Die Affaire des verfluchten Brotes
Im Jahr 1951 kam es im französischen Pont-Saint-Esprit zu einem rätselhaften Vorfall: Menschen entwickeln Psychosen, einige sterben. Die Spur führt zu einem Bäcker. Die kleine Stadt wird zum Schauplatz einer mysteriösen Massenvergiftung. Mehr als 300 Menschen entwickeln Psychosen, einige sterben. Die Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. Zunächst waren es Tiere, die außer Rand und Band geraten. Hunde greifen plötzlich ihre Besitzer an, Hühner rennen völlig verstört durch die Gassen. Dann, am 15. August 1951, greift die allgemeine Manie auf die Menschen über. Zahlreiche Einwohner müssen sich übergeben, bekommen Durchfall, schließlich setzen Halluzinationen ein. Erste Menschen stürzen sich aus dem Fenster. Bis zum 23. August werden mehr als 300 Fälle gemeldet, mehrere Menschen sind bereits gestorben. Der Verdacht fällt schnell auf einen lokalen Bäcker. Dessen Brote, so glauben die Ermittlungsbehörden seien mit verunreinigtem Mehl gebacken worden. Man vermutet das mit Mutterkornpilz verunreinigtes Mehl bei den Menschen 1Ergotismus ausgelöst hat. Angeblich haben alle betroffenen Personen Brot beim lokalen Bäcker gekauft. Die Ermittler können in zwei Mehlsäcken Spuren des Mutterkornpilzes nachweisen, nicht jedoch in den übrigen Säcken. Doch mit Mutterkorn belastetes Brot würde sich rötlich verfärben und ein Aroma von verrottetem Fisch entwickeln. Einem erfahrenen Bäcker wäre das sofort aufgefallen. Letztlich bleibt bis heute nicht abschließend geklärt, was im Jahr 1951 mehrere Hundert Bewohner von Pont-Saint-Esprit in den Wahnsinn trieb.
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1Auf mesopotamischen Weizenfeldern wuchs Roggen als Unkraut; im Zuge bestimmter Entwicklungen gelangte er nach Europa, wo er zur Kulturpflanze und in einigen Regionen zur vorherrschenden Getreideart wurde. Mit dem Roggen gelangte auch dessen Parasit, *Claviceps purpurea*, nach Europa. Dieser Schlauchpilz (Ascomycet) befällt einzelne Roggenkörner und bildet im Laufe seines Entwicklungszyklus Sklerotien aus, die größer sind als das jeweilige Korn. Diese Gebilde – das sogenannte Mutterkorn – enthalten giftige Mutterkornalkaloide, die nach der Aufnahme zwei charakteristische Formen des Mutterkornbrandes (Ergotismus) hervorrufen. Das Krankheitsbild des *Ergotismus gangraenosus* war bereits vor der Erkenntnis seiner Ursache unter Bezeichnungen wie „Ignis sacer“, „Antoniusfeuer“ und „kalter Brand“ bekannt. Bei diesem meist die Gliedmaßen betreffenden, fieberlosen Leiden zersetzte sich die Muskulatur ohne Blutungen und Schmerzen, woraufhin sich die Knochen ablösten. Früher oder später verstarben die Patienten. Die andere Form, der *Ergotismus convulsivus* – in der deutschen Literatur meist als „Kriebelkrankheit“ bezeichnet –, beginnt mit dem Gefühl, als würden Ameisen über die Gliedmaßen laufen, und geht mit schmerzhaften Verkrampfungen von Händen und Füßen einher. In vielen Fällen kommt es zu einem Verlust des Verstandes und der Sprachfähigkeit. Schließlich tritt der Tod ein.