Die Hölle
Die Hölle ist nach den Auffassungen zahlreicher Religionen ein unwirtlicher, jenseitiger Ort der Bestrafung für, dem jeweiligen Glauben als verboten geltende, im Diesseits begangene Taten.

In seinem epischen Gedicht „Göttliche Komödie“ beschreibt der italienische Schriftsteller Dante Alighieri seine Reise durch die Hölle, geführt von dem antiken römischen Dichter Vergil. Inferno (italienisch: Hölle) ist der erste Teil des Gedichts. Es folgen das Purgatorio und das Paradiso. In dem Gedicht wird die Hölle in Form von neun konzentrischen Kreisen der Qual dargestellt, die sich innerhalb der Erde befinden; es ist das „Reich … derjenigen, die geistige Werte zurückgewiesen haben, indem sie bestialischen Begierden oder Gewalt nachgaben oder ihren menschlichen Verstand zu Betrug oder Bosheit gegen ihre Mitmenschen pervertierten“. Als indirekte Aussagestellt die Göttliche Komödie die Reise der Seele zu Gott dar, wobei das Inferno die Anerkennung und Ablehnung der Sünde beschreibt. Je nach Glaubensauffassung wird die Hölle als Ort der Vernichtung, der Läuterung oder der ewigen Verdammnis des Verstorbenen gedacht. Dabei gibt es viele unterschiedliche Vorstellungen, was genau mit der Hölle gemeint sei. Nach der christlichen Tradition ist sie ein Ort ewiger Verdammnis, an den die Seelen der Missetäter nach dem Jüngsten Gericht gelangen. Sie steht im Gegensatz zu einem Ort absoluter Glückseligkeit (Paradies, ewiges Leben, Himmel). Das Purgatorium (Fegefeuer) nimmt als ein Ort der Läuterung eine Zwischenstellung ein. Dem Islam (Dschahannam) nach ist die Hölle ein Ort der Bestrafung für Ungläubige und Sünder. Sie hat sieben Ebenen, die mit Toren und Engeln bewacht werden, in die tieferen Etagen kommen die größten Sünder. Im Buddhismus/Hinduismus (Naraka) ist die Hölle eine durch negatives Karma verursachte aber vorübergehende Existenzebene der Läuterung, um die karmische Schuld zu begleichen, bevor eine Reinkarnation stattfindet. In der Griechischen Mythologie ist der Tartarus der tiefste Teil der Unterwelt, ein finsterer Abgrund weit unter dem Hades, der als Gefängnis für Feinde der Götter und Ort der Strafe dient. Im Judentum glaubt man auch an die Wiederauferstehung aller Menschen nach dem jüngsten Gericht. Es gibt aber keine exakte Entsprechung zur christlichen Vorstellung der Hölle, sondern den zeitlich begrenzten Gehinnom, ein Ort geistiger Qualen und spiritueller Reinigung, der dem christlichen Fegefeuer ähnlich ist. Das Ziel ist die Reinigung der Seele, um Gott begegnen zu können. All diejenigen, die zum Gehinnom hinabsteigen, werden wieder emporsteigen (das heißt: Es gibt keine ewige Verdammnis). Der direkte Weg nach Eden, der den ewigen Frieden symbolisiert, ist nach Meinung unserer Weisen nur den wahrhaft Gerechten vorbehalten. Alle anderen gehen an den Ort der geistigen Qualen, den Gehinnom. Der Gehinnom wird manchmal auch »Scheol« genannt, ein Ort der Dunkelheit und Stille, wohin alle Toten gehen, unabhängig von ihrer irdischen Schuld. Auch Jesus Christus spricht wiederholt von der Hölle, dem Teufel und dem Bösen und warnt vor der ewigen Verdammnis.
Mt 5,22: Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. ;
Mt 13,38-39: der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel;
Mt 13,49–50: So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen;
Mt 8,12: die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.
Die Offenbarung des Johannes erwähnt das Gericht über alle Toten. Dem „Feuersee“ werden, nachdem alle nach ihren Werken gerichtet wurden, letztlich „der Tod und die Unterwelt“ übergeben.
Offb 20,13–14: Das Meer gab seine Toten zurück, ebenso der Tod und das Totenreich. Alle, ohne jede Ausnahme, wurden entsprechend ihren Taten gerichtet. Der Tod und das ganze Totenreich wurden in den See aus Feuer geworfen. Das ist der zweite, der ewige Tod.
Nach Meinung einiger Theologen ist die Hölle kein bestimmter Ort und keine bestimmte Zeit, sondern gemeint sei der Moment der Begegnung eines sterbenden Menschen mit Gott. In diesem Moment begegnet der unfertige und unvollkommene Mensch Gott. Moderne Theologen vertreten oftmals ebenfalls diese Position. So sollen Jesus die Höllen-Drohworte erst nach seinem Tod in den Mund gelegt worden sein. Einige Gruppen wie die Bibelforscher, die Zeugen Jehovas und die Christadelphians lehren den Annihilationismus, eine Alternative zur traditionellen Vorstellung der ewigen Verdammnis in einer Hölle dar. Die Seelen derer, die nicht gerettet sind, werden beim Endgericht vollständig vernichtet. Sie hören auf zu existieren. Demnach ist die menschliche Seele nicht von Natur aus unsterblich, sondern Unsterblichkeit ist eine Gabe Gottes, die nur den Gläubigen durch Jesus Christus zuteilwird
Im Islam wird die Hölle als feuriger Abgrund gedacht, über den die schmale Brücke as-Sirāt in den Himmel führt. Alle Seelen der Toten müssen über diese Brücke gehen, und die Verdammten fielen in das Feuer hinunter, wenn sie nicht durch die Gnade Allahs erlöst würden. Im Islam dauert die Hölle nicht wie im Christentum unabänderlich ewig, sondern nur solange, wie Allah es will (Sure 6,128 und Sure 11,107). Im alten Mesopotamien bestand der Glaube an das Totenreich Irkalla. Die Unterwelt ist unter anderem im Gilgamešch-Epos beschrieben. Bei den Ägyptern war am Ende des Lebens die Reise nach Sechet-iaru, dem Lichtland im Totenreich, das Ziel. In der mittelpersischen Tradition werden eine Hölle (dushox) und eine Art Fegefeuer (hammistagan) genannt. In der griechischen und römischen Mythologie gelangten die Verstorbenen, wenn sie rituell bestattet wurden und den Fährmann Charon bezahlen konnten, über den Totenfluss in die Unterwelt. Im Hinduismus spielt die Vorstellung von Hölle (Naraka) eine untergeordnete Rolle. Die indische Mythologie kennt verschiedene Höllen, die einen Teil des unendlichen Kreislaufs der Reinkarnation darstellen. Demnach erfährt der Verstorbene hier so lange großes Leid, bis sein schlechtes Karma, die negativen Folgen seiner Taten, verbraucht ist. Nach einiger Zeit kehrt das Individuum auf die Erde zurück, um wieder und wieder geboren zu werden – bis zur endgültigen Erlösung (moksha). Der Buddhismus übernahm in modifizierter Form die hinduistischen Vorstellungen von Wiedergeburt und Hölle (gleiches gilt auch für den Jainismus und den Sikhismus). Ähnlich wie im Hinduismus dienen auch hier die Qualen, die ein Sünder in den jeweiligen „Bestimmungsstufen“ erleidet, dazu, sich von den erworbenen negativen Daseinsfaktoren zu reinigen und zu befreien. Dadurch kann er dann auf einer höheren Ebene wiedergeboren werden. Der niedrigste der sechs Daseinsbereiche des buddhistischen Lebensrades ist der „Bereich der Hölle“. In der Kosmogonie des Tengrismus gibt es drei Welten: Die himmlische Welt (Uçmag), die irdische Welt und die Unterwelt (Tamağ).
Eine einmalige Ganzkörperdarstellung des Teufels findet sich im Codex Gigas, der sogenannten Teufelsbibel. Auf einer ganzen Seite ist fast eine ein Meter große Illustration des Bösen, umgeben von einem mysteriösen Schatten im Pergament abgebildet. Bei der sogenannten Teufelsbibel handelt es sich um ein absolut einzigartiges, handgeschriebenes Manuskript aus dem späten Mittelalter. Das mysteriöse Manuskript besitzt eine sagenumwobene Legende und wirft bis heute viele Fragen für die Wissenschaft auf. Die Teufelsbibel beinhaltet unter anderem die komplette Bibel (also das Alte sowie das Neue Testament, diverse geschichtliche Daten, medizinische Abhandlungen, Beschwörungen, Exorzismen und magische Zaubersprüche, geschrieben auf über 160 Kalbshäuten. Die Teufelsbibel ist eine Sammlung von Texten, die sonst nirgends in dieser Form existieren. Das Manuskript ist ein besonders merkwürdiges, faszinierendes, riesiges, bizarres, unerklärliches Objekt.