haut kann bis zu 99,5 % des Lichts absorbieren. Dieses „Ultra-Schwarz“ lässt ihn in der Dunkelheit der Tiefsee fast unsichtbar werden. Während sich Jungtiere von Zooplankton ernähren, jagen Erwachsene aktiv Fische und Tintenfische, die oft fast so groß sind wie sie selbst. Jungfische sehen so radikal anders aus als Erwachsene – sie haben helle Farben, große Augen und lange Kopfstacheln –, dass sie früher fälschlicherweise für eine völlig andere Gattung gehalten wurden. Da die Augen des Fangzahnfischs  in der ewigen Finsternis kaum nützlich sind, verlässt er sich auf ein stark ausgeprägtes Seitenlinienorgan, um Bewegungen und Druckveränderungen im Wasser zu spüren. In Tiefen von bis zu 5.000 Metern lastet ein Druck auf dem Fangzahnfisch, der etwa dem 500-fachen des Oberflächendrucks entspricht. Anders als viele Fische in flacheren Gewässern verzichten die meisten Tiefseebewohner wie der Fangzahnfisch auf eine gasgefüllte Schwimmblase. Luft ist komprimierbar und würde unter dem enormen Wasserdruck kollabieren. Stattdessen besteht sein Körper größtenteils aus inkompressiblen Flüssigkeiten und Gewebe, wodurch der Innendruck dem Außendruck entspricht und ein Gleichgewicht herrscht. Extremer Druck verformt normalerweise die Proteine und Enzyme eines Lebewesens, was zum Tod führt. Der Fangzahnfisch reichert in seinen Zellen hohe Konzentrationen von Trimethylamin-N-oxid (TMAO) an. Dieses Molekül wirkt wie ein chemischer „Anker“, der Wassermoleküle stabilisiert und verhindert, dass der Druck die lebenswichtigen Eiweißstrukturen im Körper zusammendrückt. Unter hohem Druck neigen Zellmembranen auch dazu, starr und brüchig zu werden – ähnlich wie Butter im Kühlschrank. Tiefseefische gleichen dies durch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus. Diese halten die Membranen auch bei extremem Druck und niedrigen Temperaturen flüssig und funktionsfähig. Und schließlich ist das Skelett vieler Tiefseefische weniger stark verkalkt sondern eher knorpelig oder porös. Diese Flexibilität verhindert, dass die Knochen unter Belastung brechen, und spart gleichzeitig Energie, die für den Aufbau massiver Knochen in nährstoffarmen Gebieten nötig wäre

Fliegender FischIn den tropischen und subtropischen Gewässern der Weltozeane leben etwa 40 Arten fliegender Fische. Besonderes Kennzeichen sind, je nach Art, zwei oder vier vergrößerte, flügelartige Flossen. Sie verleihen den Fischen die Fähigkeit, aus dem Wasser zu schiessen und über der Ozeanoberfläche zu gleiten. In einer Höhe von 1,5 Meter gleitend können die Fische über 30 Sekunden lang in der Luft verweilen. „Mehretappenflüge“ können sogar bis zu 45 Sekunden dauern. In dieser Zeitspanne legen die Meeresbewohner um die 400 Metern zurück. Meist sind sie dabei auf der Flucht vor ihren Fressfeinden. Die durch die Aerodynamik begründeten Flugleistungen sind vergleichbar mit denen von Vögeln. Gelegentlich erreichen die Fische bei ihren Gleitflügen Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und Flughöhen von bis zu fünf Metern, so dass sie manchmal in niedrige Boote geraten. Der Rogen (die Eier) des Fliegenden Fisches ist als Tobiko bekannt und wird oft als knusprige Dekoration für Sushi verwendet. Spinnen haben keine Flügel, dennoch können sie fliegen. Die Tiere schießen aus ihren Spinnwarzen am Hinterleib feine Fäden in die Luft. Diese Fäden sind deutlich dünner als jene, aus denen sie ihre Netze weben. Der Wind zieht das Gespinst in die Länge und fächert es auf, sodass eine Art Gleitschirm entsteht. An diesem können die Spinnen dann durch die Luft segeln. Doch auch bei völliger Windstille können die Tiere abheben und davonfliegen.  Die Tiere nutzen dafür das elektrostatische Feld, das in der Atmosphäre vorhanden ist. Entscheidend ist dabei der so genannte atmosphärische Potenzialgradient (APG), ein elektrischer Stromkreis, der die Erdoberfläche mit der Ionosphäre verbindet. Diesen können die Spinnen über ihren Seidenfaden wahrnehmen und nutzen. 

Alljährlich wandern riesige Tierherden in der Serengeti im Kreis. Die große Herdenwanderung gehört zu den ungelösten Geheimnissen der Natur. Bisher kann sich niemand genau erklären, warum diese Herden genau wandern und wie sie jedes Mal ihren Weg finden. Wie schaffen es die Kuckucke, am Ende eines 16 000 Kilometer langen Rundfluges, der sie von Europa nach Afrika und wieder zurückführt, genau dort anzukommen, wo sie losgeflogen sind? Wie finden in Europa lebende Aale nach 20 Jahren zurück in ihr Laichgebiet südlich der Bermuda-Inseln? Woher wissen die Ziegen am Vesuv schon sechs Stunden vor einem Ausbruch von der Gefahr und damit früher als empfindliche Messgeräte? Warum können Basilisken über das Wasser laufen? Fragen über Fragen auf die wir keine abschließenden Antworten haben. Die genauen Auslöser der Tierwanderungen, ob Wandertrieb oder konkrete Reaktion auf Umweltbedingungen, und die Orientierungsmechanismen (zum Beispiel der Magnetsinn der Zugvögel) sind oft noch nicht hinreichend genau erforscht. Auch wenn die Bereitschaft zur Wanderung vermutlich häufig genetisch festgelegt ist, gegen Wissenschaftler als konkreten Anstoß von zwei Hauptursachen aus: Erstens ein unzureichendes Nahrungsangebot, meist gepaart mit oder aufgrund von ungünstigen Witterungsbedingungen. Der Vogelzug ist dafür ein Beispiel. Zweitens die Fortpflanzung. Beispielsweise ziehen ansonsten weit verstreut lebende Tiere häufig zur Paarungszeit zu bestimmten Plätzen. Damit vergrößert sich ihre Chance, einen Partner zu finden. 

Die Wanderung der Sturmtaucher (Puffinus) und Buckelwale gehört zu den faszinierendsten Langstreckenmigrationen im Tierreich. Buckelwale (Megaptera novaeangliae) unternehmen eine der längsten Wanderungen aller Säugetiere (meist zwischen 5.000 und 8.000 Kilometer pro Strecke). Den Sommer verbringen die Wale in den kalten Polarregionen (Arktis und Antarktis), wo sie sich tonnenweise von Krill und kleinen Fischen ernähren. Im Winter ziehen sie in die warmen, flachen Gewässer der Tropen, um sich zu paaren und ihre Kälber zur Welt zu bringen. Auf der Südhalbkugel wandern sie beispielsweise von der Antarktis entlang der Küsten Südamerikas, Afrikas (z. B. Mosambik) oder Australiens nach Norden. Auf der Nordhalbkugel ziehen sie von Alaska nach Hawaii oder durch den Nordatlantik vorbei an Island und Norwegen. Sturmtaucher wiederum sind die fliegenden Meister der Langstrecke. Viele Sturmtaucherarten nutzen eine gigantische, achterbahnförmige Route über ganze Ozeane hinweg. Der Kurzschwanz-Sturmtaucher brütet im australischen Sommer in Tasmanien und fliegt im dortigen Winter (unserem Sommer) einmal quer über den Pazifik bis in die Beringstraße nach Alaska. Sie legen pro Jahr oft bis zu 60.000 Kilometer zurück. Im Nordpazifik oder Nordatlantik treffen die Vögel in riesigen Schwärmen auf die Buckelwale. Wenn Buckelwale dort Netze aus Luftblasen („Bubble-net feeding“) blasen, um Fischschwärme an die Oberfläche zu treiben, profitieren die Sturmtaucher davon und stoßen von oben herab ins Wasser, um die aufgescheuchten Fische zu fangen. 

Der Vampirgrundfink (Geospiza septentrionalis) ist eine Vogelart aus der Gruppe der Darwinfinken, die eine einzigartige und namensgebende Überlebensstrategie nutzt: das Trinken von Vogelblut. Die Art lebt ausschließlich auf den zwei extrem abgelegenen, winzigen Galapagos-Inseln Wolf und Darwin. Auf den abgelegenen Inseln  herrscht oft extreme Trockenheit. Nahrung wie Insekten, Samen oder Nektar sowie frisches Süßwasser sind monatelang Mangelware. Um in dieser kargen Umwelt zu überleben, haben die Finken Blut als nährstoffreiche und flüssige Nahrungsquelle erschlossen. Beutetiere sind hauptsächlich Nazcatölpel und Blaufußtölpel. Die Finken besitzen einen extrem spitzen und scharfen Schnabel. Sie landen auf dem Rücken oder den Flügeln der wesentlich größeren Tölpel und picken gezielt auf die Haut an den Federansätzen ein. Sobald die Wunde offen ist und Blut fließt, trinken sie dieses auf. Erstaunlicherweise wehren sich die Tölpel kaum gegen diesen Parasitismus. Forscher vermuten, dass sich dieses Verhalten aus einer nützlichen Symbiose entwickelt hat: Ursprünglich pickten die Finken den Seevögeln nur Lausfliegen und andere Parasiten aus dem Gefieder. Irgendwann öffneten sie dabei die Haut, lernten das Blut als Nahrung zu schätzen und behielten das Verhalten bei. Eine weitere kuriose Verhaltensweise ist der Eierraub.  Vampirfinken fressen auch die Eier der Seevögel. Da die Eier zu groß für ihre Schnäbel sind, rollen sie diese kooperativ gegen Steine, bis die Schale bricht. Sie nutzen ihren spitzen Schnabel auch, um die Basis von Blüten aufzubohren und direkt an den versteckten Nektar zu gelangen.

Meerechse

Die Meerechse (Amblyrhynchus cristatus) ist die weltweit einzige Echsenart, die ihre Nahrung im Meer sucht und exklusiv auf den Galápagos-Inseln endemisch ist. Sie fressen fast ausschließlich rote und grüne Meeresalgen, die sie von Unterwasserfelsen abknabbern. Große Männchen können bis zu 30 Minuten lang die Luft anhalten und in Tiefen von bis zu 18 Metern abtauchen. Überschüssiges Salz aus dem Meerwasser wird über spezielle Drüsen in den Nasenlöchern regelrecht „ausgeniest“. Die Grundfarbe der Meerechsen ist schwarz. Die dunklen Töne ermöglichen es den Tieren, sich nach ihren Tauchgängen im Meer in der Sonne schnell wieder zu erwärmen, um erneut im Meer Nahrung suchen zu können.  Als wechselwarme Reptilien kühlen sie beim Tauchen im kalten Pazifik um bis zu 10 °C ab. Danach tanken sie stundenlang Sonne auf den schwarzen Lavafelsen. Obwohl sie im Meer jagen, verbringen sie die meiste Zeit ihres Lebens an Land, dicht gedrängt in Kolonien an den Felsküsten. Die Färbung der Männchen ändert sich mit den Jahreszeiten. Zur Fortpflanzungszeit sind sie auf den südlichen Inseln am farbigsten und werden rot und grün. Auf Santa Cruz sind sie schwarz und ziegelrot und auf Fernandina ziegelrot und stumpf grün.Die genetische Diversität der Galápagos-Meerechsen im gesamten Galápagos-Archipel wurde nach der Entdeckung von fünf bisher nicht bekannten Unterarten 2017 neu klassifiziert und in elf verschiedene Unterarten unterteilt. Unter den entdeckten Arten ist auch die Amblyrhynchus cristatus godzilla, die dem Kino-Monster Godzilla ähnlich sieht.

FelsenpinguineDie Kolonien der Felsenpinguine ( Eudyptes) gehören zu den spektakulärsten und lautesten Naturschauspielen der Subantarktis. Das dichte Zusammenleben erfüllt wichtige biologische Funktionen. Sie nutzen laute, individuelle Rufe, um ihre Partner und Küken im dichten Gedränge aus tausenden Vögeln wiederzufinden. Bei Gefahr durch Raubvögel warnt sich die Kolonie gegenseitig durch kreischende Alarmrufe. Die Brutplätze liegen oft nur einen Schnabelhieb weit voneinander entfernt auf steilen Klippen oder Felshängen. Jeder Brutplatz wird lautstark und aggressiv mit Schnabelhieben gegen Nachbarn verteidigt. Felsenpinguine sind echte Kletterkünstler. Felsenpinguine bewegen sich völlig anders fort als die meisten anderen Pinguinarten. Da sie in extrem steilen, zerklüfteten Felslandschaften leben, haben sie eine einzigartige Fortbewegungsart entwickelt. Statt wie andere Pinguine auf dem Bauch zu rutschen,  hüpfen sie mit geschlossenen Füßen von Felsspalte zu Felsspalte. Beim Springen strecken sie ihre kurzen Flügel weit nach hinten aus, um das Gleichgewicht in der Luft zu halten. Dabei können sie Sätze von bis zu 30 Zentimetern Höhe machen. Ihre Füße sind mit langen, extrem scharfen Krallen ausgestattet. Diese geben ihnen selbst auf nassen, rutschigen und von Algen bewachsenen Klippen sicheren Halt. Wenn ein Hang zu steil wird, setzen sie ihren kräftigen Schnabel wie einen Eispickel ein, um sich nach oben zu ziehen. Im Meer verwandeln sich die scheinbar ungeschickten Vögel in hocheffiziente Schwimmer. Sie nutzen ihre Flügel wie Unterwasserflügel. Damit „fliegen“ sie regelrecht durch das Wasser und erreichen Geschwindigkeiten von rund 7 bis 8 Kilometern pro Stunde. Wenn sie vom Meer zurückkehren, nutzen sie die Wucht der Wellen und katapultieren sich mit einem gezielten Sprung direkt aus dem Wasser auf die steilen Felsen, wo sie sofort auf den Füßen landen.

Moschusochse Der Moschusochse (Ovibos moschatus) ist ein arktischer Paarhufer, der trotz seines namens und rindartigen Aussehens biologisch enger mit Ziegen und Schafen verwandt ist. Die imposanten Tiere gelten als Überlebende der letzten Eiszeit und sind perfekt an extreme Kälte angepasst. Die Vorläufer der heutigen Moschusochsen entwickelten sich vor etwa einer Million Jahren in der Tundra des nördlichen Zentralasien Die ältesten Fossilien der Moschusochsen-Gattung Ovibos wurden in Deutschland gefunden und stammen aus der Mindeleiszeit. Bullen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 150 cm und wiegen 300 bis 400 kg. Kühe sind mit maximal 130 cm Höhe und 200 bis 300 kg deutlich kleiner. Sie besitzen das längste Fell aller Säugetiere (bis zu 62 cm lange Grannenhaare). Die extrem feine Unterwolle (Quiviut) schützt sie vor Temperaturen von bis zu -70 °C.  Beide Geschlechter tragen massive, nach unten und außen geschwungene Hörner. Bei älteren Bullen stoßen diese auf der Stirn zu einem dicken Hornschild zusammen. Während der Paarungszeit scheiden Bullen eine Substanz im Urin aus, die süßlich nach Moschus riecht. Eine echte Moschusdrüse besitzen sie jedoch nicht. Moschusochsen bewohnen die karge, baumlose arktische Tundra. Sie ernähren sich rein vegetarisch von Gräsern, Seggen, Flechten, Moosen und arktischen Weiden. Mit ihren scharfkantigen Hufen können sie im Winter selbst dicke Eisschichten aufbrechen, um an Nahrung zu gelangen. Gelingt es einem Tier wegen schlechter Weide- und Wetterbedingungen nicht, eine für den Winter ausreichende Fettreserve aufzubauen, droht der Hungertod, meist im Spätwinter und zu Frühjahrsbeginn. Die natürlichen Hauptvorkommen liegen im Norden von Kanada und Grönland sowie in Alaska und Sibirien. In Europa wurden sie vor rund 80 Jahren erfolgreich im norwegischen Dovrefjell-Nationalpark ausgewildert. Eine winzige Herde lebt zudem im schwedischen Härjedalen. Die Tiere leben in festen, sozialen Herden zusammen. Bei Gefahr durch Feinde wie Polarwölfe fliehen sie nicht, sondern bilden eine geschlossene Verteidigungsphalanx. Die erwachsenen Tiere stellen sich im Kreis mit den Hörnern nach außen auf, während die Kälber im Inneren geschützt werden. Während der Brunft im Spätsommer tragen die Bullen spektakuläre Rangkämpfe aus. Sie laufen aus großer Distanz aufeinander zu und prallen mit den Köpfen frontal zusammen. Dank einer 7,5 cm dicken Schädeldecke überstehen sie diese enormen Kräfte unverletzt.

Als „Schneeaffen“ werden die Japanmakaken (Macaca fuscata) bezeichnet, da sie von allen nicht-menschlichen Primaten weltweit das am weitesten nördlich gelegene Verbreitungsgebiet bewohnen. Sie sind berühmt dafür, die eisigen Winter in den Bergen Japans zu überstehen, indem sie ausgiebig in natürlichen heißen Thermalquellen baden. Sie leben auf den japanischen Inseln Honshū, Shikoku und Kyūshū. In ihren Bergregionen herrscht oft monatelang strenger Frost und tiefer Schnee. Ein extrem dichtes, wärmendes Winterfell schützt die Tiere vor Minustemperaturen. Die Affen nutzen vulkanische Thermalquellen (Onsen), um sich bei Wassertemperaturen von rund 40 °C aufzuwärmen. Dieses Verhalten wurde erstmals 1962/1963 von Forschern beobachtet und wird seitdem von Generation zu Generation weitergegeben. Während des Badens betreiben die Tiere intensive Fellpflege (Lausen), was den Zusammenhalt der Gruppe stärkt.

SpinnenschwanzviperDie Spinnenschwanzviper (Pseudocerastes urarachnoides) ist eine hochspezialisierte Giftschlange, die für eine der spektakulärsten Jagdtechniken im gesamten Tierreich bekannt ist. Ihr auffälligstes Merkmal ist die Schwanzspitze, die täuschend echt wie eine Spinne aussieht. Vorkommen: Die Art lebt ausschließlich in den abgelegenen, felsigen Wüsten- und Karstregionen im Westen des Irans sowie im Grenzgebiet zum Irak. Obwohl bereits 1968 ein erstes Exemplar gesammelt wurde, hielten Forscher die seltsame Schwanzspitze zunächst für eine Fehlbildung oder einen Parasitenbefall. Erst im Jahr 2006 wurde sie offiziell als eigenständige Art beschrieben. Am Ende ihres Schwanzes besitzt die Viper eine knollenartige Verdickung, von der lange, herabhängende Hornschuppen ausgehen. Diese Struktur imitiert perfekt den Körper und die Beine einer Webspinne. Die Viper ist ein Lauerjäger und nutzt eine Taktik, die sich aggressive Mimikry (Locktarnung) nennt. Die Schlange legt sich auf den felsigen, gipsreichen Untergrund, an den ihre graubraune Schuppenhaut perfekt angepasst ist. Sie bleibt absolut regungslos liegen. Sie bewegt ausschließlich ihre Schwanzspitze im Kreis oder Achterschleifen über den Fels. Für vorbeifliegende Tiere sieht dies exakt so aus, als würde eine fette Spinne über den Stein krabbeln. Hauptsächlich insektenfressende Vögel fallen auf diesen Trick herein. Sobald ein Vogel landet, um die vermeintliche Spinne zu fressen, schnellt die Giftschlange mit blitzschnellem Biss hervor.

Die Berberaffen von Gibraltar sind die einzigen wildlebenden Primaten in ganz Europa. Sie leben im [Naturschutzgebiet am Felsen von Gibraltar. Ursprünglich stammen die Berberaffen aus Marokko und Algerien. Heute leben etwa 300 Tiere in fünf verschiedenen Trupps auf dem Felsen. Berberaffen erreichen eine Kopfrumpflänge von 55 bis 63 Zentimetern und ein Gewicht von 9,9 bis 14,5 Kilogramm. Männchen werden deutlich schwerer als Weibchen und haben deutlich längere Eckzähne als die Weibchen. Die Affen sind schwanzlos. Da einer Legende zufolge Gibraltar solange in britischer Hand bleibt, solange dort Berberaffen leben und der Bestand 1942 auf wenige Tiere gesunken war, ließ der britische Premierminister Winston Churchill einige Tiere aus Marokko auf der Halbinsel aussetzen.

Der Pillendreher (Scarabaeus sacer) ist bekannt für sein Verhalten, Kot von Pflanzenfressern zu Kugeln zu formen und diese rückwärts am Boden zu rollen. Auf großen Kothaufen herrscht enorme Konkurrenz. Der Käfer formt schnell ein Stück Dung zu einer perfekten Kugel, um es  in Sicherheit zu bringen. Das Weibchen legt in der vergrabenen Kugel ein Ei ab. Die schlüpfende Larve ernährt sich im Inneren der Kugel geschützt vom umgebenden Dung. Ein Pillendreher kann Kugeln bewegen, die bis zu 40 Gramm wiegen – das entspricht dem 20-Fachen seines eigenen Körpergewichts. Er bewegt sich dabei rückwärtslaufend fort und nutzt seine starken Hinterbeine zum Schieben. Im antiken Ägypten wurde der Käfer als Heiliger Skarabäus verehrt.

Tanz der StareDer Tanz der Stare (wissenschaftlich als Murmuration bezeichnet oder in Skandinavien als „Schwarze Sonne“ bekannt) ist eines der faszinierendsten Naturschauspiele der Welt. Dabei schließen sich Zehntausende bis Millionen von Vögeln zu gigantischen, synchron pulsierenden Wolken am Himmel zusammen. Greifvögel wie Falken oder Habichte werden durch die ständigen Formationswechsel verwirrt. Es fällt ihnen extrem schwer, ein einzelnes Opfer zu fixieren. Der Tanz der Stare findet primär abends statt, kurz bevor die Vögel in Schilfgebieten oder Bäumen landen, um gemeinsam zu übernachten. Lange Zeit war es ein Rätsel wie die Vögel ohne Zusammenstöße die Richtung wechseln können. Biologen und Physiker fanden heraus, dass kein Anführer den Schwarm lenkt. Stattdessen reagiert jeder einzelne Star blitzschnell auf seine sieben direkten Nachbarvögel. Ändert einer die Richtung, überträgt sich diese Bewegung wie eine Welle in Millisekunden durch den gesamten Schwarm. Das Phänomen erreicht im September und Oktober seinen Höhepunkt, bevor die Vögel nach Süd- und Westeuropa ziehen.

Der Hochzeittanz der Eintagsfliegen: Millionen geschlechtsreifer Männchen versammeln sich in der Dämmerung zu Schwärmen. Durch ständiges Auf- und Abwärtsfliegen locken sie die Weibchen an, um sich im Flug zu paaren und so in kürzester Zeit den Fortbestand der Art zu sichern. Nach bis zu mehreren Jahren Entwicklungszeit als Larve im Wasser schlüpfen die Insekten an der Wasseroberfläche. Als flugfähige, aber noch unreife „Subimago“ häuten sie sich meist nach kurzer Zeit ein letztes Mal zur geschlechtsreifen „Imago“. Im finalen Stadium nehmen sie keine Nahrung mehr auf, da ihre Mundwerkzeuge verkümmert sind. Ihre gesamte, oft nur wenige Stunden bis maximal vier Tage andauernde Lebensspanne dient ausschließlich der Fortpflanzung. Der Balztanz der Männchen besteht aus einem typischen Auf- und Abwärtsflug. Dabei steigen sie in der Luft nach oben und lassen sich trudelnd wieder nach unten fallen. Durch dieses spezielle Bewegungsmuster vermeiden Männchen Verwechslungen untereinander und erkennen die horizontal fliegenden Weibchen. Die Weibchen fliegen gezielt in den Schwarm hinein, wo sie von den Männchen ergriffen werden. Die eigentliche Paarung findet anschließend im Flug statt. Nach der Befruchtung werfen die Weibchen ihre Eier ins Wasser, damit im folgenden Jahr die nächste Larvengeneration schlüpfen kann Direkt nach dem Hochzeitsflug sterben die Männchen und fallen leblos auf die Wasseroberfläche, wo sie von Fischen oft dankbar als Nahrung angenommen werden. Die Weibchen sterben kurz nach der Eiablage. 

Als „gefiederte Brandstifter“ werden bestimmte australische Greifvogelarten bezeichnet, die nachweislich gezielt Brände legen und verbreiten, um Beutetiere aufzuscheuchen. Hauptsächlich drei Greifvogelarten in den Savannen Nordaustraliens zeigen dieses Verhalten: Schwarzmilan, Pfeifweih und Braunfalke. Wenn ein natürlicher oder von Menschen kontrollierter Buschbrand lodert, fliegen die Vögel dicht an die Rauchgrenze heran, greifen sich mit den Fängen oder dem Schnabel brennende oder glimmende Äste. Damit fliegen sie teilweise über einen Kilometer weit zu noch unberührten, trockenen Grasflächen und lassen das brennende Holz gezielt ins trockene Gras fallen, um einen neuen Brandherd zu entfachen. Durch das neue Feuer geraten Insekten, Echsen, Frösche und kleine Nagetiere in Panik und fliehen aus ihrer Deckung – direkt in die Fänge der lauernden Jäger. Auch der Australische Feuerkäfer besitzt eine extreme Ausprägung der Pyrophilie („Feuerliebe“). Er nutzt hochentwickelte Infrarotsensoren, um Wald- und Buschbrände aus Entfernungen von bis zu 50 Kilometern aufzuspüren, und fliegt gezielt in das verbrannte Areal hinein. Auf den frischen Brandflächen finden die Käfer ideale Bedingungen, um sich zu paaren. Fressfeinde wie Vögel meiden den Rauch, wodurch die Käfer völlig ungestört sind. Die Weibchen legen ihre Eier direkt in das noch glimmende oder frisch verbrannte Eukalyptusholz ab. In gesundem Holz würden die Larven durch das klebrige Baumharz ersticken. Das tote Brandholz hingegen bietet ihnen Nahrung im Überfluss. Der Käfer besitzt Infrarot-Sinnesorgane an den Seiten seines Hinterleibs. Diese Sensoren dienen aber weniger dem Finden des Feuers über riesige Distanzen (das erledigt er vermutlich über den Geruch des Rauches),  sondern fungieren  als Hitzewarnsystem: Sie bewahren den Käfer beim Landen davor, auf über 50 °C heißen Oberflächen zu landen und zu verbrennen.  Angelockt werden die paarungsbereiten Käfer durch Guajacol (kommt im Harz von Guajak-Bäumen vor) und dessen Derivate im Rauch. Sie nehmen dieses mit chemischen Sinnesrezeptoren in den Fühlern wahr; auch bei Feuern in mehreren Kilometern Entfernung.

SpinnenflugSpinnen haben keine Flügel, können aber mithilfe einer Technik namens Ballooning (auch Fadensegelflug oder Spinnenflug genannt) hunderte Kilometer weit durch die Luft fliegen. Die Spinne klettert auf einen erhöhten Punkt wie einen Grashalm oder Zweig, hebt ein Bein, um die Windgeschwindigkeit zu testen und schießt dann hauchdünne Seidenfäden aus ihren Spinndüsen in die Luft. Diese Fäden fächern sich auf und wirken wie ein Gleitschirm, selbst bei minimalem Aufwind. Selbst bei völliger Windstille können die Spinnen abheben. Ihre feinen Fäden laden sich statisch auf. Sie nutzen dann das elektrostatische Feld der Erde, um sich  in die Höhe abzustoßen. Vor allem Jungspinnen nutzen den Flug, um neue Lebensräume zu besiedeln oder um kannibalischen Artgenossen zu entkommen. Auch andere Tiere, gemeint sind nicht Vögel, können durch die Luft fliegen. Die Schmuckbaumnattern sind eine Gattung baumbewohnender Schlangen aus Süd- und Südostasien, die für ihre einzigartige FähigkeitFlugkünste der Schmuckbaumnatter zum Gleitflug berühmt sind. Die bis zu 1,50 Meter langen Tiere werden deshalb auch oft als „Fliegende Schlangen“ bezeichnet. Die Schlangen vollführen präzise Gleitflüge über Distanzen von bis zu 30 Metern. Die Schlange springt von einem Ast ab, flacht ihren Körper auf die doppelte Breite ab und zieht den Bauch nach innen. Dadurch entsteht eine Tragfläche (wie ein Fallschirm), während wellenförmige Bewegungen den Flug stabilisieren. Auch Gleithörnchen (Pteromyini) können mithilfe einer behaarten Hautmembran (Gleithaut)Gleithörnchen weite Strecken durch die Luft gleiten. Die Flughaut  zwischen den Vorder- und Hinterbeinen wirkt wie ein Wingsuit für Distanzen von bis zu 80 Metern. Das Hörnchen taxiert das Ziel und springt mit kraftvollem Abdruck vom Baum ab. In der Luft spreizt es alle vier Gliedmaßen weit von sich. Dadurch spannt sich die Gleithaut (Patagium), eine behaarte Hautfalte zwischen den Vorder- und Hinterläufen. Durch gezieltes Bewegen der Beine verändert das Hörnchen die Spannung der Gleithaut. So fliegt es präzise Kurven von bis zu 90 Grad. Der buschige Schwanz dient in der Luft als Steuerruder und sorgt für die nötige Balance. Kurz vor der Landung reißt das Tier den Körper nach oben und streckt die Gleithaut in den Wind. Dieser extreme Anstellwinkel wirkt wie ein Fallschirm und bremst den Flug ab. Es landet vertikal mit dem Kopf nach oben am Baumstamm. 

Der Mono Lake in Kalifornien ist ein extrem salzhaltiger und alkalischer Natronsee. Er bildet die Lebensgrundlage für Milliarden von Salzfliegen. Da es im See wegen der extremen Bedingungen keine Fische gibt, können sich die Fliegen massenhaft vermehren. Im Sommer bilden die Fliegen kilometerlange, dichte schwarze Säume direkt an der Wasserlinie. Die Insekten sind weltberühmt für ihre Fähigkeit, unter Wasser zu tauchen. Sie können minutenlang bis zu mehreren Metern tief tauchen, um dort Algen zu fressen und geschützt ihre Eier abzulegen. Sie nutzen die weltberühmten Kalktuff-Türme (Tufas) im See, um daran ins Wasser zu krabbeln. Wenn die Fliege ins Wasser krabbelt, hüllt sie sich in eine hauchdünne, silbrig glänzende Luftblase ein. Diese Blase bedeckt den gesamten Körper mit Ausnahme ihrer Augen, damit sie unter Wasser sehen kann. Das gelingt ihr wegen ihrer Superhaare. Der Körper der Fliege ist extrem dicht mit winzigen, wachsüberzogenen Haaren bedeckt. Dieses Wachs ist extrem wasserabweisend (superhydrophob). Die Oberflächenspannung des Wassers am Mono Lake ist durch den hohen Salz- und Carbonatgehalt sehr gering. Normalerweise würden Insekten dadurch sofort ertrinken. Die spezielle Kombination aus Wachs und Behaarung bricht das Wasser jedoch auf und schließt die lebenswichtige Luftblase ein. Die Blase dient als temporäre Lunge, da sie Sauerstoff aus dem Wasser filtert. Wenn der Sauerstoff knapp wird, lässt die Fliege einfach den Halt am Stein los. Durch den Auftrieb der Luftblase schießt die Fliege wie ein Korken nach oben, durchbricht die Wasseroberfläche und ist sofort wieder vollkommen trocken und flugbereit. Über zwei Millionen Zugvögel (wie Kaliforniermöwen oder Wassertreter) landen jährlich am See. Sie nutzen die Fliegen als Kraftnahrung für ihre langen Flüge nach Südamerika. Vögel rennen oft mit offenem Schnabel durch die Fliegenschwärme, um sie wie ein Staubsauger aufzusaugen.

KüstenmammutbaumIn einem schmalen Streifen an der US-Pazifikküste von Nordkalifornien bis Oregon wächst der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens). Sie halten den Rekord für die höchsten Bäume der Welt. Der Spitzenreiter „Hyperion“ misst über 115 Meter. Bei der letzten offiziellen Messung im Jahr 2019 stand er bei 116,07 Metern. Damit ist er deutlich höher als die Freiheitsstatue in New York (93 Meter) oder der Big Ben in London (96 Meter). Sein Alter wird auf 600 bis 800 Jahre geschätzt. Er wächst in einem abgelegenen Teil des Redwood Nationalparks in Kalifornien .In den Höhenlagen der kalifornischen Sierra wächst eine andere Art, der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum). Er wird nicht ganz so hoch, dafür aber extrem massiv. Gemessen am Volumen sind sie die größten Lebewesen der Erde. Oder Pando, ein gigantisches Klon-Kolonievorkommen der Amerikanischen Zitterpappel (Populus tremuloides) im US-Bundesstaat Utah. Die Kolonie besteht aus rund 47.000 Stämmen. Sie sind alle Klone und über ein einziges Wurzelsystem verbunden. Mit schätzungsweise 6.000 Tonnen ist es eines der schwersten und ältesten Lebewesen der Erde. Besonders Skurril sind die Geisterbäume (engl. Ghost Trees) oder Albino-Redwoods, eine extrem seltene, geisterhaft weiße Laune der Natur in den Küstenmammutbäumen. Weil den Bäumen das grüne Pigment fehlt, erstrahlen ihre Nadeln in reinem Weiß oder hellem Cremeton. Ohne Chlorophyll können sie jedoch keine Photosynthese betreiben und somit keine eigene Energie aus Sonnenlicht gewinnen. In einer normalen Pflanzenwelt wäre dies das sichere Todesurteil, doch sie überleben dank eines einzigartigen Netzwerks. Die Geisterbäume verwachsen unter der Erde mit den Wurzeln ihrer gesunden, grünen Nachbarbäume. Sie werden von den Mutterbäumen regelrecht „mitgefüttert“ und erhalten so alle wichtigen Zuckerverbindungen und Nährstoffe. Wegen des permanenten Nährstoffmangels wachsen sie extrem langsam und bilden sehr dichte Jahresringe. Sie bleiben im Vergleich zu den gigantischen, über 100 Meter hohen Küstenmammutbäumen eher klein und strauchartig. Es gibt weltweit schätzungsweise nur wenige Dutzend dieser sagenumwobenen Albino-Exemplare. Die genauen Standorte der meisten Geisterbäume werden von Rangern und Forschern streng geheim gehalten. Nur so können die faszinierenden Mutanten vor dem Massentourismus geschützt werden.

Der Manzanillobaum oder Strandapfel ist einer der giftigsten Bäume der Welt. Alle Teile der Pflanze enthalten starke Toxine. Der milchig weiße Pflanzensaft enthält Phorbol und andere hautirritierende Stoffe. Phorbol selbst ist ein relativ ungefährlicher Alkohol, aber seine chemischen Verbindungen – die sogenannten Phorbol-Ester – sind hochgradig giftig. Bei Regen wird Milchsaft aus den Blättern abgesondert, der, wenn man währenddessen unter dem Baum steht, zu Blasenbildungen auf der Haut und zu Augenreizungen führen kann. Das Holz und die Blätter geben bei der Verbrennung reizende Gase ab. Der Rauch des verbrannten Holzes kann, wenn er in die Augen tritt, eine vorübergehende Blindheit zur Folge haben. Die Früchte können bei Verzehr tödlich sein.

Die Natur steckt voller Geheimnisse, die Forschende bis heute vor Rätsel stellen. Noch mehr faszinierende Phänomene aus der Tier- und Pflanzenwelt. 

Turritopsis dohrnii Die unsterbliche Qualle (Turritopsis dohrnii): Sie kann ihren Lebenszyklus umkehren. Bei Stress oder Alterung altert sie nicht, sondern altert rückwärts. Sie verwandelt sich zurück in ein genetisch identisches Polypenstadium. Dieser Kreislauf ist theoretisch unendlich wiederholbar. Normalerweise durchlaufen Quallen einen klassischen Lebenszyklus: Larve → Polyp am Meeresboden → schwimmende Meduse (erwachsene Qualle). Bei Turritopsis dohrnii können allerdings Zellen des Außenschirms (Exumbrella) durch Transdifferenzierung zum Keim eines neuen Polypen werden. Dadurch wird eine neue Polypengeneration erzeugt, die direkt aus der Meduse hervorgeht und mit dieser genetisch identisch ist. Die Art ist damit der erste bekannte Fall eines Vielzellers (Metazoa), bei dem sich das geschlechtsreife Individuum wieder zu einer sexuell unreifen koloniebildenden Lebensform zurückentwickelt. Die genetischen Geheimnisse der Unsterblichkeit sind drei Faktoren:  Das  Genom  der Qualle besitzt hunderte hochentwickelte Gene zum Schutz und zur Wiederherstellung beschädigter DNA. Ein modifiziertes Protein verhindert das Verkürzen der Chromosomen-Enden (Telomere), welche bei anderen Lebewesen die biologische Uhr des Alterns steuern. Während der Verjüngung reguliert die Qualle Genkomplexe herunter, die normalerweise Entwicklungsstufen festschreiben, und reaktiviert Pluripotenz-Faktoren. Die Genomforschung an Turritopsis dohrnii liefert der menschlichen Altersforschung (Longevity) wertvolle Ansätze: Wissenschaftler nutzen die Erkenntnisse der Qualle, um gealterte menschliche Zellen mithilfe von Proteinen (sogenannten Yamanaka-Faktoren) in ein jugendliches Stadium zurückzuversetzen. Die Qualle besitzt hochentwickelte Gen-Kopien zur Genom-Stabilisierung. Die Forschung sucht nach Wegen, die menschliche DNA-Reparatur zu boosten, um altersbedingte Mutationen und Krebs zu verhindern. Beim Menschen verkürzen sich die Chromosomen-Enden (Telomere) bei jeder Zellteilung, was zum Zelltod führt. Das Enzym-System der Qualle dient als Vorbild, um diesen Prozess beim Menschen aufzuhalten oder umzukehren.
Das „Wood Wide Web“: Bäume kommunizieren unterirdisch über ein riesiges Pilznetzwerk. Sie warnen Nachbarn vor Schädlingen oder teilen Nährstoffe mit kranken Bäumen. Wie genau dieses komplexe „Gehirn“ ohne zentrales Nervensystem Entscheidungen trifft, ist noch unklar. Das biologische Fundament des Wood Wide Web ist die Mykorrhiza (griechisch für „Pilzwurzel“). Rund 90 % aller Landpflanzen leben in dieser Lebensgemeinschaft mit Pilzen. : Pilze besitzen keine Blätter und können keine Photosynthese betreiben. Die Bäume liefern ihnen daher überschüssigen Zucker (Kohlenhydrate). Im Gegenzug spüren die mikroskopisch feinen Pilzfäden (Myzel) im Boden Wasser, Stickstoff und Phosphor auf und leiten diese hocheffizient an die Baumwurzeln weiter. Da ein einzelnes Pilzgeflecht die Wurzeln vieler verschiedener Bäume anzapft, entsteht ein echtes, weitverzweigtes Verbundnetz. Unter einem einzigen Quadratmeter Waldboden können sich tausende Kilometer dieser biologischen Daten- und Stromleitungen befinden. Dieses gemeinsame Mykorrhiza-Netzwerk dient dem Ressourcenausgleich und als Frühwarnsystem. Große, alte Bäume („Mutterbäume“) fangen das meiste Sonnenlicht ein. Sie können über das Pilznetzwerk schwächere Keimlinge oder kranke Nachbarn im Schatten mit Nährstoffen unterstützen. Wird ein Baum von Schädlingen (wie Borkenkäfern oder Raupen) befallen, sendet er chemische und elektrische Warnsignale durch das Wurzel-Pilz-Netzwerk. Die Nachbarbäume empfangen das Signal und fahren rechtzeitig ihre körpereigene Giftproduktion hoch, um sich zu verteidigen.
Der Bombardierkäfer: Die Käfer leben räuberisch und jagen nachts andere Insekten. Sie bevorzugen warme, trockene Orte wie Weinberge oder Trockenwiesen. Im Hinterleib des Käfers befindet sich ein hochkomplexes, zweiteiliges Drüsensystem: In sogenannten Sammelblasen lagern die Chemikalien Hydrochinon und Wasserstoffperoxid. Bei Gefahr presst der Käfer beide Stoffe in diese Kammer. Katalysatoren lösen dort eine blitzschnelle, explosive Reaktion aus. Die Mischung kocht sofort auf und erzeugt enormen Druck. Der Strahl wird in extrem schnellen Mikrostößen abgefeuert. Die kurzen Pausen verhindern, dass der Käfer sich selbst verbrennt. Selbst wenn ein Frosch den Käfer verschluckt, zwingt die Explosion im Magen den Frosch oft dazu, den Käfer unverletzt wieder auszuspucken
Die „Explodierenden Ameisen“ (Colobopsis explodens): Bei Gefahr spannen Arbeiterinnen ihre Bauchmuskeln so stark an, dass ihre Körperwand reißt. Sie setzen ein klebriges, giftiges Sekret frei, das den Angreifer tötet – ein tödlicher Akt der Nächstenliebe für den Staat.
Der Monarchfalter (siehe Link unten): Diese Schmetterlinge fliegen jedes Jahr Tausende Kilometer von Kanada nach Mexiko. Das Rätsel: Die Reise dauert mehrere Generationen. Die Ur-Enkel, die noch nie in Mexiko waren, finden exakt dieselben Bäume wie ihre Vorfahren