Die Kraft der Elemente
Die Erde ist ein dynamisches System, das sich ständig verändert. Sie wird geformt durch endogene Kräfte aus dem Erdinneren, exogene Kräfte von außen und biogene Faktoren. Die Bewegung der Erdplatten (Plattentektonik) führt zu Kollisionen, die Gebirge (z. B. Alpen) entstehen lassen, oder zum Auseinanderdriften, wodurch Ozeane entstehen. Vulkanismus baut Berge auf, lässt Inseln entstehen, während Erdbeben die Erdoberfläche auf dramatische und oft gewaltige Weise plötzlich verändern können. Wasser (Flüsse, Regen), Wind und Eis (Gletscher) verwittert Gestein und transportiert es ab (Erosion), wodurch neue Landschaften, Täler und Küsten entstehen. Und schließlich greifen Pflanzen, Tiere und der Mensch aktiv in die Gestaltung ein, z. B. durch Erosion oder bewußte Landschaftsveränderungen (z. B. Städtebau).
Schon seit Beginn der Erdgeschichte beherrschten zwei globale Motoren die Erde:
- der innere Motor der Erde wird durch die Wärmequelle im Erdinneren angetrieben,
- der äußere Motor durch die Sonnenenergie, die von außen auf die Erde eingestrahlt wird.
Der sich langsam abkühlende Erdkern (4500 °C) liefert genügend Wärme, um den darüber liegenden Mantel aufzuheizen. Dadurch kommt es zu Konvektionsbewegungen im Mantel, welche jene Motoren darstellen, die für die Bewegung der Platten in der Erdkruste und für die Gebirgsbildung verantwortlich sind (Grundlage der Plattentektonik). Die von außen eingestrahlte Wärme ist hauptsächlich für unser Klima und Wetter verantwortlich. Die damit verknüpften Prozesse bewirken die Abtragung der Gebirge, die Verwitterung von Gesteinen an der Erdoberfläche und schließlich die Entstehung der verschiedensten Landschaftsformen.
Naturgewalten wie Vulkanausbrüche, Tsunamis, Erdbeben sind zunächst natürliche Ereignisse, die durch geophysikalische, atmosphärische oder hydrologische Prozesse verursacht werden. Doch wenn sich die Faktoren verstärken, die eine Naturgewalt begünstigen, zerstören und bedrohen sie das Leben auf der Erde. Extreme Naturereignisse sind der Auslöser von Naturkatastrophen. Klimaforscher gehen heute davon aus, dass Naturkatastrophen vor allem bedingt durch den Klimawandel zunehmen. Durch die globale Erwärmung steigt beispielsweise die Temperatur der Meere, was wiederum das Auftreten von Wirbelstürmen begünstigt, die erst ab einer Wassertemperatur von 26,5 Grad Celsius entstehen können. Zu den häufigsten Naturkatastrophen gehören Starkregen, Überschwemmungen, Stürme, Erdbeben und Erdrutsche, Dürren, Waldbrände, Vulkanausbrüche und Tsunamis. Durch den Klimawandel hat die Häufigkeit von Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Laut der Weltorganisation für Meteorologie hat sich die Anzahl der jährlichen Naturkatastrophen in den vergangenen 50 Jahren verfünffacht. Klima- und wetterbedingte Katastrophen wie Überflutungen und Stürme machten rund 90 Prozent aller Katastrophen der vergangenen zwei Jahrzehnte aus. Bei Naturkatastrophen ist die Frühwarnung der betroffenen Gebiete ein wesentlicher Aspekt. Einige Naturgefahren lassen sich zuverlässig vorhersagen. Hurrikane beispielsweise werden mithilfe von Satelliten und anderer Technologie meist schon Tage im Voraus vorhergesagt. Andere Naturgefahren hingegen sind noch nicht vorhersehbar. Erdbeben beispielsweise treten plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Auch Vulkanausbrüche können nur bedingt vorhergesagt werden.
Immer häufiger kommt es vor, dass die Pegelstände an Küsten und Flüssen deutlich überschritten und Teile des Landes überschwemmt werden. Solche Flutkatastrophen fordern häufig viele Todesopfer und zerstören Häuser und Besitztümer. Im Wesentlichen werden drei verschiedene Arten von Fluten unterschieden: Flusshochwasser, Sturmfluten und Sturzfluten. Das Flusshochwasser ist meist die Folge starker und andauernder Niederschläge. Bei einer Sturmflut wird das Wasser von Meeren oder Seen durch starke Winde an die Küste oder das Ufer getrieben. Die hohen Wellen überfluten das Land überfluten und führen dort zu Hochwasser. Sturzfluten schließlich entstehen durch besonders starke Niederschläge und Unwetter, wenn das anfallende Wasser nicht mehr vom Boden aufgenommen werden kann.
Bedingt durch den Klimawandel nehmen tropische Wirbelstürme wie Hurrikans, Taifune und Zyklone vermehrt zu. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 380 Kilometern pro Stunde zerstören sie jedes Jahr die Lebensgrundlage zahlreicher Menschen.
| Wirbelsturm-Art | Entstehungsregion | Saison und Auftreten |
| Hurrikan | Nördlicher Atlantischer Ozean, Nordpazifik, Karibisches Meer, Golf von Mexiko | Ganzjährig im Pazifik, Hochsaison zwischen August und September; im Atlantik zwischen Anfang Juni und Ende November |
| Taifun | Nordwestpazifik | Ganzjährig, Hochsaison im August und September |
| Zyklon | Indischer Ozean, Südwestpazifik, Arabisches Meer, Golf von Bengalen | Ganzjährig, Hochsaison im Mai und Juni sowie Oktober und November |
| Willy-Willy | Indischer Ozean vor Indonesien und Nordaustralien | Anfang Januar bis Ende März |

Für die Abgrenzung zwischen einem tropischen Tief, einem Sturm und einem Wirbelsturm ist die Windstärke maßgebend. Ab einer Windgeschwindigkeit von 118 km/h handelt es sich um einen tropischen Wirbelsturm, wohingegen ein tropischer Sturm zwischen 63 bis 118 km/h und ein tropisches Tief zwischen 8 bis 62 km/h liegt. Hurrikans, Taifune und Zyklone entstehen überwiegend über dem Wasser bei einer Wassertemperatur von mindestens 26,5 °C. Große Mengen Wasser verdunsten und warme sowie feuchte Luft steigt auf. Dadurch bilden sich Gewitterwolken. Ein Luftdruckgefälle innerhalb des Sturms lässt Luftmassen in Erdnähe zum Zentrum des Sturms ziehen. Durch die Erdrotation setzt sich der Hurrikan, Zyklon oder Taifun mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern schließlich in eine Drehbewegung. Sobald sich ein Wirbelsturm gebildet hat, können Meteorologen die Entwicklung des Sturms für bis zu zehn Tage im Voraus berechnen. Durch den Klimawandel bedingte Rekordtemperaturen von über 30 °C im Atlantik können dazu führen, dass Hurrikans, Zyklone und andere Wirbelstürme in Zukunft zunehmen.
Intensität von Wirbelstürmen – Kategorie 1 bis 5
| Kategorie 1 | 119 bis 154 km/h |
| Kategorie 2 | 155 bis 177 km/h |
| Kategorie 3 | 178 bis 210 km/h |
| Kategorie 4 | 211 bis 249 km/h |
| Kategorie 5 | Über 250 km/h |
Erdbeben gehören zu den häufigsten Naturkatastrophen der Erde. In der Regel treten sie ohne Vorwarnung auf. Die Erdkruste besteht aus sieben größeren und zahlreichen kleineren Platten, die auf einer flüssigen Schicht aus Magma schwimmen. Immer wieder kommt es vor, dass sich die Platten der Erdkruste leicht verschieben und sich dabei voneinander weg bewegen oder zusammenstoßen. Sobald der Druck zu groß wird oder sich zwei Platten verkeilen, kommt es zu einem Bruch am Rand oder innerhalb einer Platte. Diese Spannungen entladen sich anschließend in Form eines Erdbebens. Manche Erdbeben dauern nur wenige Sekunden, andere Minuten. Die Stärke eines Erdbebens kann mit der sogenannten Richterskala bestimmt werden. Aktuell reicht die Skala bei den stärksten bekannten Erdbeben bis zu Werten über 9. Magnituden (lat. „magnitudo“ = Größe) von 10 oder größer wurden noch nie gemessen.
Tsunamis sind riesige Flutwellen, meist ausgelöst durch ein Erdbeben am Meeresboden. Gewaltige Tsunamis haben die Kraft, an Land und in Küstennähe alles mit sich zu reißen. Sie bestehen aus einer Reihe von Wellen, die durch eine Außeneinwirkung verursacht werden, wie z. B. Erdbeben, Erdrutsche, Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge. In offenem Gewässer werden plötzlich riesige Wassermengen verdrängt, es ensteht ein Tsunami. Gewaltige Tsunamis können mehrere Kilometer weit ins Landesinnere reichen und dort Bäume, Autos und Häuser mit sich reißen. Meist bleibt es zudem nicht bei einer Welle. Stattdessen folgen häufig mehrere Flutwellen hintereinander. Der häufigste Auslöser für Tsunamis sind Erdbeben unter Wasser – sogenannte Seebeben. Doch erst wenn das Seebeben eine Stärke von 7,0 auf der Richterskala erreicht und sich die Erdplatten vertikal verschieben, reichen die Kräfte aus, um eine zerstörerische Flutwelle entstehen zu lassen, die sich in Küstennähe meist meterhoch (in Extremfällen Höhen von über 30 bis 50 Metern) auftürmt. Auch Vulkanausbrüche können mitunter einen Tsunami auslösen.

Vulkanausbrüche sind dynamische geologische Ereignisse, bei denen Magma, Gase und Asche aus dem Erdinneren an die Oberfläche treten. Weltweit gibt es etwa 1.500 aktive Vulkane, von denen jährlich rund 50 ausbrechen. Die höchste Dichte aktiver Vulkane findet sich in Indonesien (55 aktive Vulkane in den letzten 60 Jahren), gefolgt von Japan und den USA. Unterhalv von Vulkanen dehnen sich Magmakammern aus, ziehen sich zusammen und brechen manchmal das umgebende Gestein auf. Wenn der Druck zu hoch wird, kommt es zu Ausbrüchen. Manche sind sanft und erzeugen lange Lavaströme, die stetig den Hang hinabfließen. Andere sind explosiv und heftig, schleudern Aschewolken Dutzende Kilometer hoch in die Atmosphäre und erzeugen pyroklastische Ströme, die mit extremer Geschwindigkeit und Temperatur über Landschaften fegen. Das größte Risiko für einen Vulkanausbruch in Deutschland wird in der Eifel unter dem Laacher See vermutet, wobei der letzte Ausbruch etwa 13.000 Jahre zurückliegt.
Lawinen sind schnelle, hangabwärts gerichtete Bewegung von Schnee, Eis oder einem Gemisch aus Schnee und Geröll, das sich von einem Berghang löst. Die Entstehung von Lawinen ist eng mit Wetterbedingungen, der Schneedeckenstruktur, dem Hangwinkel und Temperaturänderungen verknüpft. Starker Schneefall, Verwehungen, plötzliche Erwärmung oder Erschütterungen (z. B. durch Skifahrer oder leichte Erdbeben) können eine Lawine auslösen. Lawinen können hohe Geschwindigkeiten erreichen, weite Strecken zurücklegen und enorme Kräfte entwickeln, die Bäume, Gebäude und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, zerstören können. Die fünf Kernprobleme der Lawinenkunde sind Neuschnee, Altschnee, Nassschnee, Gleitschnee und Triebschnee. Letzerer ist eine der Hauptursachen für Lawinenunfälle. Er entsteht, wenn Wind Schneekristalle transportiert, diese dabei zertrümmert und sie in Lee-Lagen (windabgewandten Seiten), Rinnen oder Mulden kompakt ablagert. Es bilden sich instabile Schneebretter. Auch Altschnee kann große, gefährliche Lawinen verursachen.. In tieferen Schichten der Schneedecke befinden sich dauerhafte Schwachschichten (z. B. Schwimm- oder Becherkristalle), die bei zusätzlicher Belastung (z.B. durch Wintersportler) brechen und trockene Schneebrettlawinen mit sehr großen Ausmaßen auslösen können. Schwachschichten im Altschnee können über Wochen, Monate oder sogar den gesamten Winter bestehen bleiben und sind besonders an schneearmen oder schattigen Hängen zu finden.
Langanhaltende extreme Trockenheit, sogenannte Dürreperioden treten insbesondere in den Ländern Afrikas regelmäßig und aufeinanderfolgend auf. Auch in Teilen Australiens, Europas und Südamerikas treten Dürreperioden auf. Bedingt durch den Klimawandel steigt die Gefahr für extreme Wetterereignisse wie Dürren zunehmend an. Neben zu geringen Niederschlagsmengen sorgen hohe Temperaturen für ein erhöhtes Maß an Verdunstung, was zur Entstehung von Dürren beitragen kann. Weitere Maßstäbe für Dürren, sind der Grad der Bodenfeuchte und der Abfluss. Ist die Austrocknung der Böden weit fortgeschritten, werden diese wasserabweisend (= Benetzungshemmung). Die Böden können die dringend benötigte Feuchtigkeit nicht mehr aufnehmen, was zu Erosionen führen kann. Die Trockenperioden sind unberechenbar und treten ohne einen erkennbaren Rhythmus auf. Die Entstehung und Zunahme von Dürren wird dabei auch durch den Klimawandel vorangetrieben. Die globale Erwärmung sorgt vielerorts für steigende Temperaturen bis hin zu Hitzewellen, Regenzeiten fallen häufig schwächer aus und Dürreperioden dehnen sich aus. Die Schwere einer Dürre lässt sich anhand der Bodenfeuchtigkeit mit dem Palmer Drought Severity Index (PDSI) bestimmen.
| Wert | Ausmaß |
| 4 und mehr | Extrem nass |
| 3 bis 3,99 | Sehr nass |
| 2 bis 2,99 | Mäßig nass |
| 1 bis 1,99 | Leicht feucht |
| 0,5 bis 0,99 | Beginnende nasse Periode |
| 0,49 bis -0,49 | Normalzustand |
| -0,5 bis -0,99 | Beginnende Trockenperiode |
| -1 bis -1,99 | Leichte Dürre |
| -2 bis -2,99 | Mäßige Dürre |
| -3 bis -3,99 | Starke Dürre |
| -4 und weniger | Extreme Dürre |
Etwa alle drei bis fünf Jahre tritt seit Jahrhunderten ein Wetterphänomen auf, das in verschiedenen Teilen der Welt zu extremen Wetterveränderungen führt: Starke Niederschläge, Dürren und Hitzewellen begleiten El Niño. Wo normalerweise Trockenheit herrscht, sorgt das Klimaphänomen für Niederschläge und in Regionen, in denen es üblicherweise viel regnet, bringt es Dürre. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, bei dem sich das Oberflächenwasser im zentral-östlichen Pazifik stark erwärmt und sich die darüber liegende Luftzirkulation umkehrt. Die genauen Ursachen für das Auftreten eines El Niño-Ereignisses sind weitestgehend unbekannt und Gegenstand aktueller Forschung. Im Gegensatz zu plötzlichen geologischen Ereignissen, die z. B. Tsunamis auslösen, baut sich El Niño über Monate auf und kann mehrere Monate bis über ein Jahr andauern. Was genau El Niño auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt. Daher ist das Klimaphänomen schwer vorherzusagen und variiert zudem jedes Mal in seiner Stärke und Dauer.
Prophezeiungen von Naturkatastrophen
Im Jahr 1550, begann der selbsternannte Prophet Nostradamus mit der Verfassung von jährlichen Almanachen, in denen die ersten Prophezeiungen für das jeweilige Jahr abgedruckt wurden. Seit 1555 enthielten sie auch Vierzeiler. Im selben Jahr gab er in Lyon eine größere Menge an Prophezeiungen in Vierzeilern als „Les Propheties de M. Michel Nostradamus“ heraus, bestehend aus vier „Centurien“, die sich ihrerseits wiederum aus drei Mal hundert und einmal 53 Quatrains genannten Vierzeilern zusammensetzten. Ein Vierzeiler lautet: „Von Westen nach Osten werden die Wasser steigen / Die drei großen Flüsse werden ihr Weinen bringen / Ihre Wellen werden über die Ufer schwappen / Und hohe Städte in Stille versinken.“ Leider fehlen konkrete Zeitangaben. Doch die Vorhersage kann nur bedeuten das es Überschwemmungen geben wird. Extremwetterereignisse werden zunehmen. Nostradamus spricht in einer seiner Centurien auch von einer „großen Seuche“ und einem „maritimen Dorf“. Vielleicht eine neue Pandemie. Nostradamus Prophezeiungen sind und bleiben rätselhaft.
Weitere Propheten die kommende Naturkatastrophen vorhergesagt haben waren: Baba Wanga, Lobsang Rampa.