Die Häuser Gottes

Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen,  wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 

Salomo, der König von Israel ließ im Jahre 950 vor Christus in Jerusalem einen Tempel bauen. Im heiligsten Teil des Tempels stand die Bundeslade, ein Zeichen der Anwesenheit Gottes. Warum baute er einen Tempel, wenn er gleichzeitig der Überzeugung war, das Gott nicht zu fassen war. Die Antwort lautet: Gott ist allgegenwertig. Er kann nicht auf ein einzelnes Gebäude beschränkt werden. Doch überall dort, wo Menschen Gott  ihm begegnen können ist Gott präsent. Nach biblischen Verständnis ist Gott überall auf der Welt zu finden – in der Natur, zu Hause und im Alltag. Der Apostel Paulus schrieb im Neuen Testament, dass die Gläubigen selbst ein Tempel des Heiligen Geist sind (1. Korinther 3,16). Und Jesus Christus versprach: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20). Tempel, Synagogen und Kirchen sind daher primär Treffpunkt für Menschen um ihren Glaube zu leben und um Gottes Gegenwart zu erfahren.Jerusalem Tempel

Der Jerusalemer Tempel  befand sich auf dem Tempelberg in Jerusalem. Mit dem Begriff werden zwei Heiligtümer aus unterschiedlichen Zeiten bezeichnet, die beide heute nicht mehr vorhanden sind:

  • Erster Tempel oder Salomonischer Tempel: Hauptheiligtum des Königreichs Juda, zerstört bei der Eroberung Jerusalems 587/586 v. Chr. durch die Neubabylonier. Damit verlor die JHWH-Religion ihren Mittelpunkt. Große Teile der Bevölkerung wurden ins babylonische Exil deportiert.
  • Zweiter Tempel: Hauptheiligtum der aus dem Exil zurückgekehrten Judäer, erbaut unter dem persischen Statthalter Serubbabel um 515 v. Chr., mehrfach umgebaut und unter Herodes dem Großen stark erweitert und neu konzipiert (Herodianischer Tempel); bei der Eroberung Jerusalems durch römische Truppen im Jahr 70 n. Chr. geplündert, in Brand gesetzt und zerstört

Die größen und und prächtigsten Gotteshäuser sind die Kathedralen. Sie besitzen meist ein sehr langes Hauptschiff, ein ausgeprägtes Querschiff (oft im lateinischen Kreuzgrundriss) und extrem hohe Gewölbe. Hinter dem Hauptaltar führt oft ein halbrunder Gang (Chorumgang) vorbei, an den mehrere kleine Kapellen (Radialkapellen) angrenzen. Sie haben oft monumentale Westfassaden mit riesigen Fensterrosen und zwei markante Haupttürme. Die Kathedralen der Romanik (ca. 900 – 1250) sind massiv, wehrhaft, erdverbunden und dunkel. Sie haben typische Rundbögen an Fenstern und Portalen, sehr dicke, schwere Mauern mit kleinen Fenstern sowie Tonnen- und Kreuzgewölbe. Die Kathedralen der Gotik (ca. 1150 – 1500) sind filigran, extrem hoch, lichtdurchflutet, mit typischen Spitzbögen. Sie haben dünne Wände, stabilisiert durch ein äußeres Strebewerk, und riesige, farbige Maßwerkfenster und Fensterrosen, sowie leichte Kreuzrippengewölbe für immense Höhen. Architektonische Hauptmerkmale der Kathedralen der Renaissance sind mächtige Kuppeln, klassische Säulenordnungen, Rundbögen und Tonnengewölbe und  Kassettendecken. Die Grundrisse basieren auf einfachen mathematischen Verhältnissen, oft in Form eines griechischen Kreuzes mit vier gleich langen Armen.

Bedeutende Kathedralen weltweit

Basilika St. Peter Petersdom (Vatikanstadt): Die größte Kirche der Welt, bekannt für ihre Renaissance-Architektur. Der Petersdom wurde über dem vermuteten Grab des Apostels Petrus errichtet und fasst bis zu 20.000 Menschen.  Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Inneren sind: Die Kuppel von Michelangelo: Das größte freitragende Ziegelmauerwerk der Welt ragt 133 Meter in die Höhe . Michelangelos Pietà: Das weltberühmte Meisterwerk aus weißem Marmor zeigt Maria mit dem vom Kreuz genommenen Jesus. Berninis Baldachin: Ein riesiger, monumentaler Bronzebaldachin, der direkt über dem Papstaltar und dem Petrusgrab thront. Die Vatikanischen Grotten: Die antiken Grabstätten unterhalb des Doms, in denen zahlreiche Päpste ihre letzte Ruhestätte fanden.
Kathedrale von Sevilla Kathedrale von Sevilla (Spanien): Größte gotische Kirche der Welt. Die Christliche Bischofskirche wurde ab 1401 auf den Überresten der maurischen Almohaden-Hauptmoschee aus dem 12. Jahrhundert erbaut. Wichtigste Highlights sind La Giralda: Der 104 Meter hohe Glockenturm war ursprünglich das Minarett der maurischen Moschee. Statt Treppen führt im Inneren eine architektonisch einzigartige Rampe mit 34 Windungen nach oben, die einst gebaut wurde, damit der Muezzin den Turm zu Pferd reiten konnte. Das Grab von Christoph Kolumbus: In der Kathedrale befindet sich das berühmte, prachtvolle Mausoleum des Seefahrers Christoph Kolumbus. Sein Sarg wird von vier Figuren getragen, die stellvertretend für die historischen Königreiche Spaniens stehen. Die Capilla Mayor: Der Hauptaltar beherbergt das größte Altarbild der christlichen Welt. Es ist fast 30 Meter hoch, komplett vergoldet und zeigt über 40 detailliert geschnitzte biblische Szenen. Der Patio de los Naranjos (Orangenhof): Der idyllische Innenhof mit seinen Orangenbäumen und dem zentralen Reinigungsbrunnen ist neben der Giralda das zweite große Überbleibsel der ehemaligen Moschee.
Kölner Dom bei NachtKölner Dom (Deutschland): Eines der größten gotischen Bauwerke, bekannt für seine Höhe. Die beiden markanten Westtürme sind exakt 157,38 Meter hoch. Die Grundsteinlegung erfolgte 1248, die Fertigstellung erst 1880 nach einer jahrhundertelangen Unterbrechung. Der Dom beherbergt den Dreikönigenschrein, der die Gebeine der Heiligen Drei Könige enthalten soll. Die bekannteste Glocke im Kölner Dom ist die St. Petersglocke. Sie wiegt rund 24 Tonnen. Über 533 Stufen gelangt man auf die Aussichtsplattform des Südturms. n den historischen Kellergewölben werden wertvolle Reliquiare, liturgische Gewänder und Insignien der Erzbischöfe ausgestellt 
Notre-DameNotre-Dame de Paris (Frankreich):  Südfassade und Langhaus von Notre-Dame im Jahr 2017, zwei Jahre vor dem Brand. Bis 2024 wurde das Bauwerk weitgehend in dieses äußere Erscheinungsbild zurückversetzt.
Dom zu MailandMailänder Dom (Italien): Ein Meisterwerk der gotischen Architektur. Der Fläche nach ist er eine der größten Kirchen der Welt.
StephansdomStephansdom (Wien, Österreich): Meisterwerk der Gotik. Der römisch-katholische Dom gilt als Wahrzeichen Wiens und wird mitunter auch als österreichisches Nationalheiligtum bezeichnet. Namensgeber ist der heilige Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt.
Kaiserdom zu Speyer (Deutschland); unangefochtenes Hauptwerk der romanischen Baukunst in Deutschland. Besitzt die größte romanische Hallenkrypta der Welt
Mainzer Dom (Deutschland): beeindruckt durch seine mächtige dreischiffige Pfeilerbasilika und seine enorme Gesamtlänge von ca. 116 Metern
Basilika Saint-Sernin in Toulouse (Frankreich: Die größte noch weitgehend unverändert erhaltene romanische Kirche Frankreichs
Kathedrale von Durham (England): Ein Meisterwerk der normannischen Romanik
Kathedrale von Santiago de Compostela (Spanien): Das Endziel des weltberühmten Jakobswegs besitzt im Kern eine gewaltige romanische Architektur
Saint John the Divine (New York, USA): Eine der größten Kathedralen der Welt.
Basilika Unserer Lieben Frau von Aparecida (Brasilien): Ein riesiger Pilgerort.
Kathedrale von Mexiko-Stadt (Mexiko): Bedeutendes Beispiel der kolonialen Architektur. 
Sagrada Família (Barcelona, Spanien): Berühmt für ihren außergewöhnlichen, unvollendeten Stil.
Kathedrale von Chartres (Frankreich): Gilt als Höhepunkt der Hochgotik