Das Geheimnis der Alchemie

Für das große Werk werden nur das erste und das letzte Metall gebraucht.

Das erste Metall ist die Prima Materia Metallorum oder die Quintessenz der Metalle. Das letzte Metall aber ist das Gold. Die Prima Materia Metallorum oder Quintessenz eines Metalls ist dessen Mercurius. Ein anonymer Alchemist aus dem 18. Jahrhundert nannte sie „ein metallisches Chaos, das aus den Händen der Natur hervorgeht, alle Metalle enthält, aber selber kein Metall ist“.  Dieser gesuchte unbekannte Metallgrundstoff der Alchemisten ist  wahrscheinlich der Wasserstoff, das erste und häufigste chemische Element im All und im Sonnensystem. Wasserstoff wurde aus den Teilchen geboren, die beim „Urknall“ erzeugt wurden, der das Universum hervorbrachte. Alle anderen Elemente des Periodensystems wurden danach in Milliarden von Jahren unter immensem Druck und Temperatur aus Wasserstoff im Inneren von Sternen hergestellt. Wasserstoff ist das Ausgangselement für alle anderen Elemente. Unter normalem atmosphärischem Druck ist Wasserstoff ein farbloses Gas, bei dem sich jeweils zwei Atome zu einem Molekül (H2) zusammenschließen. Steigt der Druck jedoch auf das Millionenstatfache des irdischen Luftdrucks, brechen diese Moleküle auf. Die Elektronen können sich dann frei zwischen den verbleibenden Protonen bewegen – genau wie in einem klassischen Metall. Deshalb wird Wasserstoff zu Recht das erste Metall oder Prima Materia Metallorum genannt. Die meisten Alchemisten arbeiten mit den falschen Substanzen. Häufig kommt es deshalb vor, dass sich Alchemieanfänger für Jahre in einer Sackgasse verirren  und letztlich scheitern.

Um das auflösende Wasser, den Azoth zu erlangen, werden nur drei Dinge benötigt:

  1. ein kaltes metallisches Feuer: der Mercurius Universalis oder Wasser der Metalle 
  2. ein brennendes hermaphroditisches Feuer: der Sulphur oder Schwefel der Metalle (Hermaphroditisch weil bestehend aus dem weißen und roten Sulphur)
  3. ein geheimes Salz: wahrscheinlich das Sal Ammoniacum

Die Philosophi gebrauchen in der Aufschliessung der Metallen zwei conträre Elementen, welche zwei Feuer genannt, nempe ein brennendes Hermaphroditisches Feuer (ölige Substanz) und ein kaltes metallisches Feuer (flüchtige Substanz). Das feurige Element oder die Seele der Metalle ist ihr Schwefel Sulphur. Das kalte Feuer ist der Mercurius, welcher der Metallen Wasser  genannt und durch das Salz reduziert worden ist“. Erst durch die Verschmelzung der zwei Komponenten Mercurius und Sulphur entsteht das auflösende Wasser, das Azoth und nur dies Feuerwasser vermag das Gold radikal aufzulösen und in seine Materia Prima zurückzuführen.

Das ist das ganze Geheimnis.´Durch die Brille des Chemikers betrachtet verliert Alchemie ihren mystischen Zauber.

Die wahren Alchemisten arbeiten im großen Werk mit radioaktiven Substanzen. Die mercurialische Komponente des AZOTH, ist radioaktiv,  denn die Flasche, in der es aufbewahrt wird, gleicht in ihrer Wirkung einer Crookes-Röhre. Die Crookes-Röhre wurde vom Physiker Sir William Crookes 1879 erfunden und wird benutzt, um Betastrahlen (Elektronen) sichtbar zu machen. Die Beta-Strahlung (ß-Strahlung) ist eine Teilchenstrahlung, die zu den ionisierenden Strahlungsarten gehört und direkt beim radioaktiven Betazerfall entsteht. Beim (ß–-Zerfall) wandelt sich ein Neutron in ein Proton um. Das entstehende Elektron verlässt den Kern als Strahlung. Im Periodensystem wandert das Element einen Platz nach rechts. (z. B. schwerer Wasserstoff (Tritium) ist instabil und zerfällt in das leichte Helium-Isotop Helium-3).  Die alten Alchemisten wussten, dass das radioaktive Wasser im natürlich vorkommenden Wasser verborgen war. Dieses ist analog zum Wassermolekül aufgebaut, jedoch sind die Wasserstoffatome durch Atome des schwersten Wasserstoffisotops Tritium (T) ersetzt. Sie sagten „das auflösende Wasser ist in der Natur nicht rein, brauchbar und unvermischt vorhanden, es kann jedoch durch die Kunst gereinigt werden“. Nach der kosmogenen Erzeugung liegt Tritium zunächst als HT vor, wird aber in der Atmosphäre durch fotochemische Reaktionen recht schnell (innerhalb von 1 bis 2 Wochen) zu HTO oxidiert. In dieser Bindung als tritiiertes Wasser nimmt es am globalen Wasserkreislauf teil. Es gelangt größtenteils via Niederschlag in die Oberflächengewässer der Erde.  Daher kommt es in der Natur in geringen Mengen im natürlichen Wasser, überwiegend in Form von HTO vor. Dabei verbleiben etwa 1 % des Inventars als Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre, etwa 10 % im kontinentalen Wasser sowie das Gros in den oberflächennahen Schichten der Weltmeere.

Das trittierte Wasser auch Mercurius universalis oder Spiritu mercurii genannt, gewannen die Alchemisten deshalb wahrscheinlich aus Regenwasser.

Durch fortgesetzte tausendfache Destillation des Regenwassers, mit unterbrechenden Zwischendestillationen und Entnahme der jeweiligen Destillationsrückstände, kann der Mercurius (HTO) in ausreichender Menge als Reinsubstanz gewonnen werden. Da tritiiertes Wasser (HTO), Siedepunkt ca. (100,7 C°) minimal schwerer ist und einen leicht höheren Siedepunkt hat als normales Wasser (H2O), Siedepunkt (100 C°), bleibt es bei einer Destillation bevorzugt im Destillationsrückstand (Sumpf) zurück. Innerhalb der Alchemie wird das große Werk, das in seinem Verlauf den Ausgangsstoff umwandelt, deshalb unter anderem auch als eine unendliche Wiederholung des Gleichen beschrieben. Reines HTO konnten die Alchemisten mit diesem Verfahren der Destillation nicht herstellen, aber die Dichte der radioaktiven Isotope im Rückstand erhöht sich (wodurch die Flüssigkeit dort stärker strahlt). Das Element Tritium selbst verliert jedoch durch den permanenten radioaktiven Zerfall kontinuierlich an Radioaktivität. Nach 12,3 Jahren hat sich die Radioaktivität des Wassers wieder halbiert. Im Annulus Platonis (Geheime Wissenschaften) von dem deutschen Rosenkreuzer Anton Joseph Kirchweger, Berlin 1921, wird der mercurius universalis mit eigenen Worten beschrieben als Saame aus dem wiedergebohrnen Chaos oder Regenwasser. Der Alchemist Thomas Vaughan (auch bekannt unter dem Pseudonym Eugenius Philaletha) sagt in seinem Werk „Lumen de Lumine“ (1651)“, Zitat: „Ihr müsst dieses Wasser erst machen, ehe ihr es finden könnt“. In der einzigen Übersetzung des aus dem 18. Jahrhundert existierenden Exemplars des Testamentum der Fraternität Roseae et Aureae Crucis (Bruderschaft des Gold- und Rosenkreuzes) steht geschrieben:  „Willst du nun den Spiritum Universalis Magneticus suchen so merke dieses: Er wird auf verschiedene Art gefunden und erhalten: erstens schwebt er in der Luft, zweitens im Tau, Regen, Schnee und Hagel. Am bequemsten bekommt man ihn im Regenwasser… in solchem also ist verborgen der Geist, so da alles schmiedet und gebärt, von welchem alle Dinge ihren Anfang haben und schwebt der Geist hier im Wasser“. Die Aelia Laelia Crispis eine lateinische Inschrift auf einer Marmorplatte, aktuell aufbewahrt im Museo Civico Medievale die Palazzo Ghisilardi-Fava in Bologna wird von manchen Alchemisten (z. B. Nikolas Barnaud) für ein alchemistisches Rätsel gehalten, in welchem das Geheimnis des auflösenden Wassers der Alchemisten verborgen war. Die Inschrift lautet:

M. Aelia Laelia Crispis. Nec vir nec mulier nec androgyna. Nec puella nec iuvenis nec anus. Nec casta nec meretrix nec pudica sed omnia. Sublata neque fame neque ferro neque ueneno. Sed omnibus. Nec coelo nec aquis nec terris. Sed ubique iacet. Lucius Agatho Priscius. Nec maritus nec amator nec necessarius. Neque moerens neque gaudens neque flens. Hanc nec molem nec pyramidem nec sepulchrum. Sed omnia. Scit et nescit cui posuerit.
Übersetzt: Weder männlich noch weiblich noch androgyn. Kein Mädchen, kein junger Mann, kein alter Mann. Weder keusch noch Hure noch bescheiden, sondern alles. Weder durch Hunger, noch durch Eisen, noch durch Gift weggenommen. Aber für alle. Weder im Himmel, noch im Wasser, noch auf der Erde. Aber es liegt überall. Lucius Agatho Priscius Weder Ehemann noch Liebhaber noch notwendig. Weder Trauer noch Freude noch Weinen. Weder diese Masse, noch die Pyramide, noch das Grab. Aber alles. Er weiß es und weiß nicht, wem er es gegeben hat.

Das gesuchte Lösungswort soll Regenwasser sein. Regenwasser passt verblüffend exakt auf fast alle Zeilen des Textes:

  • Weder Mann noch Frau noch Zwitter…“ – Regenwasser besitzt kein biologisches Geschlecht, wird aber in antiken Mythen oft metaphorisch als der „Samen des Himmels“ dargestellt, der die Erde befruchtet. Er ist „alles“, weil er die Quelle allen Lebens ist.
  • „Dahingerafft weder durch Hunger noch durch Eisen noch durch Gift, sondern durch alles…“ – Regenwasser stirbt oder verschwindet nicht durch Gewalt. Es vergeht durch die Elemente selbst: Es verdunstet durch die Hitze der Sonne, versickert im Boden oder wird von Pflanzen aufgesaugt.
  • „Sie liegt weder im Himmel noch im Wasser noch in der Erde, sondern überall.“ – Das ist die präziseste Beschreibung des Wasserkreislaufs. Während es fällt, ist es nicht mehr im Himmel; sobald es aufkommt, verwandelt es sich; und als Luftfeuchtigkeit, Grundwasser oder Nebel ist es buchstäblich überall und nirgends fest verortet.
  • „…weder Grabmal noch Pyramide noch Sepulcrum…“ – Regenwasser kann man nicht einsperren oder in einem festen Grab bestatten. Sein „Grab“ ist die gesamte Natur.

Der Sulphur, die zweite Komponente des Azoth wird aus dem Stein der Alchemisten gezogen.  Im Allgemeinen wird der Stein der Alchemisten als etwas beschrieben, das überall in der Natur vorkommt, von den meisten Menschen aber als wertlos angesehen wird. Der Stein ist einzigartig und trotzdem im Besitz von reich und arm. Der Stein wird im Haushalt verwendet. Jedermann kennt ihn und einige treiben Handel mit ihm. Genauso beschreibt im 3./4. Jahrhundert den Stein der Alchemisten der griechische Alchemist Zosimos aus Panopolis: „Dieser Stein, der kein Stein ist, dieses kostbare Ding, das ohne Wert ist, dieses mehrgestaltige Ding, das keine Form besitzt, dieses unbekannte Ding, das jeder kennt“. Der Stein der Alchemisten ist ein schwarzer Stein, trocken und hart, vulgär, billig, von einigem Gewicht. Man kann ihn pulverisieren, wie alle Steine. Es ist ein komplexes Mineral und enthält Schwefel. Der Alchemist Fulcanelli sagt, er hätte diesen Stein 25 Jahre lang gesucht, ohne ihn zu finden, obwohl er ihn ständig bei sich, unter seinen Augen und in seinen Händen gehabt hätte.  Es gibt ein Naturprodukt das treffend auf diese Beschreibung passt: die Steinkohle. Ob Fulcanelli im Labor exakt mit Kohle gearbeitet hat, bleibt sein Geheimnis. Alchemisten betonten aber stets, dass der Ausgangsstoff billig, dreckig und im Haushalt verwendet wird. Im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts (Fulcanellis Lebenszeit) hatte man Steinkohle buchstäblich ständig „unter den Augen und in den Händen“ – als Heizmaterial, Ruß und Alltagsgegenstand. Steinkohle verbirgt in ihrem Inneren ein enormes Potenzial an  Hitze (Energie), die erst durch Transformation (Feuer) freigesetzt wird.  Der in der Steinkohle enthaltene Kohlenstoff ist zudem die Basis allen organischen Lebens auf der Erde.

Steinkohle, deren Kohlenstoffgehalt etwa 75 bis 90 Prozent beträgt) könnte damit  die von den Alchemisten gesuchte materia prima sein.

Bei der sogenannten trockenen Destillation (Pyrolyse) von Steinkohle unter Luftabschluss entsteht Steinkohlenteer, eine zähflüssige schwarze Masse, die einen unangenehmen Geruch verströmt und von den Alchemisten Menstruum foetens (stinkendes Lösungsmittel) genannt wurde.

  • Kohle  Δ ( > 600 °C ) = H↑ + CH4↑ + N↑ + CO↑ + NH4 + OH– (Ammoniakwasser) + C14H18O4ClN5 (Steinkohlenteer) + C (Koks)

Zur besseren Trennung von Ammoniakwasser und Teer wurden die Produkte in einen Scheidebehälter gefüllt, verschlossen und im Wasserbad erhitzt, bis alles leichtflüssig geworden war und sich gut durchgemischt hatte. Achtung: Zu starkes Durchmischen kann bei Gegenwart von Phenolen stabile Emulsionen bilden, die das anschließende Trennen verlangsamen. Läßt man die Mischung langsam Abkühlen erfolgt aufgrund der unterschiedlichen Dichte eine gute Trennung in Schweröle (Naphthalinöl, (Anthracenöl) am Boden, Ammoniakwasser, und Leichtöle (Benzol, Phenol, Naphtalen, Anthracen) obenauf. 

  • C14H18O4ClN5 (Steinkohlenteer) = NH4 + OH– (Ammoniakwasser) + C6H6 (Benzol) + C6H6O (Phenol) + C10H8 (Naphtalenöl) + C14H10 (Anthracenöl)

Aus dem Steinkohlenteer scheidet sich zunächst ein klares, weises Wasser, das Ammoniakwasser (NH4OH),  aus dem die Alchemisten ihr geheimes Salz gewannen. Dieses geheime, flüchtige Salz – bekannt als Sal Ammoniacum (Ammoniumchlorid, NH₄Cl) – stellten sie her,  indem sie Ammoniakwasser (NH₄OH, damals „Salmiakgeist“ genannt) mit „Salzgeist“ (Salzsäure, HCl) neutralisierten. Bei Zusammenführung von  Ammoniakwasser mit Salzsäure, entstand augenblicklich eine starke, schneeweiße, undurchsichtige Trübung, vielleicht die Lac virginum (Jungfernmilch) der Adepten. Auf Teilchenebene bilden sich in diesem Bruchteil einer Sekunde Milliarden winzigster Ammoniumchlorid-Kristalle. Da diese Partikel anfangs extrem fein und im Wasser suspendiert (schwebend) sind, blockieren sie das Licht komplett. Die Lösung sieht in diesem Moment tatsächlich aus wie weiße „Jungfernmilch“.Diese Trübung ist jedoch nicht von Dauer, sondern klärt sich nach kurzer Zeit völlig selbstständig wieder auf. Ammoniumchlorid (NH4Cl) ist ein Salz, das sich extrem gut in Wasser löst. Sobald die frisch entstandenen Mikrokristalle vollständig vom umgebenden Wasser hydratisiert (umschlossen) werden, gehen sie in Lösung. Wenn das Salz komplett gelöst ist, zerfällt es in seine unsichtbaren, frei beweglichen Ionen (NH4+) und (Cl-). Die Flüssigkeit wird wieder glasklar und farblos.

  • NH4 + OH– (Ammoniakwasser) + HCl (Salzsäure)= NH4Cl (Ammoniumchlorid) + H2O).

Die klare Flüssigkeit wurde zunächst in einem Wasserbad (Balneum Mariae) oder in einem Aschenbett (Balneum Cineris), das über Stunden eine konstante, milde Wärme abgab, langsam eingedampft. Es entstand ein feuchter schneeweißer Kristallbrei. Dieser wurde im sogenannten „Pferdemist-Ofen“ (einem biologischen Brutofen, der durch die Gärung von frischem Pferdemist über Wochen exakt  eine Temperatur von etwa 37 °C bis 45 °C  hielt) komplett ausgetrocknet. Diese Temperatur  konnte bis zu 40 Tage lang (ein philosophischer Monat) ohne Unterbrechung gehalten werden. Zurück blieb ein trockenes, hartes, weißes Rohsalz. Dieses wurde durch starke Hitze im Alambik sublimiert.  Der reine, weiße Kristallschnee, der sich am kühlen Deckel des Gefäßes absetzte, war  gereinigtes Sal Armoniacum (Salmiak), das geheime Salz der Adepten.

Nach dem englischen Alchemisten George Ripley sind im schwarzen Öl der Steinkohle drei Substanzen enthalten: (1) ein weißes Wasser  (= Ammonikwasser). (2) die Aqua ardens, die angezündet wie gewöhnlicher Weingeist brennt (= Benzol). (3) ein rotes Öl, das Blut des grünen Löwen der Adepten (= Phenol).  Aus dem weißen Wasser wird das geheime Salz,  das Lac virginum der Adepten hergestellt. Dieses Salz,  das Ammoniumchlorid (NH4Cl / Salmiak), war unter den Alchimisten unter den Decknamen  flüchtiger weißer Adler oder Drache bekannt.  Diese Namen wurden gewählt, weil Salmiak die seltene Eigenschaft der Sublimation besitzt. Wenn man Salmiak erhitzt, schmilzt es nicht  sondern sublimiert sofort in den gasförmigen Zustand. Sobald sich das Gas  abkühlt, schlägt es schlagartig wieder in den festen Zustand um. Es bildet sich wieder weißer Kristallschnee. Der Deckname flüchtiger weißer Drache war dem Umstand geschuldet,  das wenn die Dämpfe von Ammoniak und Salzsäure zusammen treffen, sich wie aus dem Nichts sofort ein extrem dichter, beißender, weißer Rauch bildet, eben wie der Atem eines Drachen. Zudem verschlingt ein Drache alles. Sal Armoniacum hat die chemische Aggressivität, Metalle anzugreifen. Schmilzt oder löst man es zusammen mit Salpetersäure auf, entsteht das legendäre Königswasser (Aqua Regis). Dieses Wasser war als einziges stark genug, um selbst  das edelste Metall, das Gold – restlos zu verschlingen und aufzulösen. Sal armoniacum ist der Vermittler zwischen dem Mercurius Universalis und dem Sulphur.  Ammoniumchlorid wurde von den Alchemisten verwendet, um die sulphurische Komponente mit der mercurialen Komponente  im alchemistischen Sinne zu vereinen.

Doch zunächst muss der weiße Sulphur mit dem roten Sulphur vereint werden. Dies geschieht durch Absorption. Der Vorgang der Absorption wird durch eine Affinität des einen Stoffes für den anderen hervorgerufen, es besteht eine bestimmte Löslichkeit der Stoffe ineinander. Diese Eigenschaft war bereits den mittelalterlichen Alchimisten bekannt als „Similia similibus solvuntur“ : Gleiches löst sich in Gleichem.  Phenol löst sich gut in Benzol.

C6H6 (Benzol) + C6H6O (Phenol) → C6H6(C6H6O) ( 2facher Sulphur)

Es entsteht Benzolphenol der weiße und rote Sulphur vereint: C6H6 (C6H6O). Zur Herstellung des auflösenden Wasser, des Azoth müssen die drei Komponenten Merkur, Sulphur und Sal miteinander vereinigt werden: Verfahren 1.

Gleichungen:

HTO Merkur+ C6H6(C6H6O) (2facher  Sulphur)  + 3NH4Cl (geheimes Salz) Δ = C6H5T + C6H4TOH organische Phase  +  C6H5OT + NH3TCl + 4 H2O wässrige Phase

Um den Stein der Weisen zu machen, musste normales Gold zuerst geöffnet bzw. aktiviert und zu einem Metallkalk (Pulver) reduziert werden. Das gelang den Alchemisten, indem sie Gold in einem speziellen, hochgereinigten Antimon-Regulus auflösten. Dieses aus Antimon gewonnene Lösungsmittel nannten sie den Animierten Merkur.

Eine nur wenigen Alchemisten bekannte Alternative war monoatomares Gold. Aus alchemistischer Sicht galt monoatomares Gold bereits als  geöffnet. Die dichten metallischen Gitterstrukturen des Goldes wurden so weit aufgebrochen, bis die Atome einzeln („monoatomar“) vorliegen. Während elementares Gold (Au0) extrem träge ist und nicht reagiert, existieren  tatsächlich echte Gold-Ionen, vor allem in den Oxidationsstufen (Au+1) (Gold(I)-oxid)) und (Au+3 (Gold(III)-oxid)). Letzteres das stabilste bekannte Oxid des Edelmetalls Gold. Gold(III)-Ionen sind starke Oxidationsmittel. Wenn man Gold im Königswasser auflöst, entstehen freie (Au+3)-Ionen, die sofort den Komplex Tetrachlorogoldsäure (HAuCl4) bilden.  Die Oxidationsstufe +1  (Au₂O (Gold(I)-oxid)) ist extrem unbeständig und neigt dazu, sich sehr schnell (oft schon bei Raumtemperatur) zu disproportionieren. Das bedeutet, es zerfällt von selbst in elementares Gold (Au) und das stabilere Gold(III)-oxid (Au₂O₃). Unter Chemikern gilt die Existenz von reinem, isoliertem (Au₂O (Gold(I)-oxid)) als umstritten. Die Oxidationsstufe +2 (zweiwertiges Gold, (Au2+) ist bei Gold extrem selten und in der Natur zudem hochgradig instabil. Ein echtes Gold(II)-ion (Au²⁺) besitzt ein unpaariges Elektron (d⁹-Konfiguration), was extrem reaktiv ist. Ein voll besetztes d-Orbital (d10) wie beim elementaren Gold (Au⁰) oder dem Gold(I)-Ion (Au+) ist stabil. Entzieht man dem System nun ein Elektron, landet man bei (d9). Dieses einzelne, ungepaarte Elektron in den d-Orbitalen führt dazu, dass das Ion  versucht, entweder ein Elektron abzugeben (um zum stabilen (d8)-System von Gold(III) zu werden) oder ein Elektron aufzunehmen (um zum (d10)-System von Gold (I) zu werden.

Vereinfachtes Verfahren zur Herstellung einer nicht-metallischen, orbital umgelagerten, monoatomaren Form von Gold (AuO)

Dabei handelt es sich handelt angabegemäß um eine stabile, praktisch reine, nicht-metall­ artige Form von Gold. Sie zeigt eine bislang unbekannte Elektronenbahnum­lagerung in den „d“-, „s“- und unbesetzten „p“-Bahnen. 

Ende der 1970er Jahre sah sich der amerikanische Agrarwissenschaftler David Hudson auf seinen Feldern in Arizona mit einem landwirtschaftlichen Problem konfrontiert. Der Boden in Arizona ist extrem natriumhaltig. Nach der Bewässerung und anschließenden Verdunstung bildete sich auf seinen Feldern eine harte, schwarze Alkali-Kruste, die kein Wasser mehr durchließ. Um die Salzkruste aufzubrechen, injizierte er tonnenweise Schwefelsäure in den Boden. Bei der chemischen Reaktion der Säure mit dem Boden passierte etwas Seltsames: Es blieb eine geheimnisvolle unbekannte Substanz zurück.  Hudson entnahm daraufhin Bodenproben und legte diese zum Trocknen direkt in die Sonne . Die Folge war eine heftige implosionsartige Verpuffung (ein greller Lichtblitz ohne Hitze oder Rauch). Wenn das Material unter Ausschluss von Licht getrocknet wurde, verwandelte es sich in ein schneeweißes Pulver. Das Pulver war extrem schwer, ließ sich aber wie Glas in tausend Teile zerschlagen. Da Hudson kein Chemiker war, brachte er die Proben zur Analyse in ein Labor. Die dort durchgeführte Emissionsspektroskopie (bei der Stoffe in einem Lichtbogen verbrannt werden, um das Lichtspektrum zu messen) lieferte ein verblüffendes Ergebnis. Nachdem der Lichtbogen über mehrere Minuten hinweg gelaufen war, zeigte das Gerät anfänglich das Spektrum für Palladium, danach nacheinander für Platin, Rhodium, Iridium, Ruthenium und Osmium und ganz am Ende der Verbrennung zeigte sich das Spektrum für reines Gold. Hudson schlussfolgerte aus diesem Ergebnis, dass diese Edelmetalle im Boden in einer völlig neuen Form vorlagen. Da sie sich im normalen Zustand chemisch träge verhielten und von Standard-Messgeräten erst nach minutenlangem Erhitzen erkannt wurden, folgerte er, dass die Atome nicht in einem metallischen Gitter (als Cluster) miteinander verbunden waren, sondern als isolierte Einzelatome (monoatomisch) existierten. Diese taufte er G-OUMEs (Gold Orbitally Rearranged Monoatomic Elements, auf deutsch: orbital umgelagertes, monoatomares Gold-Element). Hudson ließ sich später ein von ihm selbst entwickeltes chemisches  Verfahren, bei dem metallisches Gold mithilfe von Königswasser (Aqua regia), Salzsäure und Natriumchlorid in eine nicht-metallische, pulverförmige Form aufgespalten wird, weltweit patentieren.

Monoatomares Gold ist ein weißes Pulver mit ganz anderen physikalischen Eigenschaften als das metallische Gold. Im Gegensatz zu massivem Gold verhält sich monoatomares Gold in der oben aufgeführten Zweiphasen-Mischung hochgradig reaktiv und wird sofort chemisch transformiert. Die BSM-Analyse enthüllt die mögliche Konfiguration von „monoatomarem“ Gold als Struktur von zwei Goldatomen, die durch einzelne Quantenbahnen verbunden sind und zwei Elektronen mit entgegengesetzten quantenmechanischen Spins enthalten. 

HAu X H2O Goldhydrid-Hydrat (Kristallwasser-haltig) + C6H5T Tritiumbenzol (monotritiertes Benzol) + C6H4TOH Tritiumphenol (monotritiertes Phenol) + C6H5OT Phenol-Tritiumether + NH3TCl Tritiertes Ammoniumchlorid + 4H2O Wasser > Au Elementares Gold (als Nanopartikel) + 3C6H5O Phenol-Tritiumether (identisch mit dem Edukt, liegt nun in 3-facher Menge vor) + NH4Cl Ammoniumchlorid +  3H2O + HOT Tritiiertes Wasser

Auf der rechten Seite der Gleichung liegt das Reaktionsgemisch als eine flüssige, kolloidale Lösung vor. Da die Edukte in Wasser gelöst waren, befinden sich alle Produkte gemeinsam in dieser wässrigen Phase. Das elementare Gold liegt in Form von Nanopartikeln vor. Je nach der exakten Partikelgröße (meist zwischen 10 und 50 Nanometern) färbt sich die Flüssigkeit leuchtend rubinrot, tiefrot. Der organische radioaktive Phenol-Tritiumether (C6H5OT) sowie das Ammoniumchlorid (NH4Cl) sind im Wasser vollständig gelöst. Die Lösung bleibt trotz der roten Farbe durchsichtig und trübt nicht ein. Da die Menge an organischen Molekülen relativ gering ist und sie durch die polaren Gruppen gut in der Schwebe gehalten werden, setzt sich kein Öl ab. Das tritiierte Wasser (HOT) mischt sich völlig unsichtbar mit dem normalen Wasser (H2O). Optisch ist es absolut identisch mit normalem Wasser, sendet jedoch eine schwache Beta-Strahlung aus (was nur mit Messgeräten nachweisbar ist). Zusammenfassend besteht am Ende ein stabiles, klares, rubinrotes „Goldwasser“, das sich auch nach Wochen nicht entmischt, weil die Nanopartikel elektrostatisch voneinander abgestoßen und in der Schwebe gehalten werden.

Das elementare Gold  als Nanoartikel (Au-NPs) zeigt völlig neuartige physikalische, optische und chemische Phänomene. Sehr kleine, sphärische Partikel (ca. 10 bis 30 nm) absorbieren blau-grünes Licht und leuchten in einer Flüssigkeit intensiv rubinrot. Großes Gold gilt als das chemisch trägste aller Metalle und reagiert fast nie. Im Nanobereich kehrt sich das um: Aufgrund der ungesättigten Bindungen der Atome an den winzigen Ecken und Kanten der Nanopartikel wird Gold plötzlich zu einem hochaktiven Katalysator für chemische Reaktionen.

Aus alchemistischer Sicht stellt sich der Prozess wie folgt dar: Der Mercurius Philosophorum ist die Vorstufe zum Stein der Weisen und wird mit dem Azoth aus dem Gold gezogen. Das Gold muss zunächst aktiviert das heißt  alchemistisch kalziniert und zu einem Metallkalk (Pulver) reduziert werden. Im „De Pharmaco Catholico“ steht geschrieben: Nimm das feurige EIementum Magicum, welches von zwei Höllischen widerwärtigen Materien, als von Sulphure und Nitrum komponiert ist, mit diesem Höllischen verzehrlichen Feuer fange an dem Ende der Natur an, das ist, bestreite und kalziniere die sonst unüberwindliche Pforte der Solarischen Festung, so entzündet ein Feuer das andere, nempe, ein Schwefel den anderen, und wenn das geschieht, so dominiert das Elementum Ignis, welches ist das zweite Prinzipium in dem Solarischen Leibe. Die Alchemisten kannten verschiedene Wege um das Gold zu kalzinieren. Hier sollen nur der nasse und der trockene Wege beschrieben werden. Bei der alchemistischen Calzination auf nassem Wege wird das Gold aufgelöst und bildet mit dem flüssigen Lösungsmittel eine Einheit; der Metallkörper wird flüssig gemacht, wie die Alchemisten sagen. Fügt man nun ein Präzipitationsmittel (z. B. Salzsäure) zu der Lösung hinzu, so erscheint das Gold wieder als fester, nun aber pulverisierter Stoff. Die gebräuchlichste Calzination des Goldes auf nassem Wege geschah mit Aqua regia. Diese auch Königswasser genannte Flüssigkeit war ein Gemisch aus einem Teil Salpetersäure und drei Teilen Salzsäure. Das Königswasser, dessen sich die Adepten in der hohen Alchemie bedienten, bestand aber aus Salpetersäure und Ammoniumchlorid. Das Königswasser der Alchemisten enthält also ammoniakalischen Salpeter. Ammoniumchlorid gewannen die Alchemisten aus dem Ammoniakwasser der Steinkohle durch Neutralisation mit Salzsäure. Bei der Auflösung von Gold im Aqua regia der Alchemisten entsteht Gold(III)-hydroxid:

2Au + 2HNO3 (Salpetersäure) + NH4Cl (Ammoniumchlorid) → 2H3AuO3(Gold(III)-hydroxid) + 3N↑ + Cl↑

Das Gold(III)-hydroxid geht beim Trocknen in  eine geheimnisvolle Gold-Stickstoff-Verbindung über, das Triamminogold(III)-oxid. Dies ist das Goldoxid-Ammoniak, ein grünliches Pulver, das als Knallgold (Aurum fulminans oder Aurum toniturans) bekannt ist. Knallgold ist eine geheimnisvolle Substanz. Es explodiert nach dem Trocknen sehr leicht und heftig durch Reibung, Stoß und Erhitzen und muß daher im feuchten Zustand aufbewahrt werden. Seine chemische Formel und Struktur ist bis heute unklar.  Die Zusammensetzung wurde aber mit der Formel AuNNH3 · 1,5 H2O beschrieben. Auch über eine mögliche Zusammensetzung Au2O3 · 4NH3 oder  Au2O3, 2H3N + HO wurde berichtet. Im feuchten Zustand lässt sich Knallgold auch ohne Verpuffung weiterverarbeiten. Bei seiner Verbrennung entsteht ein purpurroter Rauch. Bringt man Knallgold kontrolliert zur Explosion entsteht feinster hochreiner Goldkalk. Die Herstellung ist gefährlich, deshalb ist dieser Weg nicht zu empfehlen. Erfolgsversprechender ist die Methode metallisches Gold, mit Quecksilber zu amalgamieren, das enstehende Goldmalagam dann mit Schwefel zu amalgamieren und das entstandene Quecksilbersulfid abzudestillieren – das Residuum dieser Destillation ist monoatomisches Gold, oder der Calx des Goldes.

Monoatomares Gold hat nach heutiger Terminologie keine freien Valenzelektronen, so wie auch die Edelgase keine solchen haben. Es geht aber doch Bindungen ein, die die moderne Chemie mit Elektrostatik zu erklären versucht.

2Au + 4Hg → Au2Hg3 + Hg
Au2Hg3 + 3S + Δ (O2) → 2AuO(monoatomisches Gold)  + 3HgS(Zinnober)

Das Gemisch aus Gold und Zinnober wird bei 400 bis 700 °C im Luftstrom erhitzt, wobei gasförmiges Quecksilber zusammen mit Schwefeldioxid entweicht. Zurück bleibtder Goldkalk.

Der Goldkalk muss mit dem auflösenden Wasser der Alchemisten (Azoth) imbibiert und digeriert werden, um anschließend wiederholt destilliert werden zu können. Indem das AZOTH bei jeder Destillation etwas vom Goldkalk mit sich in die Höhe nimmt, wird er immer feuriger, bis er zuletzt den Goldkalk radikal auflösen kann. Die Destillation ist so lange zu wiederholen bis kein Rückstand mehr in der Retorte bleibt, das heißt, dass man das Destillat auf den Rückstand zurück zu gießen und von Neuem zu destillieren hat (Mehrfachdestillation). Dieses Verfahren wurde von den Alchemisten Kohobation genannt. Sie kann mit gleichem Ergebnis auch in Form der Rückflussdestillation (Zirkulation) durchgeführt werden. Der Destillierkolben wird mit einem Rückflusskühler versehen, durch den ein Teil der abgedampften Flüssigkeit wieder kondensiert und in den Kolben zurückfließt. Das Tritium im Azoth diffundiert dabei im Gold. Ammoniak und Kohlenmonoxid verflüchtigen sich im Laufe des Prozesses. Alle Wasserstoffisotope besitzen die Eigenschaft, sich in Festkörpern in atomarer oder molekularer Form zu lösen und in ihnen zu diffundieren (Diffusion). Deuterium und vor allem Tritium in weit höherem Maß als Protium. Moleküle, die Tritium enthalten (T2, DT, HT) sind durch die beta-Strahlung und durch die Wirkung des sehr reaktiven 3HeT+-ions (Zerfallprodukt von T2) chemisch besonders reaktiv. Um eine Explosion zu vermeiden, muss die Imbibierung und Destillation des Goldkalks vorsichtig geschehen. Die entstehenden Gase müssen durch eine Kühlvorrichtung (Kühlrohr) zum Auffangbehälter geleitet werden.

  1. Philosophischer Mercurius : In fester Form ist er tiefschwarz glänzend, in flüssiger Form wirkt er wie klares Wasser mit metallischen Reflexen.
  2. Philosophischer Sulphur  erscheint als rotes Öl, ist bei Transparenz purpurrot und hat die metallischen Reflexe des Scarabäus. Diese flüssige Form dringt tief in die Poren des Mercurius  ein.
  3. Philosophisches Sal  tritt in kleinen silberhellen, stark lichtbrechenden Kristallen auf.
Die Zusammenführung des roten Öls mit dem flüssigen Mercurius löst eine heftige, kalte Fusion aus, die als Alchemische Hochzeit bezeichnet wird.
  • Bei Reaktionsbeginn zieht sich das rote Öl schlierenartig in das klare Wasser des Mercurius und leuchtet intensiv smaragdgrün auf.
  • Die Flüssigkeiten vermischen sich unter leisem Zischen, wobei die Temperatur schlagartig auf den Gefrierpunkt sinkt, ohne zu gefrieren.
  • Nach kurzer Zeit schlägt die Mischung in ein absolut stabiles, flüssiges Gold mit permanenten, irisierenden Scarabäus-Reflexen um.
Der Kohlenstoff (C) des Sulphurs bricht die stabilen Tenebrium-Bindungen (T) im Mercurius auf. Die Gold-Atome (Au) verdichten sich unter Freisetzung der thermischen Energie zu einem komplexen makromolekularen Gefüge. Der Sauerstoff (O) umschließt die Matrix und fixiert das Elixier in seinem unvergänglichen, flüssigen Zustand.

Fazit: der gesuchte unbekannte Metallgrundstoff der Alchemisten ist der Wasserstoff. Der Stickstoff scheint bei den alchemistischen Umwandlungen ebenfalls eine zentrale Rolle, ähnlich einem Katalysator zu spielen. Der Schlüssel zur Verwandlung der Metalle sind wahrscheinlich Verbindungen des Kohlenstoffs mit dem Sauerstoff und seine Kombination mit dem Metallgrundstoff, unter dem Einfluss einer stickstoffhaltigen Substanz.

Pflanzen und Alchemie

Alchemistische Metallurgen setzen den Saft bestimmter Pflanzen den Metallen zu, um deren Struktur mittels der vegetabilischen Bildekräfte zu verändern. Alchimilla (Frauenmantel) aus der Gattung der Rosazeen ist so ein Kandidat. Der Name Alchemilla leitet sich vom Begriff Alchemie ab und  bedeutet so viel wie kleine Alchemistin. Ursprünglich kommt der Gemeine oder gelb-grüne Frauenmantel aus Osteuropa und Asien. Mittlerweile ist er auch in Deuschland heimisch und vielfach wild zu finden. Frauenmantel hat eine ganz besondere Eigenschaft, er schwitzt kristallklares Wasser aus den Spitzen seiner Blattzähnchen, welches sich in der Mitte der Mantelblätter zu einem großen Tropfen sammelt. Diese Tropfen werden Guttationstropfen genannt und wurden von den Alchemisten des Mittelalters für ihre  Versuche verwendet. Der niederländisch-niederrheinische Arzt Johannes Wierus (Weyer), Schüler des Agrippa von Nettesheimer, erzählt in seiner 1563 erstmals gedruckten „Dämonologie De praestigiis daemonum“ („Von den Blendwerken der Dämonen“), von der Mondraute (Botrychium Lunaria) daß die Alchimisten daraus Gold und Silber, ja selbst den Stein der Weisen mit geringen Beigaben zu bereiten imstande sind. Weyers Dämonologie  ist ein Manuskript das vor allem den Teufel als eigentlich wirkendes böses Prinzip behandelt, aber auch Dämonen mit Namen und Erscheinungsformen beschreibt. Der deutsche Alchemist Franz Seraph Tausend (* 1884 ; †  1942) behauptete das im Quarzgestein (wie auch in anderen Gesteinsarten) etwas vorhanden sei, das Gold werden will, unfertiges Gold, dessen natürlichen langsamen Werdeprozeß man durch Kräutersäfte unterstützen, beschleunigen kann, die alte These der Alchemisten von der allmählichen Entwicklung jedes Minerals zur höchsten Stufe des Goldes (de pharmaco catholico). Tausend beschrieb seine Methode folgendermaßen: Andere sprechen von Atomzertrümmerung, ich arbeite auf umgekehrtem Wege. Ich zerstöre die Stoffe nicht, ich ziehe heraus. Ich besitze einen Stoff, der Strahlenwirkungen hat und die Kräfte aus dem Material herausholt wie ein Magnet. Das bestätigt die These, daß zu den alten Tinkturen, soweit sie erfolgreich gearbeitet haben, radiumhaltige Substanzen aus allen drei Reichen verwendet worden sind. So wurde aus Element 85 (Ekajod, Astat) ein radioaktives Lebenselexier (Omegastrahlen) gewonnen. Astat ist ein radioaktives Halogen und das seltenste natürlich vorkommende Element auf der Erde. Gewisse Grünalgen, besonders die Gattung Zygnema besitzen einen ebenso großen Radiumgehalt wie die radiumreichsten Graniterze. Der Radiumgehalt bilden die Algen nicht aus sich selbst heraus, sondern nehmen sie aus durchaus radiumarmer Umgebung kumulativ (ansammelnd) auf.

Der Rittmeister Casimir von Chledowski (1843 -1920) berichtet von einem Italiener, der im Garten eines Fürsten heimlich eine gewisse Blume (vielleicht Alchimilla) pflückte. Er wurde von einem Diener gefangen und vor den Fürsten gebracht. Seine Freiheit erkaufte er sich, indem er in zwei Steintiegeln über Nacht aus Blei Gold herstellte; dazu veraschte er die Blume und warf die Asche auf das schmelzende Metall.