Übermenschliche Kräfte
Das Phänomen, das manche Menschen in Gefahrensituationen kurzzeitig gesteigerte Körperkraft, (Fähigkeit, extrem schwere Objekte zu heben) Widerstandsfähigkeit (erhöhte Belastbarkeit des Körpers), Geschwindigkeit oder übersinnliche Wahrnehmung ( Intuitive Fähigkeiten, wie das Vorhersehen von Ereignissen) entwickeln können, wird in der Wissenschaft „Hysterische Kräfte“ genannt. Eine nachgewiesene Erklärung für das Phänomen gibt es noch nicht. Vermutet wird aber dass das Gehirn eine große Menge Adrenalin ausschüttet (Adrenalinrausch), was den Puls erhöht und den Körper in einen Überlebensmodus versetzt. Das Hormon blockiert vorübergehend die Signale, die dem Gehirn sagen, dass die Muskeln zu müde oder stark beschädigt sind, was eine kurzzeitige Überbeanspruchung ermöglicht. Manchmal können auch seltene genetische Mutationen zu überdurchschnittlicher Ausdauer, Kraft oder Reflexen führen. Es gibt viele dokumentierte Vorfälle, in denen normale Menschen mit einem Mal scheinbar übermenschliche Kräfte entwickeln. So etwa eine 22-jährigen Frau aus Virginia (USA) die einen BMW 525i anhob, um ihren Vater zu retten. Diesem war beim Reparieren des Autos der Wagenheber abgerutscht. Der plausibelste Erklärungsversuch für solche Fähigkeiten ist der oben erwähnte Adrenalinrausch. Das ist ein Überbleibsel aus der frühen Menschheitsgeschichte, ein schon in der Steinzeit vorhandener Überlebensmechanismus des Gehirns. Gerieten unsere Vorfahren in eine stressige Situation, half ihnen das Adrenalin beim Überleben, indem es sie zum Fliehen oder Kämpfen befähigte. In Gefahrensituationen setzen die Drüsen im Gehirn eine große Menge an Adrenalin frei. Dieses Hormon ist maßgeblich für den „Kampf oder Flucht“-Instinkt der Menschen. Adrenalin erhöht den Puls und sorgt für eine schnellere Atmung. Dadurch wird dem Körper mehr Sauerstoff zugeführt. Die Muskeln können eine weit höhere Leistung erzielen, weil sie mit mehr Sauerstoff versorgt werden. Der Adrenalinausstoß sorgt gleichzeitig für eine verringerte Schmerzempfindlichkeit. Der Schmerz, der normalerweise ein Warnsignal für das Gehirn ist, wird ausgeblendet. Somit wird diese Sicherung im Gehirn umgangen und die Aktivität wird nicht gestoppt.
John Henry war als freigelassener Schwarzer als Bahnarbeiter beschäftigt. Seine Aufgabe war es, in schwerer Handarbeit als „steel-driving man“ (Hauer) die Sprenglöcher für den Tunnelbau für eine neue Eisenbahnstrecke in West Virginia in den Fels zu treiben. Als eines Tages diese Arbeit von neuen dampfgetriebenen Hämmern erledigt werden sollte, erbot sich Henry, einen Wettkampf mit diesen neuartigen Bohrhämmern aufzunehmen. Der Legende nach siegte John Henry, brach aber danach tot zusammen.
Auch aus der Bibel sind Menschen mit übermenschlichen Kräften bekannt. Samson ist ein Angehöriger des israelitischen Stammes Dan. Von ihm wird erzählt im Buch der Richter des Alten Testaments (Ri 13,1–16,31). Als ein Auserwählter Gottes (Nasiräer) besaß er übermenschliche Kräfte. Ein Nasiräer ist im Judentum ein Mensch, der Gott gegenüber freiwillig einen besonderen Eid leistet. Das ist u. a. auf alkoholische Getränke wie Wein und Bier völlig zu verzichten, oder sich nicht die Haare und den Bart zu schneiden. Samson blieb durch seine unbezwingbare Stärke für die Philister unbesiegbar, solange er sein Haupthaar ungeschoren ließ. Goliath war der Name eines riesigen Kriegers aus dem Volk der Philister. Manche sagen, er sei drei Meter groß gewesen. Außerdem trug er einen riesigen Helm aus Bronze und eine schwere Rüstung. Er trug einen gewaltigen Schild aus Bronze, der 60 Kilogramm gewogen haben soll, einen Speer und ein Schwert. Das Alte Testament berichtet vom Kampf Goliath gegen David, den späteren König von Israel.