Alchemistische Nomenklatur
Die Kunstsprache der alten spagyrischen Adepten ist ein dunkles Labyrint für alle, die die Prinzipien der hermetischen Wissenschaft nicht gründlichst kennen. Eine solche Kenntnis setzt jahrelanges Studium der alten klassischen Adeptenschriften voraus. Besonders der Mercurius gab oft zu Verwirrungen Anlass, denn der Alchemist muss genau zu unterscheiden wissen zwischen dem Mercurius universalis und dem Mercurius Philosophorum. Auch darf man den einfachen Mercurius corporeus nicht mit dem Mercurius duplicatus verwechseln. Zudem kannten die Alchemisten auch noch einen weißen und einen roten sowie einen flüchtigen und einen fixen Mercurius, abgesehen davon, dass mit dem Mercurius mitunter auch ein Sulphur oder Sal (Salz) gemeint sein kann. Die Alchemisten kannten mehrere Arten von Sulphur und Sal, mindestens drei verschiedene Arten von Gold, vier Arten von Feuer, drei Arten Wasser, mehrere Erden und drei verschiedene Materien zum großen Werk, die der Eingeweihte alle genau voneinander zu unterscheiden wissen musste. Der Alchemist musste die richtige Materie zur Hand nehmen um daraus nach nacheinander Mercurius, Sulphur und Sal auszuziehen, aus denen nach gehöriger Zubereitung der Stein der Weisen gemacht wird.
Was den Uneingeweihten immer die größten Schwierigkeiten bereitet, ist die Vielzahl der Bedeutungen, der einzelnen alchemistischen Symbole und deren Synonyme.
- Mercurius universalis: flüchtige weiße Lilie, flüchtiger Drache oder Adler, Jungfernmilch (Lac virginis), Spiritus mercurii
- Mercurius duplicatus: roter Adler, Azoth, Essiggeist, (Spiritus aceti), aqua mercurialis (Merkurialwasser), Menstruum Universale
- Mercurius Philosophorum: Sal metallorum
- Ignis: metallischer Sulphur (Goldschwefel), roter Löwe, Zentralfeuer (Feuer des Goldes)
Das Feuer der Alchemisten ist ein rotes Öl. Das Wasser ist eine kristallinische Flüssigkeit. Die Luft ist ein goldgelbes Öl. Die Erde ist eine schwarze Materie. Der Sulphur ist bei Transparenz purpurrot und hat die metallischen Reflexe des Scarabäus (metallisch-irisierendes Schimmern). Der Mercurius ist ein klares metallisches Wasser. Das Sal tritt in kleinen silberhellen stark lichtbrechenden Kristallen auf.
Welche Trägerstoffe verbergen sich hinter den geheimnisvollen Bezeichnungen der Alchemisten?
- Mercurius: Benzol?
- Sulphur: Phenol?
- Sal: Sal ammoniacum?
Chemische Formeln beschreiben die Zusammensetzung chemischer Verbindungen.

Eine chemische Formel enthält genaue Angaben zu den in einer Verbindung enthaltenen chemischen Elementen und genaue Angaben zum kleinenZahlenverhältnis der in der Verbindung vorkommenden Teilchen. Mithilfe von chemischen Formeln (z. B. H2O) werden auch chemische Reaktionen in Reaktionsgleichungen dargestellt. Von den Formeln zu unterscheiden, sind die Elementsymbole: zum Beispiel H für Wasserstoff, O für Sauerstoff, N für Stickstoff, C für Kohlenstoff. Verbinden sich zwei oder mehrere Atome desselben Elements zu einem Molekül, dann wird das ebenfalls durch eine Formel dargestellt: Zum Beispiel H2 für Wasserstoff, N2 für Stickstoff, O3 für Ozon. Im Gegensatz dazu lässt ein alchemistisches Symbol keinen Rückschluss auf ein Element zu. Alchemistische Symbole sind oft mehrere für dasselbe Element oder im Laufe der Zeit veränderte Symbole, oder sogar dasselbe Symbol für unterschiedliche Elemente.Die Alchemie Symbole für Erde, Wind, Feuer und Wasser waren ziemlich konstant. Im Gegensatz dazu hatten die Symbole der chemischen Elemente mehrere Bedeutungen. So waren unter anderem die Symbole für das Element Silber und den Planeten Mond identisch. Dasselbe galt für Quecksilber und Merkur, Kupfer und Venus oder Gold und Sonne. Die Symbole für die drei Prinzipien wiederum waren konstant:
Des Weiteren wurde auch ein und dasselbe Element oft mit verschiedenen Symbolen dargestellt. Allein für Gold gab es zahlreiche unterschiedliche Symbole:

Das die Alchemisten ihre Rezepturen und Verfahren selten offenlegten bzw. mit kryptischen Symbolen verschlüsselten, hatte einen berechtigten Grund. Denn immer wieder wurde die Alchemie von Königen und Fürsten verboten, praktizierende Alchemisten wurden verfolgt und eingesperrt. Manchmal sogar hingerichtet. Auch die Kirche verdammte die Alchemie. Die Alchemisten wurden der Häresie beschuldigt und oft exkommuniziert. Papst Johannes XXII. (1244-1334) erließ sogar ein Verdikt gegen die Alchemie. Der Franziskanermönch und Naturphilosoph Roger Bacon (Hauptwerke „Opus maius“, „Opus minus“ und „Opus tertium“), beschäftigte sich jahrelang mit Alchemie und Astrologie. Anfangs vom Papst Clemens IV. protegiert, geriet er nach dessen Tod im Jahr 1268 in Konflikt mit der Kirche. Seine Schriften wurden verboten. Bacon selbst wurde für 10 Jahre lang inhaftiert. Das alles hinderte so berühmte Gelehrte wie Paracelsus, Robert Boyle, Isaac Newton oder John Dee, nicht daran, sich alchemistischen Studien zu widmen. Newton beschäftigte sich noch im 17. Jahrhundert mit der Alchemie und beschrieb in einem erst vor Kurzem entdeckten geheimen Manuskript ein Rezept für den gesuchten Stein der Weisen.In den Schriften der Alchemisten wird wiederholt auf die verborgene Bedeutung der Zahlen und Buchstaben Bezug genommen. Die alchemistischen Begriffe lassen sich in Zahlenwerte umrechnen, die wiederum zur Entschlüsselung der Bedeutung hinter den Begriffen herangezogen werden können. So hat z. B. die prima materia metallorum (= 1) in der Sprache der Alchemisten dieselbe Bedeutung wie der spiritum universalis magneticus (= 1). Des Weiteren gibt es ein sogenanntes Alchemisten-Alphabet. Das ist eine mittelalterliche Geheimschrift, die auf den alchemistischen Zeichen aufbaut.
Das Alphabet begann mit dem Zeichen für Gold: ![]()
Das wahre Geheimnis der Zahlen, basierend auf dem Codeschlüssel des Cheiro.
- lapis philosophorum = 1
- prima materia metallorum = 1
- spiritum universalis magneticus = 1
- aqua ardens = 2
- lac virginis = 3
- menstruum universale = 4
- minera saturni = 4
- ignis = 4
- nitrum = 4
- mercurius = 5
- mercurius universalis = 5
- clavis naturae = 5
- sulphur = 6
- azoth = 6
- saturnus philosophorum = 6
- tria principia = 6
- mercurius duplikatus = 7
- semen metallorum = 7
- sal ammoniacum = 7
- ouroboros = 7
- quinta essentia = 9
- mercurius saturni = 9
- elementum magicum = 9
- menstruum foetens = 9