Ist der Teufel real ?
Der Teufel oder auch Antichrist ist im christlichen Kontext die Personifikation des Bösen und der Gegenspieler Gottes. Sein Ziel ist es, die Menschen und Gottes Schöpfung zu zerstören. Er verkörpert den Widerspruch zu Gott.
Der Glaube an den Teufel war vor allem im Mittelalter sehr stark. Selbst der Reformator Martin Luther war sich sicher, den Teufel mit eigenen Augen gesehen zu haben. Er wird traditionell als ziegenähnliches Wesen mit Hörnern, Schwanz, Pferdefuß und Dreizack dargestellt, oft in Rot oder Schwarz. Biblisch betrachtet ist er jedoch ein unsichtbares Geistwesen. Er agiert weltweit und wird letztendlich in den feurigen Pfuhl (Hölle) verbannt (siehe Offenbarung 20,10). Im Islam ist der Teufel als Iblis (oder Schaitan) bekannt, ein Wesen aus Feuer, das Menschen vom Weg Gottes abbringen will. Der oberste Teufel wird auch (abweichend von der alttestamentlichen Bedeutung dieser Namen) Satan oder Luzifer genannt. Er wird als gefallener Engel angesehen, der gegen Gott rebellierte. Ursprünglich als Engel geschaffen, fiel er durch Hochmut und Rebellion aus der göttlichen Ordnung. Die christliche Tradition bezieht auch die Schlange in der Schöpfungsgeschichte oft auf den Teufel. Diese Gleichsetzung findet sich schon in der Offenbarung des Johannes. Spätestens seit Augustinus von Hippo wird in den christlichen Traditionen aber nicht mehr zwischen Teufel und Dämon unterschieden. Im christlichen Kontext wird der Teufel als Urheber der Lügen und des Bösen in der Welt angesehen. Die Offenbarung nennt ihn den „großen Drachen, die alte Schlange, die Teufel heißt und die ganze Welt verführt. Offb 12, 9: Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. Vor dem tausendjährigen Reich gibt es nach der Offenbarung des Johannes einen Kampf zwischen dem Erzengel Michael und seinen Engeln und Satan, der damit endet, dass der Teufel und seine Anhänger auf die Erde geworfen werden (Höllensturz). Für die Dauer des tausendjährigen Reichs wird er aber gefesselt, um danach wieder kurz freigelassen zu werden. Er verführt dann für eine gewisse Zeit Menschen, ehe er in einen Feuersee geworfen wird:
| Offb 20,10: Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit. |
Besonders ausführlich wird der Teufel im apokryphen äthiopischen Henochbuch als Asasel als einer jener Gottessöhne erwähnt, die mit den Menschentöchtern die Nephilim, die „Riesen der Vorzeit“, zeugten. Asasel lehrte den Menschen die Metallbearbeitung, den Gebrauch von Waffen, Edelsteinen und Färbemitteln sowie die Kunst des Schminkens. Er verriet den Menschen die Geheimnisse des Himmels und trug damit zu ihrer Verderbnis bei. Zur Strafe wurde er von dem Engel Raphael gebunden, gesteinigt und in die Finsternis geworfen. Nach dem jüngsten Gericht wird Asasel verurteilt und dem Satan übergeben:
| 1. Henoch 10,4–6: Und zu Raphael sprach der Herr: Bind den Azazel an Händen und Füßen und wirf ihn in die Finsternis! Mach in der Wüste von Dudael ein Loch und wirf ihn hinein! Leg scharfe, spitze Steine unter ihn und bedeck ihn mit Finsternis. Laß ihn dort für immer wohnen und bedeck sein Antlitz, daß er kein Licht schaue! Am Tag des großen Gerichtes soll er in den Feuerpfuhl geworfen werden! Die ganze Erde war ja durch die von Azazel gelehrten Werke verderbt worden. Ihm schreib alle Sünden zu! |
| 1. Henoch 10, 8: Die ganze Erde war ja durch die von Azazel gelehrten Werke verderbt worden. Ihm schreib alle Sünden zu! |
Die Macht Satans ist jedoch nicht unendlich. Er ist bloß ein Geschöpf; zwar mächtig, weil er reiner Geist ist, aber doch nur ein Geschöpf: er kann den Aufbau des Reiches Gottes nicht verhindern. Satan ist auf der Welt aus Haß gegen Gott und gegen dessen in Jesus Christus grundgelegtes Reich tätig. Sein Tun bringt schlimme geistige und mittelbar selbst physische Schäden über jeden Menschen und jede Gesellschaft. Und doch wird dieses sein Tun durch die göttliche Vorsehung zugelassen, welche die Geschichte des Menschen und der Welt kraftvoll und milde zugleich lenkt. Daß Gott das Tun des Teufels zuläßt, ist ein großes Geheimnis, aber so steht es im Brief an die Römer.
| Röm 8,28: wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt. |
In späteren dämonologischen Werken gilt Asasel als ein bocksgestaltiger Dämon zweiten Ranges und erster Bannerträger der Höllenarmeen, wird aber auch mit gefallenen Erzengel Samael gleichgesetzt. Samael pflanzte Wein im Paradies, den Adam trank, bevor er von den verbotenen Früchten kostete.
Im Islam wird Asasel häufig, wenn auch nicht ausschließlich, mit Iblis, eine dem Teufel vergleichbare Gestalt, identifiziert. Daneben gibt es auch einen Engel der zusammen mit den im Koran genannten Engelpaar Harut und Marut auf die Erde verbannt wurde. Dieser habe allerdings seine Entscheidung bereut und durfte in den Himmel zurückkehren. In der Auslegung des Koran wird erzählt: Iblis habe einst der Hierarchie der Erzengel angehört und wurde von Allah auf die Erde geschickt um die Dämonen zu bekämpfen. Nach seinem Sieg prahlte er und wurde stolz. Dies dient als Vorgeschichte der koranischen Erzählung der Erschaffung Adams. Stolz auf seinen Sieg, und sich aufgrund seiner immateriellen Natur aus Feuer (Geist) brüstend, erachtete er Adam, als ein aus Lehm (Materie) erschaffenes Wesen, für minderwertig und verweigerte den Befehl sich vor diesem zu verneigen.
| Sure 7:12: Gott (w. Er) sagte: Was hinderte dich daran, dich niederzuwerfen, nachdem ich (es) dir befohlen habe? Iblīs (w. Er) sagte: Ich bin besser als er. Mich hast du aus Feuer erschaffen, ihn (nur) aus Lehm. |
Daraufhin verlor Asasel seine Stellung im Himmel und wurde von einem Erzengel in einen Satan verwandelt. Seither versuchen Asasel, dessen Name zu Iblis geändert worden sei, und die Satane die Menschen von Gottes Weg abzubringen. Dem Islam ist eine Personifizierung des absoluten Bösen, der einen Gegenpol zu Gott (Allah) darstellt, fremd. Da dem islamischen Verständnis der Einheit Gottes zufolge Allah der Urheber aller Dinge sein muss, gibt es nach der Mehrheit muslimischer Auffassung kein intrinsisches Böses. Der islamischen Tradition nach war Iblis vor seiner Verbannung von schöner Gestalt und genoss einen hohen Rang unter den Engeln, wurde dann aber in einen Satan (Schaitan) verwandelt. Als Satane gelten solche Geister, die stets gegen die Ordnung Gottes handeln. Sie fungieren als untere Teufel. Iblis wird erst durch seine Handlung zum Ungläubigen.
Eine Möglichkeit vor allen Augen scheinbar zu demonstrieren, dass es den Teufel gibt, ist der Exorzismus. Für die Exorzisten und viele Gläubige ist das auch eine Art indirekter Gottesbeweis: Wenn es den Teufel gibt, muss es auch Gott geben.“