Alchemy Rediscovered and Restored
In seinem Werk „Alchemy Rediscovered and Restored“ erläutert der Arzt und Alchemist Archibald Cockren die Geschichte der Alchemie und behauptet, die Labor-Methoden der alten Meister (wie Paracelsus oder Basilius Valentinus) entschlüsselt und erfolgreich repliziert zu haben – bis hin zur Erschaffung des legendären „Steins der Weisen.
Cockren war als praktizierender Arzt in London tätig. Er besaß tiefgreifende Kenntnisse in den Bereichen Metallurgie, Biochemie und Bakteriologie. Dieses Wissen half ihm, die oft kryptischen und symbolischen Texte alter Meister (wie Paracelsus oder Basilius Valentinus) in reale Laborprozesse zu übersetzen. Seine konkreten Laborprozesse lassen sich in zwei Kernarbeiten unterteilen: die Herstellung des Gold-Öls und das Rezept für das Große Werk (den Stein der Weisen).
Das Feingold wurde zunächst in Aqua Regia (Königswasser, einer Mischung aus Salzsäure und Salpetersäure) vollständig aufgelöst. Königswasser, besteht aus einem Teil konzentrierter Salpetersäure (HNO₃) und drei Teilen konzentrierter Salzsäure (HCl) im Volumenverhältnis 1:3 und ist eine der ganz wenigen Flüssigkeiten, die elementares Gold auflösen können. Die Salpetersäure oxidiert das Gold in minimalen Mengen, während die Salzsäure mit den Gold-Ionen reagiert und Tetrachloridogoldsäure (𝐇𝐀𝐮𝐂𝐥𝟒) bildet. Dadurch kann weitere Salpetersäure das Gold angreifen, bis es vollständig gelöst ist. Um die aggressiven Säurerückstände der Salpeter- und Salzsäure zu 100 % zu eliminieren, ohne dass das Goldchlorid beim Verdampfen der Säure wieder in seine gewöhnliche, metallische Goldform zurückfiel. gelang ihm angabegemäß durch wiederholtes Waschen mit destilliertem Wasser und sanfte Destillationen, bis ein absolut säurefreies, tiefrotes Gold-Öl entstand. Er schrieb dazu: „So lange die Salze in einer sauren Lösung sind, bleiben sie löslich. Aber direkt wenn das auflösende Medium seine Säure verliert und neutral oder alkalisch wird, neigen die Salze dazu, sich wieder in metallisches Gold zu verwandeln.“ Um die restliche Aggressivität zu binden und das Gold im flüssigen Zustand zu halten, fügte er sein selbst hergestelltes „Mercurial Water“ (ein hochreines, alchemistisch hergestelltes Destillat) hinzu. Beim Zusammentreffen des Merkurialwassers mit den fast neutralen Goldsalzen kam es im Glas zu einem leichten Zischen und einer spontanen Hitzeentwicklung. Die Säure wurde vollständig neutralisiert, und das Gold wandelte sich in eine tiefrote Flüssigkeit um. Durch eine finale Destillation trennte er das flüchtige Wasser ab und isolierte ein bernsteinfarbenes, öliges Elixier – das fertige Oil of Gold.
Das Merkurialwasser stellte Cockren nicht aus gewöhnlichem, flüssigem Quecksilber her, sondern durch die gezielte Zersetzung und Destillation eines anderen, unedleren Metalls. Er folgte dabei den verschlüsselten Rezepten des Grafen von St. Germain und nannte es auch dessen „Athoeter“ (das Primärwasser aller Metalle). Cockren nahm ein Basismetall (höchstwahrscheinlich Antimon) und kalzinierte es, bis es völlig trocken war. Anschließend behandelte er es mit einem organischen Destillat – er bezieht sich hier auf alte Schriften, die den „schärfsten Saft der Weintrauben“ (stark konzentrierter, mehrfach destillierter Weinessig) nutzen. Dieses Gemisch ließ er wochenlang in der Wärme digerieren (ruhen), bis sich das Metall auflöste und eine gummiartige, vitriolähnliche Masse bildete. Aus dieser gummiartigen Metall-Essenz extrahierte Cockren unter sehr langsamer, präzise kontrollierter Hitze im Sandbad zunächst eine schwache, geschmacksneutrale Flüssigkeit. Bei steigender Temperatur bildete sich ein dichter, weißer Rauch (Fume) im Kolben. Dieser Rauch kondensierte zu einem flüchtigen Gas, das Cockren als hochgradig brennbar und extrem flüchtig beschrieb. Um zu verhindern dass das Gas entwich oder explodierte, konstruierte Cockren ein spezielles Kühlsystem. Er leitete das heiße Gas durch mehrere Windungen von Glasrohren, die vollständig in kaltem Wasser lagen. Durch diese starke Kühlung und eine „perfekte Regulierung der Hitze“ kondensierte das Gas im Auffangbecken zunächst zu einem klaren, goldfarbenen Wasser.
- Eine tiefrote, ölige Tinktur (Der alchemistische Sulphur / Schwefel).
- Ein kristallklares, weißes, schweres Wasser – das eigentliche „Mercurial Water“ (Der alchemistische Mercurius).
Das Merkurialwasser besaß angabegemäß die Fähigkeit, die metallischen Bindungen von Feingold sofort und ohne die zerstörerische Aggressivität von Säuren aufzubrechen, die Säurereste des Königswassers zu neutralisieren und das Gold dauerhaft in einen flüssigen Zustand zu überführen. Cockren behauptete, wenn man dieses weiße Wasser wieder mit der roten Tinktur vereinte, erhielt man eine leuchtende, bernsteinfarbene Flüssigkeit – das „Philosophische Gold“.
Wie bereits angedeutet nahm Cockren für die Herstellung von seinem Merkurialwasser ein Basismetall (höchstwahrscheinlich Antimon).
Alchemistisch wurde Antimonerz (Antimonsulfid, Spießglanz) zunächst kalziniert, um Antimontrioxid (Sb2O3) zu erhalten. Dieses Oxid wurde dann mit dem „schärfsten Saft der Weintrauben“ (konzentrierter Essigsäure, (CH3COOH) über Wochen digeriert (erhitzt und ruhen gelassen). Die Lösung wurde anschließend schonend eingedampft, bis eine gummiartige oder kristalline, zähe Masse aus reinem Antimontriacetat zurückblieb. Diese Antimonacetat-Kristalle wurden nun in einer hermetisch geschlossenen Glasretorte stark erhitzt. Bei Temperaturen ab etwa 200 °C bis 300 °C zerfällt die organische Verbindung thermisch (Pyrolyse). Dabei spaltet sich die Substanz auf in festes Antimontrioxid, das gasförmige Nebenprodukt Kohlenstoffdioxid und das flüchtige Aceton. In der Hitze zersetzt sich ein kleiner Teil des Acetons weiter zu Ethen und kettenförmigen Kohlenwasserstoffen, was zusammen mit dem verdampfenden Aceton dicke, weiße, geisterhafte Nebel im Glaskolben erzeugt. Das kondensierte Destillat fängt sich im gekühlten Becken als leicht gelbliche oder goldene Flüssigkeit auf – das rohe, alchemistische Merkurialwasser, verunreinigt mit Spuren von Essigsäure und schweren Ölen. Durch eine erneute, sehr sanfte Destillation bei exakt 56 °C (dem Siedepunkt von Aceton) trennte Cockren die Ur-Prinzipien:
- Das weiße Merkurialwasser (Mercurius): Reines, klares, flüchtiges Aceton (CH3COCH3), das leicht brennbar ist.
- Die rote Tinktur (Sulphur): Im Destillationskolben blieben durch Nebenreaktionen (Aldolkondensation des Acetons) rot-braune, ölige Verbindungen zurück (wie Mesityloxid und höhere Ketone).