Die geheime Welt der Zahlen

Ursprünge der Numerologie

In der Zeit der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert waren die pythagoreischen Theorien und darauf basierenden numerologischen Systeme weitverbreitet. Selbst berühmte Wissenschaftler, wie der italienische Astronom Galileo Galilei (* 1564 – † 1642), stand unter dem Einfluss dieser okkulten Wissenschaft und gab sein Interesse für Astrologie zugunsten der Numerologie auf. In seinem Werk „Saggiatore“ schrieb er, das Buch der Natur sei in mathematischer Sprache verfasst. Ebenso beschäftigte sich der englische Physiker, Astronom und Mathematiker Isaac Newton (* 1642 – † 1726) mit Zahlenmystik. Seine zahlreichen numerologischen Berechnungen führten ihn z. B. zu der Überzeugung, dass im Jahr 2060 die Welt untergehen würde. Besonders im 16. Jahrhundert war die Numerologie dann mehr oder weniger durch klare Regeln formuliert. Der schottische Mathematiker John Napier (* 1550 – † 1617) war einer der Ersten, die dargelegt haben, wie Zahlen und Namen geheime Bedeutungen zugeordnet sind. Doch letztlich war es der italienische Universalgelehrte Pietro Bongo (* 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts – † 1601), der mit seinem beeindruckenden Werk „Numerorum mysteria“ die erste und umfassende Systematik der abendländischen Numerologie erarbeitet hat. Bongos Hauptinteresse galt dabei der pythagoreischen Zahlenlehre. Einen ihrer größten Erfolge erfuhr das pythagoreische Weltbild, als der russische Chemiker Dmitri Iwanowitsch Mendeljew (* 1834 – † 1907) im Jahr 1869 sein Periodensystem der chemischen Elemente bekannt gab. In seinem System waren noch einige Stellen frei. So z. B. die Elemente mit den Atomgewichten 31 und 32. Mendeljew überzeugter Anhänger der pythagoreischen Vision, war jedoch überzeugt, dass zwischen den bereits bekannten Elementen Zink mit dem Atomgewicht 30 und Arsen mit dem Atomgewicht 33 damals noch unbekannte Elemente mit den in die Lücken hinein passenden Atomgewichten liegen müssten. 1875 wurde dann tatsächlich Gallium (Atomgewicht 31 und 1886 Germanium (Atomgewicht 32) entdeckt. Wichtige Impulse bezog die Numerologie auch aus der jüdischen Mystik, der Kabbala. Das Sefer Jetzira (Buch der Schöpfung) entstand zwischen dem 3. und dem 6. Jh. Zu den Aspekten der Kabbala, die in den Bereich der Numerologie fallen, gehören die 10 Knoten des Lebensbaumes, die 22 Wege, durch die sie verbunden sind, und die esoterische Bedeutung des hebräischen Alphabets. Mithilfe der Ziffern 1 bis 10 und der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets wird die Erschaffung und die Ordnung des Universums erklärt. 1 ist Gott, 2 die göttliche Weisheit, 3 die irdische Intelligenz. Es folgen Liebe, Macht, Schönheit und so weiter. Die Kabbala verwendet die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets, um die numerologische Bedeutung von Namen zu ergründen. Dabei wird jeder Buchstabe einer Zahl zugeordnet. Die Zahlen werden anschließend addiert. Diese Methode wird angewandt, um mithilfe des Namens Erkenntnisse über Richtung und Aufgabe im menschlichen Leben zu gewinnen. Eine weitere, aber für die Numerologie nicht weniger wichtige Technik der Kabbala ist die Gematrie. Das war der Teil der Kabbala, der von der Umwandlung von Worten in numerische Werte handelte Man glaubte, dass Gott die Welt erschaffen habe, indem er die Namen der Dinge aussprach und dass jeder der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets göttliches Schöpfungswerkzeug wäre. Jeder Buchstabe war einem der 22 Pfade des Lebens zugewiesen, und jeder Buchstabe besaß eine numerische Entsprechung. Die Kabbalisten glaubten, dass ein Name den wesentlichen Charakter einer Person oder eines Dings sowie auch Information über ihre Bestimmung verbarg. Die Gematrie war eine Methode, einen Code zu lesen, indem Namen auf Zahlenwerte reduziert wurden und Information über sie durch Worte desselben Zahlenwerts aufgedeckt wurde. Da die Kombination der Zahlen auf vielfache Weise geschehen kann, ließ die Gematrie aber unzählige Deutungen und Interpretationen zu. Im Buch Daniel, das im 2. Jahrhundert v. Chr. geschrieben wurde, wurde der Name Nebukadnezar gebraucht, um die Identität des Seleukidenkönigs Antiochus Epiphanes zu verbergen. Er war sorgfältig so ausgewählt, dass die Zahlen seiner Buchstaben addiert 423 ergaben – so wie bei Antiochus Epiphanes. Kabbalisten glaubten, dass Gott, wie der Autor des Daniel, Zahlen auf geheimnisvolle Weise verwendeten. Über die Jahrhunderte hinweg haben Kabbalisten Jahre ihres Lebens gewidmet, die verborgenen Bedeutungen der Schriften durch die Methode der Gematrie zu beweisen. Die Gematrie liefert ihnen ein Mittel, Material durch Umwandeln der Buchstaben in Zahlen zu entschlüsseln. Die Pythagoreer lieferten eine Methode, die Zahlen durch die Eigenschaften, die sie ihnen zuordneten, zu interpretieren. Judentum und Christentum steuerten zusätzliche Interpretationen bei – und so war die Numerologie geboren.

Die Geschichte der Numerologie setzte sich auch im 19. und 20. Jahrhundert fort. Meistens diente als theoretische Grundlage das pythagoreische System, obwohl die ursprünglichen Zahlen des Pythagoras inzwischen eine Bedeutungserweiterung und damit eine Sinnveränderung erfahren haben.

Die Umwandlungsmethode, die seinerzeit Cagliostro gebrauchte, gibt den Buchstaben des Alphabetes Zahlenwerte wie folgt: A,I,Q,J,Y = 1 – B,K,R = 2 – C,G,L,S = 3 – D,M,T = 4 – E,H,N = 5 – U,V,W,X = 6 – O,Z = 7 und F,P = 8. Dieses System basiert auf den Korrespondenzen zwischen dem hebräischen Alphabet und Unserem. Es gibt deshalb keine Buchstaben für den Zahlenwert 9, weil die hebräischen Buchstaben, die dafür stehen, keine Entsprechung in unserem Alphabet besitzen. Eine andere Methode weist die Werte zu, indem das Alphabet in seine normale Reihenfolge gesetzt wird: A = 1, B = 2, C = 3, D = 4 usw. Verschiedene Numerologen sind dem einen System oder dem anderen mehr zugetan, obwohl insgesamt wohl, das dem Hebräischen angelehnte System wegen seines Alters bevorzugt wird. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das sogenannte Master-Zahlensystem bekannt, bei dem die Zahlen 11 und 22 nicht reduziert werden. Geistige Urheberin war L. Dow Balliett eine Anhängerin der New-Age-Gedankenbewegung. Bei den Zahlen 11 und 22 handelt es ihrem Verständnis nach um sogenannte Meisterzahlen. Diese werden nicht auf ihre 2 oder 4 einstelligen Pendants reduziert, sondern haben ihre eigene Bedeutung. Aber nur dann, wenn es sich um Kernzahlen handelt. So etwa die Schicksalszahl (= vollständiges Geburtsdatum) oder die Namenszahl (= vollständiger Name).

Meisterzahlen sind spezielle Zahlen in der Numerologie, die aus den doppelten Ziffern bestehen, die sich nicht auf eine einzige Ziffer reduzieren lassen. Es sind Zahlen mit erhöhter spiritueller Bedeutung, die für höhere Bewusstseinszustände stehen. Die bekanntesten Meisterzahlen sind 11, 22 und 33, aber es gibt auch höhere Meisterzahlen wie 44, 55, 66 und so weiter. Die Meisterzahl 11 ssteht für spirituelles Bewusstsein, starke Intuition, Erleuchtung und die Fähigkeit, höhere Wahrheiten zu empfangen und zu vermitteln., die 22 für die Manifestation von Träumen in die Realität und die 33 repräsentiert die höchste Form spiritueller Liebe, selbstlose Hingabe und die Fähigkeit, andere zu lehren und zu heilen.

Die Meisterzahlen als Schicksalszahlen, also auf Grundlage des Geburtsdatums:

  • Meisterzahl 11: Die Zahl 11 wird oft als Portal zwischen den Welten betrachtet, da sie eine Verbindung zwischen Spiritualität und materieller Realität herstellen kann. Die 11 ist ein Kanal für höhere Einsichten und geistiges Erwachen.  Menschen mit der Schicksalszahl 11 gelten oft als spirituell hoch entwickelt und haben die Fähigkeit, tiefe Einsichten zu gewinnen. Oft sind es Lehrer oder Philosophen, die andere durch ihre Visionen inspirieren.
  • Meisterzahl 22: Die Zahl 22 wird als Meisterarchitekt betrachtet, da sie die Fähigkeit symbolisiert, große Visionen in die Realität umzusetzen.  Menschen mit dieser Zahl sind willensstark, visionär und fähig, Träume und große Pläne in die Realität umzusetzen. Menschen mit der Schicksalszahl 22 vereinen hohe Intuition (aus der 11) mit praktischer Umsetzungsfähigkeit (aus der 4). 
  • Masterzahl 33: Die Zahl 33 wird als die höchste Meisterzahl betrachtet und symbolisiert Mitgefühl, Heilung und die Manifestation der höchsten spirituellen Prinzipien in der Welt. Sie gilt als der seltenste sowie einflussreichste Lebensweg in der Numerologie. Menschen mit der Lebenszahl 33 werden oft als spirituelle Lehrer oder Heiler angesehen. Ihre Bestimmung ist es, zu heilen, zu lehren und anderen zu dienen. 

Die Meisterzahlen als Namenszahl

  • 11: Die Elf verheißt Erfolg und Durchbruch. Menschen mit der Namenszahl 11, gelten in der Numerologie als besonders vom Glück begünstigt. Sie besitzen ein tiefes Verständnis, hohe Sensibilität und wirken oft als Vermittler oder Visionäre. Die 11 ist ein Symbol für Erleuchtung, Inspiration und ein tiefes, feinfühliges Verständnis für das Universum. Sie weist auf eine starke Lebensbestimmung hin, die jedoch oft ein „schmaler Grat“ zwischen großer Anerkennung und innerer Zerrissenheit ist. Sie sollten sich daher stets auf ihre Instinkte verlassen.
  • 22: Die Meisterzahl 22 steht für Spiritualität. Sie gilt als die stärkste aller Zahlen. Sie vereint hohe spirituelle Energie mit praktischer Anwendung, erfordert jedoch oft die Überwindung karmischer Hürden, die sich durch Hindernisse oder Rückschläge im Leben äußern, bevor sich der Erfolg einstellt. Diese seltene Zahl verleiht die Fähigkeit zu großem Einfluss, verlangt aber hohe Verantwortung und Disziplin. Es sind Persönlichkeiten, die große, langfristige Projekte planen und realisieren. Sie verbindet die Intuition der 11 mit der Struktur Ordnung und Zuverlässigkeit der 4.
  • 33: Die Meisterzahl 33 steht für Erleuchtung, höchste spirituelle Führung, universelle Liebe, tiefes Mitgefühl und Selbstlosigkeit. Es sind Persönlichkeiten mit starker Empathie und kreativem Potenzial, die sich oft dem Wohl anderer widmen. Es besteht die Gefahr der Selbstaufopferung. 33er müssen lernen eigene Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.

Ob in der jüdischen Kabbala, bei den Maya, den alten Babyloniern oder Ägyptern, Numerologie ist weltweit in zahlreichen Kulturen verbreitet. Durch alle Zeitepochen hindurch haben Menschen einzelnen Zahlen oder Zahlenkombinationen Bedeutungen zugewiesen, wodurch die Zahlen eine symbolische Funktion erhielten, die über ihre mathematische Funktion hinausgingen. Zahlenmystiker wollen auch heute noch die Welt verstehen und die Zukunft vorhersagen. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, im sogenannten Computerzeitalter, hat das pythagoreische Weltbild eine neue Ebene erreicht. Der britische Physiker, Informatiker und Mathematiker Stephen Wolfram behauptet, das Universum könne als riesiger Computer verstanden werden, der allein durch die wiederholte Anwendung simpler Rechenregeln die gesamte Vielfalt des Universums erzeuge. Damit wird aus Pythagoras berühmten Ausspruch „Alles ist Zahl“ „Alles ist Berechnung“.