Das Buch Tobit
Das Alte Testament enthält viele Erzählungen die in die Weltliteratur eingegangen sind. Die Erschaffung der Welt, der Brudermord des Kain, der Untergang von Sodom und Gomorrha, der Turmbau zu Babel, Noah und seine Arche oder die Zehn Gebote sind nur einige davon. Und dann ist da auch das Buch Tobit, das 3. Buch der Apokryphen aus der Bibel. Der Fund von Tobit-Fragmenten in Qumran legt die Annahme nahe, dass es ein aramäisches oder hebräisches Original gab. Das Buch beschreibt das Schicksal der Familie des Tobit („JHWH ist gütig“), ihre Gefährdung und wunderbare Bewahrung. Tobit war der Sohn Tobiëls, des Sohnes Hananels und gehört zum Geschlecht Asiëls und zum Stamm Naftali. Zur Zeit des assyrischen Königs Salmanassar bzw. dessen Sohn Sanherib wurde er als Gefangener aus Tisbe verschleppt, einem Ort südlich von Kedesch-Naftali in Galiläa, oberhalb Hazor. Tobit, lebt in der Gefangenschaft in Ninive als vorbildlicher Jude, sein Handeln wird von der Tora bestimmt. Der Überlieferung nach wurde die Tora Moses von Gott auf dem Berg Sinai offenbart. Sie umfasst die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel (Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium). In der Tora steht aber auch geschrieben, wie Juden leben sollen. Dazu gehören 613 Gesetze und Regeln. Im Judentum soll jeder Mensch diese Gebote beachten. Tobit speist die Hungernden und bekleidet die Nackten. Insbesondere nimmt er es unter Gefahr für das eigene Leben auf sich, erschlagene Israeliten, die der Machthaber und Tyrann Sanherib auf dem Feld und den Straßen liegen lässt, heimlich zu begraben und übt damit Gott wohlgefällige Akte der Barmherzigkeit.
Doch eines Morgens, er hatte im Garten übernachtet fällt ihm Vogelkot in die Augen und er erblindet. Tobit betet daraufhin betrübt zu Gott und bittet, dass er ihn zu sich in die Ewigkeit nehme. Zur gleichen Zeit in Ekbatana, der alten, prächtigen Hauptstadt des Mederreiches im heutigen Iran. Dort befindet sich das Mädchen Sara in einer verfluchten Situation Sieben Männer haben sie gefreit, doch keiner von ihnen überlebte die Ehenacht. Auch Sara möchte sterben und bittet Gott, sie doch zu sich zu nehmen. Gottes Hilfe besteht in der Entsendung des Erzengels Raphaels. Obwohl der Verlauf des weiteren Lebens beider Bittsteller sich in dunkler Ferne zu verlieren scheint und sie noch gar nicht wissen können, welche Wirkung ihre Gebete zeitigen werden, besinnt sich Tobit auf seine väterlichen Pflichten, ruft seinen Sohn Tobias zu sich verkündet ihm sein spirituelles Erbe und erwähnt dann das materielle Vermächtnis, das er für ihn und die Familie vorgesehen hat: Es sind zehn Talente Silber – also um die 25 Kilogramm – die er vor Jahren auf einer Geschäftsreise im Land der Meder einem Verwandten zur Aufbewahrung übergeben hatte. Tobias möge sich einen Reisebegleiter suchen und das Vermögen zurück nach Hause bringen. Er trifft bei seiner Suche auf Raphael, der sich nicht als Engel zu erkennen gibt, aber erklärt, den Weg zu kennen und auch bereits bei dem Mann zu Gast gewesen zu sein, der das Geld des Tobit verwaltet. In der ersten Reisenacht schlagen sie am Fluss Tigris ihr Lager auf, wo Tobias badet und dabei von einem Fisch angefallen wird. Es gelingt ihm jedoch den Fisch zu fangen und zu töten. Als er ihn zubereiten will folgt Tobias dem merkwürdigen Rat des als Mitreisenden getarnten Engels: Er solle von den Innereien des Fisches das Herz, die Leber und die Galle nehmen und aufbewahren. Mittlerweile in Medien angelangt begegnet Tobias der von einem Dämon geplagten Sara. Es war Raphael, der vorgeschlagen hatte, in deren Haus Rast zu machen, denn es waren weitläufige Verwandte von Tobias und seinem Vater. Nach jüdischem Recht würde das sogar eine Eheschließung zwischen Tobias und Sara nahelegen, damit diese keinen Fremden heiraten muss. Die beiden Reisenden werden herzlich empfangen. Raphael empfiehlt Sara als Braut für seinen Weggenossen. Tobias willigt ein. Doch Sara ist es nach all dem Leid, das sie erfahren musste, nicht gerade wohl zumute in diesem achten Versuch, den Ehebund mit einem Mann zu schließen. Schließlich willigt auch sie ein. Raphael geheißt Tobias das mitgenommene Herz und die Leber des Fisches auf ein Räucherbecken mit Glut zu legen. Der daraufhin entstehende unangenehme Geruch vertreibt den Dämon in eine unfruchtbare und unwirtliche Gegend. Dort wird er von Raphael gefesselt. In der Hochzeitsnacht schlägt Tobias Sara vor, gemeinsam zu Gott zu beten. Als die Schwiegereltern am nächsten Morgen überglücklich entdecken, dass dieser Bräutigam überlebt hat, richten sie ein Fest aus, das 14 Tage lang andauert.
Erst danach kann Tobias heimkehren. Nach der Rückkehr bestreicht Tobias auf Anweisung Rafaels die Augen seines erblindeten Vaters mit Fischgalle: Tobit kann wieder sehen. Erst jetzt gibt Rafael seine Identität als Engel preis. Im Buch Tobit erscheint der Engel als Wegbegleiter und Helfer in der Not.
Die wohl bekannteste Engel-Erzählung ist die Verkündigung an Maria im Evangelium des Lukas 1, 26-38) : Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
Das gleiche im Evangelium des Matthäus 1, 18-25: Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.
Auch der Prophet Elija hat eine Begegnung mit einem Engel. Elija hat genug von seiner Berufung. Er, der sich stets für die Sache Gottes eingesetzt hat, wird von Königin Isebel verfolgt. Sie trachtet ihm nach dem Leben. Elija zieht sich in die Wüste zurück und will sterben. An diesem absoluten Tiefpunkt tritt der Engel des Herrn in Erscheinung, der Elija nicht den ersehnten Tod bringt, sondern ihn mit Wasser und Brot stärkt. Elija isst und trinkt zwar, legt sich aber dann wieder zum Sterben nieder. Der Engel greift ein zweites Mal ein. Er rührt Elija an und sagt: Steh auf und iss. Jetzt schöpft Elija neuen Mut.