Verschollene Grabstätten

Archäologen und Historiker suchen seit Jahrhunderten nach verschollenen Grabstätten berühmter Personen der Geschichte auf der ganzen Welt. Die rund 4500 Jahre alten Pyramiden von Gizeh (Ägypten) gelten als letztes noch erhaltenes der sieben Weltwunder der Antike. Cheops, Chephren und Mykerinos waren Grabstätten für Pharaonen im Alten Ägypten, wobei die Mumien und Grabbeigaben nie gefunden wurden. Noch sind z. B. nicht alle Königsgräber im Tal der Könige in Ägypten entdeckt. Archäologen sind davon überzeugt, dass es noch unentdeckte Königsgräber gibt – wie das von Thutmosis II. oder Ramses VIII.  Auch das Grab der Königin Anchesenamun, die mit Tutanchamun und später mit Eje verheiratet war, wurde noch nicht entdeckt. Ebenso alle Gräber der Königinnen der achtzehnten Dynastie wurden noch nicht lokalisiert, die letzte Ruhestätte der Nofretete ist unbekannt. Auch das Grab Kleopatras wurde bisher nicht gefunden. Rätselhaft ist auch der Verbleib von König Echnatons Mumie.  Echnaton  verbot die alten Götter Ägyptens und führte einen neuen Kult um den Gott Aton ein. Seine Frau war die berühmte Königin Nofretete. Das Grab 26 in der Nekropole von Amarna gehört Echnaton. Im Grab wurde zwar eine Mumie gefunden, es handelt sich dabei aber mit Sicherheit nicht um die des Königs. Es kann heute davon ausgegangen werden, daß seine Mumie nicht mehr existiert.

In den Bergen, die in Luxor westlich des Tals der Könige liegen, wurde ein dort bereits 2022 gefundenes Grab nun als das Grab des Königs Thutmosis II. identifiziert. Das geht unter anderem aus Inschriften auf zerbrochenen Alabastergefäßen hervor. Damit endet eine lange Suche. Thutmosis II. war ein Pharao der 18. Dynastie, mit der das sogenannte Neue Reich begann. Aus dieser Dynastie stammen auch die heute sehr bekannten Könige Echnaton und Tutanchamun; Thutmosis II. war Echnatons Ur-Ur-Urgroßvater. Der Pharao regierte von etwa 1492 bis 1479 vor Christus in Theben und gilt als eher schwacher, kränklicher Herrscher; nach seinem Tod übernahm seine Frau und Halbschwester Hatschepsut die Macht. Seit 100 Jahren wurde kein Pharaonengrab mehr gefunden — das letzte war 1922 das von Tutanchamun — damit wurdet  auch das letzte unbekannte Königsgrab der wichtigen 18. Dynastie gefunden. Im Oktober 2022 entdeckte eine britisch-ägyptische Mission in den sogenannten Westtälern, die auf der anderen Seite des Bergplateaus liegen, welches das Tal der Könige nach Westen begrenzt, ein neues Felsengrab. Das Grab enthielt keine Mumie,  war auch in keinem guten Zustand und zeigte deutliche Spuren von Überschwemmungen, die bereits in der Antike passiert sein mussten. Schnell gab es Spekulationen,  ob es sich hier um das Grab von Thutmosis II handeln könne.  Es wurde vermutet das aufgrund der Überschwemmungen in der Antike die Mumie des Thutmosis II aus diesem Grab an eine andere Stelle evakuiert wurde. Das Grab wurde wahrscheinlich nicht beraubt, sondern in seiner Gesamtheit, mit allem, was darin war, geräumt. Plünderungen hinterlassen eindeutige Spuren.  Zum Beispiel werden Mumien auf der Suche nach Amuletten ausgewickelt, Bandagen liegen gelassen und Uschebti-Figuren zerbrochen. Im Grab von Thutmosis II findet sich nichts dergleichen. Gefunden wurde die Mumie von Thutmosis II dann angeblich im späten 19. Jahrhundert in der sog. „Cachette von Deir el-Bahari“. Da dort aber keine Grabbeigaben von Thutmosis Ii gefunden wurden, ist davon auszugehen, dass der komplette Grabinhalt nach den Überschwemmungen zunächst in ein anderes Grab gebracht wurde und die Mumie erst in der Spätzeit des altägyptischen Reiches zusammen mit vielen anderen Königsmumien dann in die Cachette von Deir el-Bahari gebracht wurde. Es gab aberimmer schon  Zweifel , ob die Mumie aus der Cachette wirklich Thutmosis II ist. Die Zweifel begründeten sich am vermutlichen Sterbealter der Mumie — der Mann soll ca. 40 Jahre alt gewesen sein. Thutmosis II. wurde jedoch schätzungsweise  nur etwa 30 Jahre alt. Der Pharao der 18. Dynastie regierte nur kurz, etwa 1492 bis 1479 v. Chr. Also weniger als fünf Jahre, bevor er verstarb. Das ursprüngliche Grab von Thutmosis II ist nun zwar zweifelsfrei identifiziert — für seine Mumie gilt das nicht. Es ist daher  durchaus möglich, dass das zweite Grab dieses Königs, in das der gesamte Grabinhalt nach den Überschwemmungen „umgelagert wurden“ war, noch gar nicht gefunden ist und evtl. darin auch die wahre Mumie Thutmosis‘ II noch unentdeckt und ungestört liegt. An einer Stelle an der bisher noch keine Ausgrabungen stattgefunden haben.

Bisher ist auch noch kein einziges Grab eines Angehörigen der Ptolemäer-Dynastie gefunden worden. Die ptolemäische Epoche ist archäologisch gut belegt, aber die konkreten Ruhestätten der Herrscherfamilie bleiben eines der größten ungelösten Rätsel der Ägyptologie – ebenso wie die Grabstätte von Alexander dem Großen, dessen Leichnam der Überlieferung nach von Ptolemaios I., nach Alexandria gebracht worden sein soll. Seit Langem wird auch nach dem Grab des Dschingis Khan gesucht. Nach mongolischer Tradition wurde der Ort seiner Grabstätte geheim gehalten und bis heute nicht gefunden.

Auch das Grab Attilas, Herrscher über das kriegerische Reitervolk der Hunnen, wurde bisher nicht gefunden. Nach der Ermordung seines Bruders Bleda im Jahr 445 herrschte Attila noch nicht einmal ein ganzes Jahrzehnt über sein zwischen Ost- und Westrom gelegenes Reich, als er 453 ausgerechnet in der Hochzeitsnacht einen rätselhaften Tod starb. Ob Blutsturz infolge von Trunkenheit oder Mord ? Die Todesursache bleibt unbekannt.  Über den Ort seiner Bestattung zirkulieren verschiedene Hypothesen. Ob in einem vorübergehend trockengelegten Flussbett der Feistritz bei Fürstenfeld (Steiermark), oder unter ähnlichem Szenario mit kurzfristiger Flussstauung und -trockenlegung  in der Donau (Ungarn).  Interessant klingt die Version aus der aus dem 6. Jahrhundert stammende „Gotengeschichte“ des Historikers Iordanes. Danach soll Attila in einem Grabhügel mit drei Särgen begraben worden sein. Sein erster Sarg war aus Gold, der zweite aus Silber, und der dritte aus Eisen.

Proserpina-Sarkophag

Die Gebeine Karls des Großen liegen im Aachener Dom in einem Schrein, doch die Grabstätte des Kaisers suchen Archäologen vergeblich. Nach seinem Tod wurde Karl der Große in der Aachener Pfalzkapelle beigesetzt. Ob er schon damals in dem sogenannten Proserpina-Sarkophag beigesetzt wurde, ist umstritten. Der genaue Ort der ursprünglichen Grablege in oder an der Pfalzkapelle ist unbekannt. Auch die große Cheopspyramide in Gizeh hat noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Erbaut wurde sie vom Pharao Cheops. Er soll nach seinem Tod in der Pyramide begraben worden sein. Doch bisher wurden weder die Mumie des Cheops noch Grabbeigaben gefunden. Der Sarkophag in der Königskammer war leer vorgefunden worden, der Verbleib des Pharaos ist ungeklärt. Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass die Mumie nicht in der Pyramide ist. Manche Forscher und Ägyptologen sind überzeugt, dass die Mumie des Pharao Cheops und seine Grabbeigaben von Grabräubern aus dem Sarkophag entfernt wurden. Doch diese Theorie erscheint eher unwahrscheinlich. Durch die vielen Grabplünderungen im alten Ägypten sind tatsächlich zahlreiche Gräber ausgeraubt worden. Doch in der Regel wurden nur die Grabschätze gestohlen, die Mumien blieben meistens unberührt. Es scheint es wahrscheinlicher, dass die Grabkammer des Cheops bislang noch nicht entdeckt wurde. Denkbar ist auch, dass die große Pyramide nur als Ablenkungsmanöver für potenzielle Grabräuber gedacht war, und Cheops noch irgendwo versteckt in dem riesigen Pyramidenkomplex liegt.

Anmerkung des Autors: Im Tal der Könige sind sicher noch viele Gräber unentdeckt. Vielleicht auch die von Kleopatra oder Nofretete. Am 12. Januar  2011 wurde das 64. Grab im berühmten Tal der Könige in Oberägypten entdeckt, ein unberührtes Grab aus der Zeit der Pharaonen. Es befindet sich in einer Nebenschlucht in unmittelbarer Nähe zum Grab des berühmten Pharao Tutmosis III., und  ist der bedeutendste Fund seit der Entdeckung der Schatzkammer im Grab des Tutanchamun im Jahr 1922 durch den Engländer Howard Carter. Der Sarkophag im Grab enthielt die perfekt erhaltene Mumie einer etwa 1,55 Meter großen Frau. Neben dem Sarkophag wurde eine Holzstele  in dem Grab gefunden. Weitere Grabbeigaben fanden sich nicht. Der hölzerne schwarze Sarkophag in der rund vier mal 2,4 Meter großen Kammer und Holzstele stammen aber aus der 22. Dynastie, die im 9. Jh. v. Chr. anzusiedeln ist. Auf der Holzstele stand geschrieben, wer hier bei der „Zweitbelegung“ dieser Grabkammer begraben wurde: Es handelte sich um eine Frau namens Nehemes-Bastet, deren Vater ein Priester im nahe gelegenen Tempel von Karnak war. Die Frau stammte also aus einer einflussreichen Familie und war selbst „Sängerin des Amun“, also eine Art Priesterin des Gottes Amun. Im Tal der Könige wurden neben Herrschern auch Mitglieder der gesellschaftlichen Eliten Ägyptens bestattet.  Es wurden zusammen mit diesem Fund bisher überhaupt nur vier Gräber gefunden, die nicht von Grabräubern vergangener Jahrhunderte ausgeraubt waren.“